Das Jahr 1939
 

 


Das Kirchenbuchamt Plön 1939 mit Hitler-Bild an der Wand

»Seine staatsfeindliche Betätigung erreicht ihren Höhepunkt darin, daß er seine Konfirmanden gegen Staat und Partei aufhetzt und die Juden in jeder Weise in Schutz nimmt. Durch die Vernehmung mehrerer Konfirmanden wurde festgestellt, daß Slotty äußerte, die Juden hätten Deutschland im Weltkriege durch die Beschaffung von Kupfer und anderen Metallen geholfen, da sonst Deutschland viel früher den Krieg verloren hätte. Außerdem seien die Juden viel bessere Arbeiter als die Arier, ihr Vermögen sei durch ehrliche Arbeit erworben, und Deutschland würde sich auf den Zeitpunkt freuen, wo es die Juden wiederholen könnte. (…)«

Aus einem Bericht der Gestapo Kiel an das Landeskirchenamt Schleswig-Holstein vom 20.2.1939 über den Pastor von St. Michaelisdonn, Friedrich Slotty, der daraufhin in den Ruhestand versetzt wurde.

»Auf Veranlassung des Kultusministeriums Baden ist dort im biblischen Lehrbuch das Einschiebsel im Johannesevangelium ›Das Heil kommt von den Juden‹ gestrichen worden. Wie hervorragende deutsche Gelehrte nachweisen, handelt es sich hierbei um kein Jesuswort, da es ja auch als Fremdkörper im Johannesevangelium wirkt.«

Pflugschar und Meißel. Kirchliches Wochenblatt für Haus und Gemeinde. Ausgabe vom 7. Mai 1939.

Die Texte zum Jahr 1939 in den Kirchenbänken der Ausstellung

 

1. Januar:
Auflösung aller jüdischen politischen Organisationen.
  
30. Januar:
Hitler droht in einer Reichstagsrede die »Vernichtung des europäischen Judentums« an.
 
2. Februar:
Als erste Landeskirche verweigert die Anhaltinische Landeskirche Juden die Aufnahme in die Kirche. Vier weitere DC-Kirchen folgen diesem Schritt.
 
12. Februar:
Pastor Bernhard Bothmann wird mit Wirkung vom 13. März aufgrund der Ehe mit einer »Nichtarierin« aus dem Dienst der schleswig-holsteinischen Landeskirche entlassen.
 
23. Februar:
»Gesetz über die kirchliche Stellung evangelischer Juden« in Lübeck: In § 1 heißt es: »Juden können nicht Glieder der evangelisch-lutherischen Kirche in Lübeck werden.«.
 
15. März:
Einmarsch der Wehrmacht in die »Resttschechoslowakei«.
 
25./26. März:
Vertreter der DC und der kirchlichen »Mitte« stellen den »unüberbrückbaren Gegensatz zum Judentum« fest.
 
4. April:
Die Kirchenführer von elf DC-Landeskirchen beschließen die Gründung eines »Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben.«.
Die Erklärung wird für Lübeck von Bischof Erwin Balzer, für Schleswig-Holstein vom Präsidenten des Landeskirchenamtes Dr. Christian Kinder unterschrieben.
 
6. Mai:
Gründung des »Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben« auf der Wartburg.
 
17. Mai:
Vertrauensstellen des »Büro Grüber« im Bereich der nordelbischen Kirchen gibt es in Kiel (Pastor Chalybäus) und Hamburg (Pastor Kohlschmidt und Frau Dr. Feldner).
Volkszählung. Für Schleswig-Holstein und Hamburg werden 7.731 evangelische Christen mit jüdischer Herkunft festgestellt. Es handelt sich um 1.114 »Volljuden«, 3.511 sog. »Mischlinge 1. Grades« und 3.104 »Mischlinge 2. Grades«.
 
4. Juli:
Übertragung der schulischen Versorgung aller jüdischen Kinder auf die Reichsvertretung der Juden in Deutschland. I August: Meldepflicht für geistig und körperlich behinderte Kinder. In »Kinderfachabteilungen« werden bis 1945 zwischen 5.000 und 8.000 Kinder ermordet.
 
1. September:
Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen. Beginn des Zweiten Weltkrieges.
 
8. Oktober:
Errichtung des ersten Ghettos in Piotrków Trybunalski.
 
5./6. Dezember:
Beschlagnahmung jüdischen Eigentums in Polen.

 

 
   

Quellen

 
   

zum Folgejahr: 1940

 
     

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