Gerhard K. Schmidt

1908 geboren in Oberberlinhausen bei Potsdam-Babelsberg

1928 Reifeprüfung

1928 – 1932 Studium in Berlin

1931 – 1933 Vikariat in St.Nikolai-Potsdam

1932/1933 Lehrauftrag in Berlin

1933 Theologische Prüfung mit »sehr gut« abgelegt

1933 – 1935 Prädikant in Trebbin, Brieselang, Granzow/Uckermark

1935 – 1937 Müncheberg/Neumark

1936 16.5., Theologische Prüfung zum Licentiat abgelegt

1937 Übernahme in die Landeskirche Lübeck, Ordination durch Bischof Balzer; Pfarrstelle St. Lorenz

1938 von der Theologischen Fakultät der Universität Berlin der Promotionsrechte für verlustig erklärt

1943 Promotion an der Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel über »Nietzsches Anschauung vom Wesen des Christentums«; mündliche Prüfung

1943 8.7., Gutachten über Pastor Stellbrinck mit negativer Grundaussage

1945 Beurlaubung Schmidts und Einleitung eines Disziplinarverfahren

1946 Widerspruch Schmidts

1946 Disziplinarische Kammer der Landeskirche Lübeck beschließt Entfernung aus dem Dienst, Schmidt legt Berufung ein

1947 Disziplinarhof der Hamburgischen Landeskirche lehnt Berufung ab

1949 Spruchkammerentscheid: Kategorie IV (Mitläufer)

1964 gestorben in Lübeck

 

»entjudete« Theologie

Gerhard K. Schmidt

Gerhard K. Schmidt war ein engagierter Anhänger des Nationalsozialismus. Als Theologe kämpfte er nach 1933 in der Kirche der Mark Brandenburg für die Deutschen Christen. Dadurch lehnten ihn die dortigen Pastoren so stark ab, dass er keine feste Pfarrstelle bekam. In Berlin legte er die Prüfung zum Licentiaten (Hochschullehrer) ab. Die Prüfung wurde aber von der Theologischen Fakultät nicht anerkannt.

Daraufhin bewarb er sich bei der Lübeckischen Landeskirche, die ihn als Anhänger der nationalkirchlichen Richtung anstellte. 1937 ordinierte ihn Bischof Balzer als Pastor von St. Lorenz. Schmidt trat schon bald im Kampf gegen die Bekennende Kirche hervor.

1939 wurde in Eisenach das »Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben« gegründet. In der Mitarbeit am Institut fand Schmidt seine Erfüllung. Mit mehreren Veröffentlichungen tat er sich als wissenschaftlicher Kämpfer für eine »entjudete« Kirche hervor. 1940 brachte das Eisenacher Institut das Neue Testament in einer Fassung heraus, in der alle »Judaismen« und positiven Bezüge auf das Judentum beseitigt worden waren. Mit großem Engagement setzte sich Schmidt dafür ein, dass in Lübeck nur noch diese »Bibel« verwendet werden sollte. Schmidt meinte, mit dem Kampf gegen das Judentum die Reformation Martin Luthers zu vollenden. Dieses Denken radikalisierte Schmidt während des Krieges.

Als er hierfür keine breitere kirchliche Anerkennung bekam und ihm die wissenschaftliche Laufbahn als Theologe versagt blieb, schrieb er eine Doktorarbeit in Philosophie. Seine Arbeit über Nietzsche fand besonders beim Reichspropagandaministerium und der SS Anerkennung. Ende 1944 wollte Schmidt die Kirche verlassen, als er an der Berliner Universität eine Stelle als NS-Wissenschaftler angeboten bekam. Dem kam die Niederlage Deutschlands zuvor.

Sein radikales Verhalten und insbesondere die Denunziation einer Gemeindehelferin, die sich ablehnend über eine antisemitische Predigt geäußert hatte, führten nach dem Krieg zu seiner Entlassung aus dem kirchlichen Dienst.

Zitate

»Als am 6. Mai 1939 das ›Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben‹ eröffnet wurde, trat an historischer Stätte der selbstgeprägte und gestaltete Lebensinbegriff des Reformators D. Martin Luther in das Blickfeld deutscher Gegenwart. Denn mit dem Wort ›Meinen lieben Deutschen bin ich geboren, ihnen will ich dienen‹ hatte Luther nicht nur zum Ausdruck gebracht, daß von ihm selbst sein reformatorisches Werk als Geschichtstat um eine letzte völkische und damit deutsche Zielsetzung weiß. (…)

Gerhard Schmidt nach seiner Entlassung aus dem kirchlichen Dienst, unbekanntes Datum

Hiernach ist das Christentum der unüberbrückbare Gegensatz zum Judentum, wie es der Galiläer Jesus von Nazareth durch seine Lehre sowie sein persönliches Lebensschicksal selbst bezeugt hat. Sodann aber beschließt auf Grund bisheriger geschichtlicher Erfahrung und zeitbedingter wissenschaftlicher Forschung die völlige Ausschaltung des Jüdischen auf allen Lebensgebieten die deutsche Existenzfrage schlechthin. Da sich nunmehr auch im deutschen kirchlichen Leben jüdische Einflüsse an schmerzhaft sichtbarer Stelle nachweisen lassen, die durch die geschichtliche Entwicklung des Christentums selbst bedingt sind, besteht im Fortgang der Reformation die vordringliche Aufgabe heute darin, diese Einflüsse mit den Mitteln wissenschaftlicher Forschung aufzuzeigen und sie als artfremd um der Wahrheit des Christentums und um des deutschen Volkes willen zu beseitigen. Damit ist diese Aufgabe eine religiöse und zugleich eine völkische.«

Aus der Vorrede Gerhard Schmidts »Zur Geschichte der Juden in Lübeck«, veröffentlicht im Lübecker Kirchenkalender 1940.

 
     
       
       

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