Diskussion um Wilhelm Halfmann

Da die Darstellung Wilhelm Halfmanns in der Ausstellung bisher am meisten zu Diskussionen geführt hat, dokumentieren wir hier die Beiträge zum Thema, die in der Ausstellung in das “Dialogbuch” an der Station “Antijudaismus und Bekenntnis” – Wilhelm Halfmann geschrieben wurden. Sie sind chronologisch sortiert vom Ausstellungsbeginn im September 2001 bis zum Sommer 2002. Wiederholungen und nicht die Ausstellung betreffende Einträge wurden weitgehend weggelassen. Die Unterschriften (so sie vorhanden bzw. lesbar waren) wurden grundsätzlich auf die Initialen verkürzt, die Schreibweise wurde nicht verändert.
Stephan Linck

Ich finds gut, dass Halfmann sich für das Recht der Juden eingesetzt hat. A. P., Rendsburg, den 9.10.01

Halfmann hat sich doch absolut nicht für die Juden sondern eher gegen die Juden eingesetzt. Er sah den Juden als Feind. Positiv ist sicher, dass er die Tötung unschuldiger als nicht christlich und falsch hält. Die Juden waren für ihn aber schuldig. Kaum zu glauben. JB

Fakt ist, wir brauchten und brauchen Frieden - weltweit! K.-I.I.

Ich finde es wird bei Rassismus immer nur in Vergangenheit gesprochen doch das gibts heute noch viel. Gez. Anonym

Ich kannte die Geschichte der Leute noch gar nicht, doch jetzt weiß ich bescheid.
Hannah B. aus Berlin

Warum gab es nur so wenige aufrechte Männer wie z.B. den Propst aus Eutin: Wilhelm Kiekbusch! G.H. I., HL, 6.11.01

Der war doch ein dicker DC!

Keine Religion ist schult an eine sache es sind die einzelnen Menschen. 8.11.01

Wir wünschen uns Frieden für die Welt und das einzelne Glaubensrichtungen nie wieder ausgegrenzt werden! S und S

Pastor Halfmann hat im Jahr 1944 in Mölln 2 Neffen getauft. Die Väter waren an der Front.

Er hat die Trauerfeier für meinen gefallenen Bruder gehalten.

Ich bin schwer erschüttert über die Schrift gegen die Juden von 1934.
I. W.

Gelungene Ausstellung. Weltfrieden für alle Zeit. Lübeck, 30.11.01

Vielleicht ist Gott nicht der Schlechte, aber auf jeden Fall die Menschen, die sich das alles so interpretieren, das Millionen Menschen deshalb sterben müssen. 23.11.01

Eine eigenartige Ausstellung!
Sicher ist es begrüßenswert, daß die braune Geschichte der Kirche angeguckt, erforscht, “aufgearbeitet” wird. Aber wie merkwürdig mutet es doch an, daß das nach über einem halben Jahrhundert erst geschieht!

Die Nordelbische Kirche und ihre Synoden sind innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland fast die letzten, die sich mit der Schand-Geschichte des Verhältnisses “Christen-Juden” beschäftigt.
Offensichtlich ist es unvermeidlich geworden, damit Nordelbien nicht den Ruf bekommt, sich dem Thema zu verweigern. Jetzt endlich, wo es wohl nicht mehr zu umgehen ist, wird eine technisch sicher gut gemachte Ausstellung auf Reisen geschickt, - aber das Ganze wirkt wie eine Geschichte aus uralten Zeiten. Mittlerweile sind die Deutschen wieder kriegstauglich, kriegswillig; mittlerweile gibt es wieder massive Zensur und Einschüchterung von seiten derer, die ganz geil sind auf “deutsche Verantwortung” in der Welt; und die Stellungnahmen der Kirchen zu dem Ganzen sind windelweich, taktisch - vorsichtig, feige - ausgewogen, und wieder ist ein wichtiges Thema unseres öffentlichen Lebens verschenkt worden.
In der Öffentlichkeit ist die PDS die einzige ernst zu nehmende Stimme geworden, die dem demokratisch legitimierten Totalitarismus entgegentritt.
Die Nordelbische Kirche schmückt sich selber mit dieser Ausstellung mit dem Gestus selbstkritischen Gehabs von Gutmenschen, die ihr blödes, folgenloses Gelaber vom “Nie wieder” pathetisch zur Schau stellt, ohne Folgen für die Jetzt-Zeit. Eine aseptische Aktion, diese Ausstellung, die da unser(?) Elend, die Inhaltslosigkeit des kirchlichen Selbsterhaltungsbetriebs nur verschleiert.
Vom Umgang mit Pastoren und Pastorinnen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich dem main-stream in dieser Kirche nicht anpassen und dafür Mobbing und Vorgesetzten-Disziplinierung erfahren, gar nicht zu reden. Da soll sich der Betrachter der Ausstellung dann mit den Unsäglichkeiten des Propsten Dührkop gegen Pastor Bothmann “betroffen” beschäftigen, aber was heute in dieser Kirche läuft an Menschen verächtlichen, das interessiert kaum jemanden.
Deshalb: so gut die Ausstellung bezüglich ihres Themas auch ist, - sie hat eine hochgradig-üble ideologische Funktion, damit das Elend dieser Kirche nicht sichtbar wird, sondern der Schein, daß “ja heute zum Glück alles ganz anders ist.” gewahrt bleibt.
Ein kirchlicher Mitarbeiter, der seinen Namen hier aus naheliegenden Gründen nicht hinterläßt

