Das Jahr 1941
 

 

»Jesus aus Nazareth in Galiläa erweist in seiner Botschaft und Haltung einen Geist, der dem Judentum entgegengesetzt ist. Der Kampf zwischen ihm und den Juden wurde so unerbittlich, daß er zu seinem Kreuzestod führte. So kann Jesus nicht Jude gewesen sein. Bis auf den heutigen Tag verfolgt das Judentum Jesu und alle, die ihm folgen, mit unversöhnlichem Hass. Hingegen fanden bei Jesus Christus besonders arische Menschen Antwort auf ihre letzten und tiefsten Fragen. So wurde er auch Heiland der Deutschen.«

Aus dem neuen Katechismus »Deutsche mit Gott: Ein deutsches Glaubensbuch«, Weimar 1941, S. 46.

»Die Polizeiverordnung des Reichsministeriums des Innern vom 1.9.1941, die den Juden verbietet, sich in der Öffentlichkeit ohne den sichtbar auf der linken Brustseite des äußersten Kleidungsstückes zu tragenden Judenstern zu zeigen, hat nicht nur in den größeren Städten hinsichtlich der großen Zahl der Juden in der Bevölkerung Überraschung ausgelöst, sondern auch das Kirchenvolk auf die zahlreichen getauften Juden, die sich unter den Besuchern der Sonntagsgottesdienste befinden, aufmerksam gemacht.

Nach dem Inkrafttreten der Verordnung wurden an den darauffolgenden Sonntagen verschiedene Kirchenbesucher bei ihren Ortsgeistlichen vorstellig. Sie verlangten, daß die Juden nicht mehr die gemeinsamen Gottesdienste besuchen dürften und dass man von ihnen nicht verlangen könne, daß sie neben einem Juden die Kommunion empfangen sollen. (…)«

Aus dem Bericht des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD vom 24.11.1941 über die Auswirkungen des »Judenstern-Erlasses«.

Die Texte zum Jahr 1941 in den Kirchenbänken der Ausstellung

 

Februar – April:
72.000 Menschen werden in das Warschauer Ghetto deportiert.
 
7. März:
Einführung der Zwangsarbeit für Juden in Deutschland.
 
6. April:
Überfall auf Jugoslawien und Griechenland.
 
27. April:
Reichsführer SS Heinrich Himmler ordnet die Errichtung des Konzentrationslagers Auschwitz an.
 
6. Juni:
»Kommissarbefehl« zur Vorbereitung des Überfalls auf die Sowjetunion, der die Aussonderung und Ermordung der politischen Kommissare der Sowjetarmee vorsieht.
 
22. Juni:
Überfall auf die Sowjetunion.
 
1. Juli – 31. August:
Die Einsatzgruppe D ermordet 150.000 bis 160.000 Juden in Bessarabien.
 
Juli/August:
Der katholische Bischof Graf von Galen wendet sich in drei Predigten öffentlich gegen die Ermordung Behinderter.
 
1. September:
Kennzeichnungspflicht für Juden und Jüdinnen mit einem gelben Stern. Offizieller Abschluss des »Euthanasie-Programms« in Deutschland, in dessen Verlauf 70.000 bis 93.000 Menschen ermordet wurden.
 
25. September:
Das Eisenacher »Institut zur Erforschung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben« legt mit »Deutsche mit Gott – Ein deutsches Glaubensbuch« einen »entjudeten« Katechismus vor.
 
29./30. September:
Das Einsatzkommando 4a ermordet 33.771 Juden in der Babi-Jar-Schlucht bei Kiew.
 
25. Oktober:
Erste Deportation von Hamburger Juden. Insgesamt fallen mindestens 8.877 Menschen aus Hamburg dem Völkermord zum Opfer.
 
6. Dezember:
Erste Deportation von etwa 160 Juden aus Schleswig-Holstein zusammen mit etwa 750 Juden aus Hamburg nach Riga.
 
17. Dezember:
Sieben nationalkirchliche Kirchenführer fordern den Ausschluss von »Rassejuden« aus der evangelischen Kirche.
 
17. Dezember:
Die Erklärung wird vom Präsidenten des Landeskirchenamtes Dr. Kinder, Kiel, und Oberkirchenrat Sievers, Lübeck, unterschrieben.
 
22. Dezember:
Die Kirchenkanzlei der Deutschen Evangelischen Kirche DEK fordert die »Ausscheidung« der Juden aus der Kirche.
 
29. Dezember:
Juden werden von jeder »kirchlichen Gemeinschaft« der Landeskirche Lübeck ausgeschlossen.

 

 
   

Quellen

 
   

zum Folgejahr: 1942

 
     

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