Wilhelm Halfmann

1896 geboren in Wittenberg

1923 ordiniert, Studieninspektor im Predigerseminar Preetz

1926 Pastor in Schönberg

1933 Pastor in Flensburg, St. Marien

1936 »Die Kirche und der Jude«

1937 kommissarischer Oberkonsistorialrat

1945 Vorsitzender der vorläufigen Kirchenleitung Schleswig-Holsteins

1946 Bischof für Holstein

1964 gestorben in Kiel

 

 

Antijudaismus und Bekenntnis

Wilhelm Halfmann

Zur Diskussion um Wilhelm Halfmann

Wilhelm Halfmann zählte zur Führung der Bekennenden Kirche in Schleswig-Holstein. Nachdem er 1933 als Pastor an die St. Marien-Kirche in Flensburg berufen worden war, wurde er bald Ziel von Angriffen der Nationalsozialisten, die 1934 seine Entlassung forderten. Halfmann grenzte sich scharf gegen die Deutschkirche Friedrich Andersens ab und verhinderte zusammen mit anderen Pastoren deutschkirchliche Amtshandlungen in Flensburger Kirchen.

Als Mitglied im Bruderrat – der Leitung der Bekennenden Kirche im Land – trat Halfmann für einen gemäßigten Kurs im Kirchenkampf und einen Kompromiss mit den Deutschen Christen ein. Im Zeichen der Einigung wurde er zeitweilig – als Vertreter der Bekennenden Kirche – kommissarischer Oberkonsistorialrat im Landeskirchenamt. Der Einigungsversuch scheiterte aber bald.

 


Bruderrat der Bekennenden Kirche Schleswig-Holstein am 2.9.1938 in Hademarschen. Von links: Treplin, Ketelsen, Halfmann, Tramsen, Wester, Prehn


1936 verfasste Halfmann – auf Wunsch der Bekennenden Kirche – die Schrift »Die Kirche und der Jude«. Hierin erläuterte er die »Judenfrage« aus »christlicher Sicht« und beschrieb das Judentum »als Zersetzungsstoff für die christlichen Völker«. Er rechtfertigte die staatliche Judenverfolgung, kritisierte aber auch vorsichtig den völkischen Antisemitismus der Nationalsozialisten. Die Schrift wurde bald durch die Gestapo verboten und beschlagnahmt.

Bereits 1941 erfuhr Halfmann vom Euthanasiemord an Behinderten. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wurden ihm auch bald Massenmorde von Juden durch deutsches Militär bekannt. 1944 begann er, die Morde in Predigten vorsichtig zu kritisieren.

Nach Kriegsende wollte Halfmann – inzwischen Vorsitzender der vorläufigen Kirchenleitung der Landeskirche – sich öffentlich zur deutschen Schuld äußern. Als im Oktober 1945 der Rat der Ev. Kirche Deutschlands in Stuttgart ausländischen Kirchenvertretern gegenüber ein Schuldbekenntnis abgab, kritisierte er dieses aber in Teilen. Hierbei stand er unter starkem Druck von Pastoren und Kirchenbasis im Land, die ein Eingeständnis politischer Schuld ohne gleichzeitigen Verweis auf alliierte Kriegsverbrechen ablehnten.

Zitate

Immer ist der Jude geleitet durch die geheime oder offene Gegnerschaft gegen Christus. (…) Die Juden sind das erste und einzige Volk der Weltgeschichte, das Christus mit aller Klarheit der Entscheidung ausgestoßen hat und bis zum heutigen Tag verflucht; kein anderes Volk hat das bisher getan! Das einzige Volk, das man nennen möchte, die Russen, steht unter jüdischer Führung! (…)

Die Kirche hat nicht die Aufgabe, in die Judengesetzgebung des Dritten Reiches einzugreifen. Vielmehr werden wir von der Kirche her aus der bald zweitausendjährigen Erfahrung mit den Juden sagen müssen: der Staat hat recht. ( …) Man braucht nur Luthers Schriften zur Judenfrage zu lesen, um zu finden, daß das, was heute geschieht, ein mildes Verfahren gegenüber dem ist, was Luther und viele andere gute Christen für nötig gehalten haben.«

Wilhelm Halfmann: »Die Kirche und der Jude«, 1936

»(…) So gilt denn für alle, die verantwortlich im Amt der Obrigkeit stehen, sei es als Staatsmann, als Strafrichter oder als Soldat, daß sie von Gott ermächtigt sind, Blut zu vergießen, um Leben zu schützen und zu erhalten. Aber diese Ermächtigung gilt allein für diese Zwecke: zur Abwehr ungerechter Angriffe äußerer Feinde und zur Bestrafung schuldiger Verbrecher. Außerdem gilt auch für die Obrigkeit wie für jede Privatperson: Du sollst nicht töten! In unserer Zeit ist [in Halfmanns Endfassung ersetzt durch: will] diese Grenze ins Wanken geraten: Da werden Forderungen vorgebracht, daß auch nichtschuldige Menschen getötet werden aus angeblichen Gründen des Gemeinwohls: etwa unheilbar Kranke, Lebensuntüchtige, entwaffnete Feinde und Geiseln oder Menschen fremder Abstammung. Hier wollen wir uns die Schrift nicht verwirren lassen, daß Gottes Wort nur die Tötung von schuldigen Verbrechern kennt, nicht von unschuldigen Menschen. (…)«

Predigt Halfmanns vom 16.7.1944 in Mölln

 
     
       
       

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