Das Jahr 1935
 

 

Der letzte Eintrag in der Gemeindechronik Altenkrempe, geführt von Pastor Auerbach, 1935:

»Nachdem schon 1933 durch einen ›Kirchenältesten‹ der Pastor als ›Nichtarier‹ angegriffen war (auch öffentl. in der Zeitung) wurde der Pastor am 1. Okt. 1935 plötzlich in den Ruhestand versetzt. Als Begründung wurde von der Behörde angegeben ›die Nürnberger Gesetze über die Juden v. 1933‹. Sein Gehalt wurde ihm zugesichert. Pastor Auerbach hat den Behörden gegenüber erklärt, daß er seine Versetzung in den Ruhestand weder für christlich noch kirchlich halte.«

Dem folgt ein Zusatz des auf Auerbach folgenden Vertreters Pastor Prill:

»Kann auch ein Volljude anders fühlen und denken.«

Die Texte zum Jahr 1935 in den Kirchenbänken der Ausstellung

 

13. Januar:
Abstimmung über den Anschluss des Saarlandes.
 
5. März:
Kanzelabkündigung der preussischen Bekennenden Kirche gegen die »rassisch-völkische« Weltanschauung.
 
6. März:
Gründung der SS-Zeitung »Schwarzes Korps«, in der wiederholt das Judentum und die Kirche scharf angegriffen werden.
 
17./24. März:
Verhaftung von 715 Pastoren, die das Verbot der Kanzelabkündigung missachten.
 
16. Juli:
Bildung des Reichskirchenministeriums unter Hans Kerrl mit dem Ziel, die evangelische Kirche zu befrieden.
 
25. Juli:
Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Juden sind vom Wehrdienst ausgeschlossen.
 
15. September:
»Nürnberger Rassegesetze«: Reichsbürgergesetz (»Nichtarier« können keine Bürger des Reiches sein), Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (Verbot der Eheschließung zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder »artverwandten Blutes«).
 
16. September:
In Stade wird Pastor Johann Behrens wegen seines Eintretens für Juden aus der Stadt getrieben.
 
30. September:
Beurlaubung aller jüdischen Beamten.
Der »nichtarische« Pastor Auerbach, Altenkrempe, wird in den vorzeitigen Ruhestand versetzt.
 
1935 Mindestens zwei Geistliche werden aufgrund ihrer »nichtarischen« Abstammung entlassen oder zwangspensioniert.
Es finden verstärkt lokale antisemitische Aktionen statt: Schilder mit der Aufschrift »Juden unerwünscht« werden an Ortseingängen, Restaurants und Cafes, Geschäften und in Badeanstalten angebracht.

 

 
   

Quellen

 
   

zum Folgejahr: 1936

 
     

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