Gestaltung
 

 


 

Die Kirche ist der Ort, an dem der Pastor ein nationalsozialistisches Luthertum predigte, wo „deutschkirchliche“ Konfirmationen vorgenommen wurden, wo „nichtarische“ Christen Gottes Wort hörten, bis sie der Kirche verwiesen wurden. Die Ausstellung bringt die eigene Geschichte in die Kirchengemeinde und fordert zum Dialog auf.

 

Studio Mielstoe:
Gestaltungskonzeption zur Ausstellung »Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 – 1945«
 

Ziel ist es, am authentischen Ort die Vergangenheit lebendig zu machen und genau an diesen Stätten die Abkehr von der Vergangenheit zu vollziehen.

Die gestalterische Konzeption der Ausstellung soll Ausstellung und Gebäude miteinander „korrespondieren“ lassen, um so das historische Geschehen auch emotional spürbar zu machen.

Es galt also, eine Wanderausstellung für Räume zu gestalten, die in wesentlichen Strukturelementen gleich sind (Altar, Kirchenbänke, Kanzel), aber dennoch höchst individuell in ihrer Ausstattung.

Die Kirche als Ausstellungsort schafft gestalterische Möglichkeiten, schränkt sie aber auch gleichzeitig durch ihre eigenen räumlichen Vorgaben ein.

Diese gestalterische Aufgabe wurde Studentinnen und Studenten der Studienklasse „3-D-Gestaltung“ unter Prof. Bernhard Schwichtenberg von der Muthesius-Hochschule für Gestaltung und Design gestellt. Eine Jury wählte einen Entwurf (Studio Mielstö) aus.

Die wesentlichen Elemente der Gestaltung sind:

  • Nutzung der Kirchenbänke als Träger von Texttafeln (s. „Schaubild“: Zeitleiste II, s. Nr. 5)
  • große, zum Teil überdimensionierte Elemente (s. „Schaubild“: Blackbox, s. Nr. 4; das Portal, s. Nr. 3), damit sie der Größe des Kirchenraums entgegenwirken
  • Materialien, die im Gegensatz zum Kirchenraum stehen: angerostete lackierte Metalle; schwarz lackierte Metalle
  • Verwendung klarer Farben: schwarz, weiß, rot – die Farben der Nationalsozialisten, die Farben des Kaiserreiches, die Farben deutscher vordemokratischer Tradition
  • Verzicht auf realistische und historisierende Elemente: die Menschen, über die an den zehn biographischen Stationen bestimmte Themen transportiert werden sollen, werden „entfremdet“ dargestellt, indem jeweils Brustbilder auf eine Stoffleinwand projiziert werden. Im Vordergrund soll nicht der individuelle Lebenslauf stehen, sondern das Handeln oder Erleiden der jeweiligen Person, die hierbei stellvertretend für viele andere auftritt.
  • der Kirchenraum als ein Ort des Wortes: an den zehn biographischen Stationen können per Knopfdruck Tondokumente abgespielt werden
  • das „lokale“ Fenster (s. „Schaubild“: Nr. 7) bietet innerhalb der sonst gleich bleibenden Wanderausstellung die Möglichkeit, sich mit der eigenen Geschichte vor Ort auseinanderzusetzen

 

 
       

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