Ein schönes Thema klingt in der Kritik. Wer bringt (besserlesbare?) Infos zu denen, die noch bereit sind, ihren Geist zu beschäftigen, ihn sogar einmal zu benutzen?
im Geiste Aufklärer

“Kein Mensch hat das Recht einen anderen zu töten” nur weil er eine andere Religion hat.
Rassismus war nicht nur früher ein Problem, sondern sogar heute in dieser Modernen und eigentlich toleranten Zeit.
26.11.01 K aus HL

Wir guten Deutsche: als der Krieg zuende war, waren wir (fast) alle Sozialdemokraten. Plötzlich.
D. de B.

“Er rechtfertigte die staatliche Judenverfolgung” - und war 1946 Bischof von Schleswig-Holstein - So ein schneller Schwenk? Wer hat ihn wohl gewählt?
(unleserlich)

Hat nicht die Kirche ihre eigenen Pastoren an die Nazis ausgeliefert?

Daß Wilhelm Halfmann 1946 das Amt des holsteinischen Bischofs übertragen wurde, zeigt, wie schwer sich die evangelische Kirche mit der Aufarbeitung der Vergangenheit tat. M.

Du liegst falsch.

Bezeichnend, daß W. Halfmann 1946 – Bischof wurde – für den Geist der kirchlichen Beamten.
Warum kommt diese Ausstellung, diese Auseinandersetzung mit der Nazi-Ideologie so spät. 10.01.02 W. K.

Mich wundert das alles nicht. Schon Luther war ein schlimmer Antisemit! (“...zündet ihre Häuser an” – so Luther über die nicht konvertieren wollenden Juden). Beide Kirchen haben sich nicht mit Ruhm bekleckert, aber wie die Evangelen gegen ihre jüdischen Mitbürger gehetzt haben (siehe die “Deutschen Christen”) ist eine Schande!!! Die Ausstellung kommt ein halbes Jahrhundert zu spät, Ihr Lieben! “Liebe Deinen Nächsten” galt wohl nicht für unsere “großen Brüder” (Zitat Papst Johannes Paul), die Juden, oder wie? Eine feine Mörderbande, diese sogenannten Christen, egal, ob sie nun direkt oder indirekt zum Holocaust beigetragen haben. G. N. (katholisch)
P.s.: An dieser blutleeren, verkopften Ausstellung vermisse ich eines – echte Reue!

Auch wir finden alles schrecklich, können aber nix bereuen, denn wir waren nicht da. Die Ausstellung ist gut, um deutlich zu machen was passierte + dass es nie wieder geschieht. 10.01.02

Die Aufrichtigkeit der Ausstellung beeindruckt sehr. Das hat die ev. Kirche der kath. doch noch voraus.
Ein Trost – über allem Unrecht ist Gott der letzte Richter. Er segnet sein Volk Israel.
12.01.02 H.

Zu G. N. würde ich gerne sprechen! (s.o.) Ich war mit meinem Religionskurs der Kieler Gelehrtenschule hier und meine Schüler & Schülerinnen fanden die Arroganz, mit der sie schreibt, unglaublich.
Bei dieser Ausstellung kommen mir ganz andere Gedanken, als die der Aufrechnung: Die einer Reue, obwohl ich nicht dabei war und die Hoffnung, dass wir alle daraus lernen. G. H.

Die Wege der einzelnen Personen sind in ihrer ganzen Gebrochenheit und Widersprüchlichkeit dargestellt. Da kann sich jeder glücklich schätzen (heute), dass er diese schwere Bewährungsprobe nicht bestehen muß. E. L.

Die “Bekennende Kirche” war für mich bisher immer ein Vorbild für christliches, verantwortliches Verhalten in der Nazizeit (Bsp. Dietrich Bonhoeffer). Daß ihre Vertreter auch, wie hier deutlich, so antisemitisch argumentieren konnten, erschreckt mich u. zeigt, wie vergiftend Luthers Schrift zum Judentum in der Kirche überall die Jahrhunderte gewirkt hat. 20.1.02 M. L., Hbg.

Religion und Abstammung sind auf keinsten der Anlass für Krieg, Mord, Hass. Friede für immer. J., O., u.a.

