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Jüdisches Leben, Judenverfolgung, Christen jüdischer Herkunft im Nationalsozialismus

in Lübeck
 
 

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Fahlbusch, Jan Henrik u. a.: Pöppendorf statt Palästina: Zwangsaufenthalt der Passagiere der ’Exodus 1947’ in Lübeck; Dokumentation einer Ausstellung. Hamburg: Dölling und Galitz, 1999. 95 S., Ill.

Ausstellungskatalog zum Aufenthalt des jüdischen Auswandererschiffes ’Exodus’ in Lübeck; mit vielen zeitgenössischen Fotos. Bearbeitet von einer Schülergruppe der Geschwister-Prenski-Schule in Lübeck.

Guttkuhn, Peter: ’Sie sieht nicht sehr jüdisch aus.’: Leben, Leiden und Sterben der Lübecker Lehrerin Emma Grünfeldt. In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität (Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster: Wachholtz, 1998, S. 541 - 547.

Emma Grünfeldt wurde 1880 in Wismar geboren und konvertierte 1897 gegen den Willen ihrer Mutter vom Judentum zum Christentum. 1912 wurde sie zur beamteten lübeckischen Volksschullehrerin auf Lebenzeit ernannt. Sie war praktizierende evangelisch-lutherische Christin, die der Dom-Gemeinde angehörte. Aber die nationalsozialistischen Rassegesetze sahen in ihr eine Jüdin, was 1935 die Versetzung in den Ruhestand zur Folge hatte. Die Diskriminierungen trafen sie schwer und die Dom-Gemeinde half ihr nicht. Pastor Alfred Riege, zu dessen Seelsorgebezirk sie gehörte, war Mitglied der NSDAP und Anhänger der ’Deutschen Christen’ ein ausgewiesener Antisemit und Mitarbeiter am Eisenacher ’Institut zur Erforschung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben’. 1939 schloß die evangelisch-lutherische Landeskirche durch Gesetz die ’rassejüdischen Christen’ aus der Kirche aus. Emma Grünfeldt und ihre Schwestern wurden im Dezember 1941 nach Riga deportiert wo sie wahrscheinlich ermordet worden sind.

Pritzlaff, Christiane: ’Zu guten Juden und zu guten Deutschen’: die jüdische Volksschule in Lübeck (1934 - 1940). In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität (Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster: Wachholtz, 1998, S. 397 - 410.

Die jüdische Volksschule konnte als Privatschule zu Ostern 1934 eröffnet werden. Die zunehmnden Feindseligkeiten gegen jüdische Schüler an staatlichen Schulen aber auch das unter äußerem Druck verstärkt sich entwickelnde jüdische Selbstbewußtsein ließen eine Schulgründung ratsam erscheinen. Im Mai 1937 hatte sie 20 Schüler und 2 Lehrkräfte. Seit 1938 verschlechterte sich die Lage dramatisch: der Lübecker Rabbiner Winter emigrierte nach London, die immer kleiner werdende Jüdische Gemeinde konnte die Kosten nicht mehr tragen und während der sogenannten ’Reichskristallnacht’ 1938 wurden die Schulräume in der Synagoge zerstört. Durch die verstärkte Auswanderung verringerte sich die Zahl der Schüler weiter auf nur noch 6 im Dezember 1939. Im Oktober 1940 wurde die Schule aufgelöst, die verbliebenen 5 Schüler nach Hamburg umgeschult.

Schreiber, Albrecht: Zwischen Davidstern und Doppeladler: Illustrierte Chronik der Juden in Moisling und

Lübeck. Lübeck: Archiv der Hansestadt Lübeck, 1992. (Kleine Hefte zur Stadtgeschichte; H. 8). 192 S., Ill.

Unentbehrliche Chronik für die Geschichte der Juden in Lübeck, mit besonderem Schwerpunkt auf die nationalsozialistische Zeit (S. 94 - 150). Neben den sehr ausführlichen Texten, mit zahlreichen Bezügen zu den christlichen Kirchen, werden sehr prägnante zeitgenössische Fotos und Dokumente abgedruckt. Ein Glossar jüdischer und zeitgenössischer Begriffe, ein umfassendes Literaturverzeichnis und ein ausführliches Register beenden den Band.

Schreiber, Albrecht: Über Zeit und Ewigkeit: die jüdischen Friedhöfe in Moisling und Lübeck. Lübeck: Archiv der Hansestadt Lübeck, 1988. (Kleine Hefte zur Stadtgeschichte; H. 4). 101 S., Ill.

Die Darstellung umfaßt neben dem Nachdruck eines Aufsatzes des ehemaligen Lübecker Rabbiner Alexander Winter über den jüdischen Friedhof in Lübeck-Moisling einen Beitrag über die Besitzverhältnisse an den Friedhöfen während der nationalsozialistischen Zeit bis in die 1960ger Jahre. Den Haupteil bildet ein mit zahlreichen Fotos ausgestatteter Bericht über die Grabmale auf dem Friedhof Moisling und ihre Inschriften.

Schreiber, Albrecht: ’Ich seh schon, ich muß mir noch allein begroben.’: das Ende der jüdischen Gemeinde Lübeck. In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität (Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster: Wachholtz, 1998, S. 265 - 282.

Die Jüdische Gemeinde in Lübeck verlor bereits in den ersten Jahren des Nationalsozialismus zahlreiche Mitglieder durch Auswanderung: 1933 lebten 497 Juden in Lübeck (0,44 Prozent der Bevölkerung), im Mai 1939 nur noch 203. Auch in Lübeck wurden die Juden diskriminiert, insbesondere die Ärzteschaft und die Anwälte grenzten ihre Berufskollegen systematisch aus. Auch die evangelisch-lutherische Landeskirche war betont antisemitsch: sie wurde geführt von dem am 13. August 1934 eingesetzten Bischof Erwin Balzer, der aus seiner antisemitischen Einstellung keinen Hehl machte. Zahlreiche Pastoren, so Ulrich Burgstaller und Gerhard Meyer, Pastoren an der Lutherkirche, traten offen für den Nationalsozialismus ein. In Lübeck kam es wie in ganz Deutschland zur ’Arisierung’ jüdischer Geschäfte und nur durch einen glücklichen Zufall, wegen des beabsichtigten Verkaufs des Grundstücks an die Stadt,  blieb die Synagoge in der sogenannten ’Reichskristallnacht’ 1938  von der vollständigen Zerstörung verschont. Im Dezember 1941 wurden die 90 noch in Lübeck wohnenden Juden in das Konzentrationslager Jungfernhof bei Riga deportiert. Schließlich wollte 1943 die Stadt Lübeck den jüdischen Friedhof Moisling kaufen, was aber durch bürokratische Verzögerungen nicht gelang. Seit 1960 ist die Jüdische Gemeinde in Hamburg im Besitz des Friedhofes.

 
       

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