Friedrich Andersen

1860 geboren in Genf

1865 Rückkehr der Familie, der Vater wird Pastor in Grundhof/Angeln

1880 Abitur am Flensburger Gymnasium, danach Studium in Tübingen, Erlangen, Kiel und Kopenhagen

1886 ordiniert in Sörup

1890 Diakonus in St. Johannis, Flensburg

1895 – 1904 Redakteur des Schleswig-Holstein -Lauenburgischen Kirchen- und Schulblattes 

1899 Hauptpastor in St. Johannis, Flensburg 

1907 Veröffentlichung des »Anticlericus«

1913 Verwarnung Andersens durch die Landeskirche

1919 Gründung des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes

1921 Gründung des »Bund für Deutsche Kirche«

1922 Verbot des Schutz- und Trutzbundes, Gründung des Völkisch-Sozialen Blocks

1924 Stadtverordneter des Völkisch-Sozialen Blocks in Flensburg

1925 Übertritt zur NSDAP

1928 SA-Gottesdienst in St. Johannis Flensburg

1928 Ruhestand, Umzug nach Glücksburg

1937 Ehrenbürger Flensburgs

1940 gestorben in Glücksburg

 

Völkisches Christentum

Friedrich Andersen

Friedrich Andersen wurde 1860 im elterlichen Exil in Genf geboren. Seine Familie war 1852, nachdem die schleswig-holsteinische Erhebung gescheitert war, dorthin geflohen und kehrte erst 1865 heim. Diese Kindheitserfahrung prägte ihn und war mit Ursache für seinen übersteigerten Nationalismus.

Seit 1895 war Andersen publizistisch tätig. 1907 veröffentlichte er sein Hauptwerk, den »Anticlericus«, in dem er einen religiösen Antisemitismus vertrat. Sein Gegner war ein »jüdischer Geist«, von dem das Christentum befreit werden müsse. Mit diesem Denken entsprach Andersen kirchlichen antijudaistischen Traditionen. Ausdrücklich bezog er sich auf den Antijudaismus des anerkannten Kirchenhistorikers Hans von Schubert, der 1892 – 1906 in Kiel lehrte. Von Seiten der Amtskirche wurde nur unterschieden zwischen dem anerkannten Seelsorger Andersen und seinen geistlichen »Verirrungen«, deretwegen er allerdings einmal verwarnt wurde.

Während des Ersten Weltkriegs wandelte sich sein Antisemitismus. Die Neuausgabe des »Anticlericus« nach Kriegsende vertrat einen wütenden völkischen Antisemitismus, der die Kriegsniederlage Deutschlands als Werk einer »jüdischen Weltverschwörung« sah.

1921 gründete Andersen den Bund für Deutschkirche, der innerhalb der evangelischen Kirche für eine »arisierte« deutsche Kirche eintrat, die sich vom Alten Testament trennen solle. Jesus sei kein Jude gewesen, sondern Galiläer »arischer Herkunft« und Märtyrer im Kampf gegen das Judentum.

Gleichzeitig gehörte Andersen dem Völkisch-Sozialen Block an und vertrat diesen im Flensburger Stadtrat, bis er 1925 mit der gesamten Ortsgruppe zur NSDAP übertrat. Die antisemitische Propaganda Andersens führte in den zwanziger Jahren zu keinen Maßregelungen seitens der Landeskirche. Im Gegenteil: die schleswig-holsteinische Landessynode unterstützte bereits 1924 ausdrücklich den völkischen Kampf gegen »zersetzenden jüdischen Einfluss«.

Andersen starb 1940 als hoch geehrter Nationalsozialist und Ehrenbürger Flensburgs.

Zitate

»(…) Joseph erwiderte: ›Das sind jüdische Händler, die überall die Länder durchziehen. Du kannst sie erkennen an ihren schwarzen Bärten, ihrem schaufelnden Gange und den lebhaften Bewegungen ihrer Hände. Du kennst doch auch unsern Händler Moses in Nazareth, zu dem du schon oft gekommen bist?‹

›Jawohl‹, sagte Jesus. ›Aber Vater‹, setzte er zögernd hinzu, ›sind wir denn nicht alle Juden? – Unser Rabbi Assaph sagt uns das immer in der Schule.‹

Hauptpastor
Friedrich Andersen,
Datum unbekannt

›Nun, er mag wohl seine Gründe haben, so zu reden; aber wir Galiläer machen doch etwas besser unsere Augen auf.‹

Nun fragte Jesus: ›Sind denn die Galiläer und die Juden verschieden?‹

Joseph lächelte. ›Darüber hast du bisher wohl noch nicht nachgedacht. Aber du wirst es schon von selber später erfahren, wenn du älter wirst.

– Verschieden? – Ja, schon äußerlich zeigt sich der Unterschied. Wir Galiläer sind ein Berg- und Bauernvolk, daher kräftig und hochgewachsen, während die Juden am liebsten in großen Städten ihr Wesen treiben. Und wenn du eben richtig gesehen hast, daß sie besonders dunkel und schwarz aussehen, so brauchst du ja nur an deine und deiner Geschwister Haare zu denken, um zu wissen, daß wir anderen Stammes sind. Ebenso blond und hellfarben war auch ich einmal, ehe ich grau wurde.

– Aber noch größer ist wohl der innere Unterschied. Wir Galiläer sind, wie du weißt, ehrlich und offen gegen jedermann; aber der Jude ist in der Regel verschlagen, hinterlistig und beim Handel darauf aus, zu betrügen.‹

Hier wandte Jesus ein: ›Aber mein guter Lehrer ist doch wohl auch ein Jude, und wir lieben ihn alle, weil er so freundlich ist.‹

›Nun‹, sagte Joseph, ›ich halte auch viel von ihm, besonders, weil du so gut bei ihm lernst; aber du wirst vielleicht später selber einmal merken, daß doch in ihm der Jude steckt. Es kann eben niemand aus seiner Haut.‹

Friedrich Andersen: »Wie es wohl wirklich war. Geschichte des Meisters von Nazareth ohne Legenden und theologische Zusätze.« Berlin/Leipzig 1938

 
     
       
       

Impressum | Copyright 2001 | Nordelbisches Kirchenamt - Archiv - | Postfach 3449 | 24033 Kiel