Vielleicht hat sich Gott – doch sicher ? – was dabei gedacht, dass diese Ausstellung erst jetzt zu Stande gekommen ist?! K. P. 26.1.02
Zur Predigt von Pastor W. Halfmann 1944: Beim letzten Satz wird mir etwas mulmig, aber zum Glück wird heute offen darüber diskutiert: “Todesstrafe ja oder nein.” Ich sage: Hier richten wir – aber lassen nicht Gott richten . “ Nein. K. P.

Eine “gut” gemachte und “gut” durchdachte Ausstellung Juden-Christen, aber mehr als 50 Jahre später haben die sog. ARIER absolut nichts gelernt und werden es auch so weiter vererben – leider. –

Wer das liest ist ein Pastor

Die Ausführungen von W. Halfmann von 1936 sind der beste Beweis für die verheerende Wirkungsgeschichte von Luthers Spätschriften: “Von den Jüden und ihren Lügen” 1543. Warum wird das von Theologen (auch Pastoren) so selten erkannt und angegeben und von der Kanzel her aufgearbeitet? Wäre es nicht langsam Zeit dafür??? Danke für diese Ausstellung, endlich!

Ein Jude ist für uns am Kreuz gestorben. H.

Diese Ausstellung zeigt deutlich wie verlogen die Kirchenmänner in der Nazi-Zeit waren - wer schützt uns heute? C. H.

Meine Frau und ich haben uns im Hause Halfmann kennengelernt. Bischof H. war schon verstorben. In memoriam Dr. S.

Die Juden sind unsere Brüder! Aber wenn das stimmt, dann herrscht auf der Erde Inzest!!!

Auch wenn ich nicht sonntags zur Kirche komme, auch wenn ich nicht sehr viel über die Kirche im 3. Reich weiß, bin ich doch sehr beeindruckt von der Ausstellung.

21.02.02. Die Ausstellung ist gut, aber man könnte auch mehr über das Thema und Hitler erzählen! T. und M.

J.K.: 28.2.02:
- Respekt an die Ausstellung.
- Ebenfalls Respekt an ehrliche Kommentare
- Ich glaube nicht an Gott, war das letzte mal vor ca. 12 Jahren bei einem Gottesdienst, doch wem es einfällt Müll in dieses Buch zu schreiben um damit seinen niedrigen IQ zu beweisen ist nicht zu begreifen.
Jeder sollte einen Beitrag dazu leisten, dass sich das Nazi-Regime nicht wiederholt, doch die Meisten sind leider falsch gepolt! J K

1. Judentum ist keine Rasse (trotz seines Selbstverständnisses)
2. Christentum ist ein Kind des Judentums
3. Betet für die Palästinenser, die späten Opfer des NS-Rassenwahns.
4. Sharon gehört nach Den Haag nicht nach Jerusalem.
5. Ohne die jüdischen Wurzeln gibt es keine europäische Kultur.

Was Theologen doch je nach ihrer Einstellung aus biblischen Texten heraus lesen und interpretieren können.
Wir sollten auch heute als “Fußvolk” darauf acht geben und bei allem, was uns ausgelegt wird, genauer nachfragen! A. K.

(Hakenkreuz) Gott segne uns nie!

Auch hier scheinen Pädagogen wieder einmal versagt zu haben! Leider fallen mir solch stumpfe Zitate in allen Dialogbüchern auf, was mich ehrlich erschreckt! Schade! J. 27.5.02 HH-Wandsbek

Wir mußten Arbeitsbögen über Wilhelm Halfmann ausfüllen. (Leider fast ohne Erfolg) Trotzdem ist es gut hier. M. S. und M. E.

Damit wir nicht vergessen und wachsam sind. G. R.

Ich finde es gut und nachahmenswert -, dass sich die Nordelbische Kirche ihrer Vergangenheit gestellt hat. Die Ausstellung zeigt die Facetten kirchlichen und christlichen Lebens in dieser Zeit. Verfolgte bis zu den Verfolgern werden – auch in ihrer Widersprüchlichkeit – lebendig. Und dann kann ich die Ausstellung auch noch mit nach Hause nehmen. Das finde ich besonders gut, weil ich gar nicht alles aufnehmen und lesen kann, was hier so schön und differenziert dargestellt ist.
Gratulation zu dem Ausstellungskonzept! B. O.

Wilhelm Halfmann, erklärter Antijudaist und führendes Mitglied der “Bekennenden Kirche” war kein Einzelfall. Erst als die Ermordung bekannt war, wandte er sich gegen die Judenverfolgung und Euthanasiemorde an Behinderten. An ihm wird deutlich, wie sehr die luth. Kirche von Antijudaismus und Antisemitismus durchdrungen war. 27.6.02

26.6.02 Ich finde es gut, dass W. Halfmann sich für das Recht der Juden eingesetzt hat, denn jeder Mensch hat das Recht zu leben!! C. und A.

 
   
 
       

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