Die Opfer/Täter - Skala

Selbstgewählte oder aufgezwungene Verhaltensmuster im NS-Staat, die Differenz zwischen Opfer und Täter.

Wie sich ein Mensch verhalten konnte, hing von seiner Herkunft ab: Menschen jüdischer Herkunft wurden als Opfer verfolgt, sogenannte “Arier” hingegen konnten wählen, ob und wie sie zu Tätern wurden.
 

 
 
Juden,
“Mischlinge”,
“Versippte”
Opfer Verfolgte

Ermordet

Deportiert

Verfolgt

Flucht / Exil

Diskriminiert

Solidarisch, daher verfolgt

Offene Unterstützung

Solidarisch, nicht verfolgt

Heimliche Unterstützung

Stille Ablehnung

keine Position

Stille Zustimmung

Relativierter Antisemitismus

Propagierter Antisemitismus

Offene Zustimmung

Schreibtischtäter

Mörder

“Arier”
Täter
 
Nicht Verfolgte
 
 


Es gab viele Möglichkeiten, auf die 1933 beginnende Judenverfolgung zu reagieren. Als im April 1933 die Nationalsozialisten den Boykott jüdischer Geschäfte organisierten, kauften in vielen Orten Menschen absichtlich dort ein, so auch in Kiel und Rendsburg. Als 1938 die Synagogen brannten, stellte sich einzig in Berlin ein Polizist der SA entgegen und verhinderte die Zerstörung der Neuen Synagoge.

Niemand war gezwungen, Juden ihren Arbeitsplatz zu nehmen, ihren Besitz zu stehlen, sie aus ihren Wohnungen zu vertreiben. Kein Pastor wurde gezwungen, von der Kanzel gegen Juden zu hetzen. Wenn einer dies tat, geschah es aus freien Stücken.

Es gab verschiedene Wege, nicht mitzumachen, ohne verfolgt zu werden. Einzig diejenigen, die von den Nationalsozialisten zu “Juden” gestempelt wurden, hatten kaum eine Wahl. Sie brauchten Glück, um fliehen zu können, und ein Land, das ihnen Asyl gewährte.

 
     

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