Hermann Mulert

1879 geboren in Niederbobritzsch/Sachsen

1897 Abitur in Freiberg/Sachsen

1897 – 1903 Studium in Leipzig, Marburg, Berlin und Kiel

1903 – 1906 Religionslehrer in Leipzig

1907 Promotion und Habilitation in Kiel

1907 – 1917 Privatdozent in Kiel, Halle und Berlin

1917 außerplanmäßige Professur in Kiel

1918 Eintritt in die Deutsche Demokratische Partei

1920 feste Professur in Kiel

1920er Jahre Mitarbeit am »Verein zur Abwehr des Antisemitismus«

1932 – 1941 Herausgeber der »Christlichen Welt«

1935 Niederlegung der Professur

1935 Umzug nach Leipzig

1939 Umzug nach Niederbobritzsch

1943 Annäherung Mulerts an die Quäker

1945 Lehrauftrag in Jena

1945 Gründung der Liberaldemokratischen Partei

1948 Lehrtätigkeit in Leipzig

1950 gestorben

 

liberale Theologie

Hermann Mulert

Hermann Mulert, Professor für Systematische Theologie in Kiel, war einer der wenigen deutschen Theologen, die sich nach der Abdankung des Kaisers 1918 zur Demokratie bekannten. Schon während der Kaiserzeit war Mulert Mitglied verschiedener liberaler Parteien gewesen und stand dem liberalen Politiker Friedrich Naumann nahe. 1918 trat er schließlich der Deutschen Demokratischen Partei bei. Neben der Parteipolitik engagierte sich Mulert unter anderem im »Verein zur Abwehr des Antisemitismus«, der sich gezielt gegen deutsch-völkische Gruppen – und damit die Nationalsozialisten – wandte.

In seiner theologischen Lehre und seinen Veröffentlichungen unter anderem als Herausgeber der »Christlichen Welt« setzte sich Mulert für einen liberalen Protestantismus ein.

Wie sehr er mit diesem Denken in der schleswig-holsteinischen Landeskirche isoliert war, merkte er, als Ende 1933 der Pfarrernotbund, der Vorläufer der Bekennenden Kirche, sich gegen seine Mitgliedschaft sträubte. Mulert hisste noch nach dem Beginn der NS-Herrschaft die Fahne der Republik. Dieses Verhalten und regimefeindliche Äußerungen führten zum Vorgehen der Nationalsozialisten gegen ihn. Seiner Entlassung kam er durch den Verzicht auf die Professur zuvor.

In der »Christlichen Welt«, die unter seiner Herausgeberschaft noch bis 1941 erscheinen konnte, kritisierte er – zunehmend verschlüsselt – weiterhin den Nationalsozialismus.

 

Zitate

»Die Gefolgschaftstreue der Mannen kann auch zu einer blinden Unterwürfigkeit entarten. Vor der schweren Pflicht selbständiger Gewissensentscheidung flüchtet man zum Gehorsam gegen Führer. Dieser gewissenlose Gehorsam ist undeutsch, unevangelisch, unchristlich. Ihm gegenüber heißt unsere Pflicht: zur Besinnung mahnen, widerstehen und, wenn es sein muß, darunter leiden.«

Mulert: »Führertum und Gewissen« in Christliche Welt, März 1933

»Lassen Sie mich noch berichten, daß mir beim Notbund die wiederholten Erklärungen, man stehe auf dem Boden des 3. Reiches, bedenklich waren als eine Vermischung von Religion und Politik, ähnlich der bei den DC (d.h. Deutsche Christen, Anm. d. Red.) üblichen. Teils weil man meine Bedenken kannte, teils wegen meiner Theologie wollte mich die etwas ängstliche Leitung des hiesigen Notbundes nicht aufnehmen.«

Mulert an Wilhelm von Pechmann am 20.9.1934

»Man hat insbesondere vom völkischen Gegensatz zum Judentum und unklarer Begeisterung für nordisches Wesen her wenig Sinn dafür gehabt, wie eng unsere Geschichte, schon das Werden des deutschen Volkes, mit der Geschichte des Christentums verknüpft ist. Weil man übereilt nicht nur das Alte Testament als Judenbuch ansah, verkennend, wie sehr anders die alten Israeliten gewesen sind als die späteren Juden, sondern auch Jesus und seine Botschaft als orientalisch, jüdisch, nicht arisch verwarf, wurde man blind dafür, wie gerade die Vermählung deutschen Wesens und christlichen Geistes, besonders im Mittelalter, die herrlichsten Werke deutscher Kultur geschaffen hat. (…) Damit zerschnitt man viele Wurzeln, aus denen deutschem Wesen Kraft zugeflossen ist und weiter zufließen kann.«

Mulert: »Wie wir wieder ein Volk werden sollen«, 1945

»Der deutsche Soldat hat auch in den beiden letzten Kriegen so Großes geleistet, daß wir dessen in tiefer Dankbarkeit gedenken müssen, auch wenn beide Male der Enderfolg nicht auf unserer Seite war; wir kämpften gegen eine Übermacht.«

Mulert: »Wie wir wieder ein Volk werden sollen«, 1945

 
     
       
       

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