Franz Tügel

1888 geboren in Hamburg

1908 Abitur in Wandsbek

1912 1. Examen (Studium in Rostock, Erlangen, Tübingen, Berlin)

1912 vom Militärdienst ausgemustert

1914 Ordination in Hamburg, St. Nikolai

1916 Heirat mit Adelheid Kunkel, vier Kinder

1917 Feld-Divisionspfarrer

1918 Übertritt der Ehefrau zur katholischen Kirche

1919 Pastor in St. Pauli-Nord, Hamburg

1929 Beginn der schweren rheumatischen Beschwerden

1931 Eintritt in die NSDAP

1932 Gauredner der NSDAP

1933 Ernennung zum Oberkirchenrat

1934 Landesbischof von Hamburg

1934 zusätzlich Hauptpastor von St. Jakobi

1935 Austritt aus den Deutschen Christen

1937 Parteiausschlussverfahren, niedergeschlagen

1938 Invalide durch Krankheit

1945 18.7., Rücktritt Tügels

1946 gestorben in Hamburg

 

 

Franz Tügel in der Uniform der NSDAP-Parteiorganisation, vermutlich 1934

 

 

Nationalsozialismus und Luthertum

Franz Tügel

Franz Tügel, seit 1919 Pastor in St. Pauli-Nord in Hamburg, wurde bereits 1931 Mitglied der NSDAP und war als Propagandaredner der Partei im Großraum Hamburg tätig. Intensiv setzte er sich vor 1933 für eine Annäherung der Kirche zur Partei ein, so mit der Propagandaschrift »Wer bist Du?«, die 1932 von der Agentur des Rauhen Hauses verlegt wurde.

1933 wurde Tügel Oberkirchenrat, um 1934 schließlich den erst ein Jahr amtierenden parteilosen D. Dr. Simon Schöffel als Hamburger Landesbischof abzulösen. Gleichzeitig war Tügel bis 1935 Leiter der Hamburger Deutschen Christen. 1935 verließ er die DC aufgrund scharfer Differenzen zur sogenannten nationalkirchlichen Richtung, die die Bibel von »Judaismen« befreien wollte und den völkischen Antisemitismus auf die Kirche anwenden wollte.

Im Kirchenkampf nahm Tügel mehr und mehr eine Mittelposition ein und versuchte, als Lutheraner auch für die Angehörigen der Bekennenden Kirche »Hirte« zu sein. Seine Weigerung, widerständige Pastoren zu denunzieren, war u.a. der Grund für ein Parteiausschlussverfahren 1937, das allerdings niedergeschlagen wurde.

Trotz zunehmender Differenzen mit der nationalsozialistischen Führung blieb Tügel bis Kriegsende Nationalsozialist und unterstützte rückhaltlos die Kriegführung des NS-Staates.

Tügel rechtfertigte den völkischen Antisemitismus, bestand aber darauf, dass getaufte Juden ihren Platz in der Kirche hatten. Ein offizielles Berufsverbot für Christen jüdischer Herkunft wurde in der Hamburgischen Landeskirche nie erlassen. In Einzelfällen unterstützte er engagiert Menschen, die von den Nürnberger Gesetzen betroffen waren, so seinen alten Schulfreund Pastor Bernhard Bothmann.

1945 wurde er zum Rücktritt gedrängt und starb Ende 1946 nach schwerer Krankheit, die ihn seit den Dreißigern an den Rollstuhl gefesselt hatte.

 


Landessynode der Hamburgischen Kirche am 5.3.1934: Synodenpräsident Prof. Dr. Heinrich Fabian, in SS-Uniform, hat gerade Franz Tügel, am Rednerpult stehend, zum Bischof ernannt.

 

Zitate

»Ich war seit meiner Jugend Antisemit und schärfster Gegner des Marxismus, der Demokratie und der Freimaurerei! Mein politischer Standpunkt war zu allen Lebzeiten der gleiche: national, sozial, antisemitisch und christlich im Sinne des deutschen Reformators Martin Luther!«

Tügel an die Reichsschrifttumskammer 1941

»Eine Verantwortung für die evangelischen Glieder der jüdischen Rasse habe ich nicht, denn die Getauften sind nur in ganz seltenen Fällen wirkliche Glieder der Gemeinde gewesen. Wenn sie heute mit in das Ghetto abwandern müssen, dann sollen sie dort Missionare werden. Nicht sie bedürfen der Seelsorge, sondern ihre unbekehrten Rassegenossen. So würde ihnen auch der Apostel Paulus sagen.«

Tügel in einem Brief an Pastor Wilhelmi 1941

»Schon seit Juni 1941, nachdem die kirchliche Volkspresse verboten und der Krieg gegen Rußland begonnen war, hatte ich ganz schwere Sorgen für den Weitergang der Dinge. Die Vernichtung des sogenannten lebensunwerten Lebens, die mit gleichem Zeitpunkt eingeleitet und bis auf das letzte Drittel auch durchgeführt wurde, die Deportationen nach dem Osten, von denen wir evangelischen Christen von Anfang an wußten, und das rigorose Vorgehen gegen kirchliches Eigentum haben uns leider Gottes das freudige Vertrauen zur Sache der Nation geschwächt, um es milde zu sagen.«

Tügel am 23.4.1945 in einem Brief an Pastor Haacke

»Mein liebster Patient und bester Freund meines Vaters war der Hamburger Landesbischof Franz Tügel, den ich aus früher Kinderzeit her kannte. Er hatte so schweres Rheuma und Arthrosen, daß er kaum gehen konnte; seine Hände waren schon völlig verkrüppelt. Dennoch war sein Mut nicht gebrochen, obwohl er immer fürchterliche Schmerzen hatte.
Bei ihm fand ich Trost, wenn ich mir Sorgen um Vati machte oder die Feindseligkeit der Nazis meinem Vater zusetzte.«

Die Krankenschwester Ingeborg Lohmann, Tochter Pastor Bothmanns, um 1980 an ihre Kinder

 
     
       
       

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