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Geschichte und Kirchengeschichte im Nationalsozialismus

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Bajohr, Frank; Szodrzynski, Joachim (Hrsg.): Hamburg in der NS-Zeit: Ergebnisse neuerer Forschungen. Hamburg: Ergebnisse-Verl., 1995. (Forum Zeitgeschichte; Bd. 5). 309 S.

Aufsatzsammlung mit 10 Beiträgen unter anderen zur Person des Hamburger NSDAP-Gauleiters Karl Kaufmann von Frank Bajohr und zum Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter in der Hamburger Kriegswirtschaft von Friedrike Littmann. Drei Beiträge werden einzeln ausgewertet. In ihrer Einleitung stellen die Herausgeber ausführlich den Stand der Forschung da.

Böhme, Klaus; Lohalm, Uwe (Hrsg.): Wege in den Tod: Hamburgs Anstalt Langenhorn und die Euthanasie in der Zeit des Nationalsozialismus. Hamburg: Ergebnisse-Verl., 1993. (Forum Zeitgeschichte; Bd. 2). 512 S.

Eine Autorengemeinschaft hat die Geschichte der einzigen staatlichen Anstalt für Geisteskranke in Hamburg-Langenhorn in der nationalsozialistische Zeit aufgearbeitet. Mehr als 4.000 Patienten wurden im Zweiten Weltkrieg nach auswärts verlegt, von denen 2.668 bis 1945 verstarben und nur 488 überlebten. Das Schicksal der übrigen ist bisher nicht aufklärbar. Die Verlegungen im Rahmen der Euthanasie-Aktion ’T-4’ werden ebenso detailliert dargestellt wie die weiteren Verlegungen in die Tötungsanstalten nach dem offiziellen Euthanasie-Stopp. Im letzten Kapitel wird eine statistische Gesamtauswertung der Patientendaten präsentiert. Quellen- und Literaturverzeichnis sowie Personen- und Ortsregister beenden das Buch.

 

Brüderschaft und 3. Reich: Studie eines Forschungsseminars der Ev. Fachhochschule für Sozialpädagogik der Diakonenanstalt des Rauhen Hauses. Neuauflage [1. Aufl 1982] Hamburg: Ev. Fachhochschule für Sozialpädagogik, 1988. 150 S. [Standort: Nordelbisches Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].

Studie, die stark von Faschismustheorien geprägt ist, über das Rauhe Haus in Hamburg und seine Brüderschaft (heute: Diakonen) im Nationalsozialismus. Ausgewertet wurden die Zeitschrift des Rauhen Hauses ’Der Rauhhäusler Bote’ und Manuskripte des Vorstehers, Pastor Gotthold Donndorf, sowie die Personalakten der Diakonen. Außerdem werden Interviews mit Zeitzeugen abgedruckt.

Diercks, Herbert: Friedhof Ohlsdorf: Auf den Spuren von Naziherrschaft und Widerstand. Hamburg: Ergebnisse-Verl., 1992. 127 S., Ill., 1. Kt. (beiliegend)

In zahlreichen biographischen Skizzen werden Opfer, aber auch Täter, aus der nationalsozialistischen Zeit, die auf dem Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf begraben sind, gewürdigt. Weitere Beiträge sind dem Ehrenfriedhof für ehemalige Widerstandskämpfer und der Grabmalkultur des Nationalsozialismus gewidmet.

Ebbinghaus, Angelika; Linne, Karsten (Hrsg.): Kein abgeschlossenes Kapitel: Hamburg im ’Dritten Reich’. Hamburg: Europäische Verlagsanstalt, 1997. (eva Wissenschaft). 556 S.

Aufsatzsammlung, die sich besonders der Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Hansestadt im Nationalsozialismus widmen. Unter anderen mit Beiträgen von Gabriele Ferk zur Bedeutung des Hamburger Oberfinanzpräsidenten bei der wirtschaftlichen Ausplünderung der verfolgten Juden; Wilfried Weinke über die Verfolgung jüdischer Rechtsanwälte; Andreas Seeger über Hinrichtungen in Altona und Hamburg von 1933 bis 1945 und Michael Wunder über die ’Euthanasie’ in Hamburger Anstalten für Psychiatriepatienten. Der Band wird abgeschlossen durch eine Auswahlbibliographie und mehrere Register.

Eichholz, Erik: Die evangelisch-lutherische Gefängnisseelsorge in Hamburg im ’Dritten Reich’: vom Schwinden des Humanen. Hamburg, 1995. 106 S. Hamburg, Univ., Magisterarbeit, 1995 [Standort: Nordelbisches Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].

Einzige Darstellung zum Thema. Der Autor entwickelt sehr pointiert folgende These: es gab eine Transformation von der traditionellen Gefängnisseelsorge in der Weimarer Republik, die sich primär an den seelischen und sozialen Problemen der Gefangenen orientiert hatte, zu einer neuen Generation evangelischer Gefangenenseelsorger im Nationalsozialismus, die hauptsächlich die Straf- und Sozialdisziplinierungsmaßnahmen des Staates unterstützten. Die Landeskirche trug diesen Kurswechsel mit.

Glensk, Evelyn; Rothmaler, Christiane (Hrsg.): Kehrseiten der Wohlfahrt: die Hamburger Fürsorge auf ihrem Weg von der Weimarer Republik in den Nationalsozialismus. Hamburg: Ergebnisse-Verl., 1992. 343 S., Ill.

Aufsatzsammlung mit Beiträgen zur Geschichte der staatlichen Hamburger Sozialfürsorge. Die Träger der freien Wohlfahrtseinrichtungen werden nur am Rande behandelt. Besonders relevante Beispiele für die Verschärfung staatlicher Zwangsmaßnamen von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus bieten die Beiträge von Ruth Baumann und Evelyn Glensk über jugendpsychatrische Gutachten beim Hamburger Jugendamt und von Christiane Rothmaler über den fürsorgerechtlichen Arbeitszwang.

Grolle, Joist: Von der Verfügbarkeit des Historikers: Heinrich Reincke und die Hamburg-Geschichtsschreibung in der NS-Zeit. In: Bajohr, Frank; Szodrzynski, Joachim (Hrsg.): Hamburg in der NS-Zeit: Ergebnisse neuerer Forschungen. Hamburg: Ergebnisse-Verl., 1995 (Forum Zeitgeschichte; Bd. 5), S. 25 - 57.

Heinrich Reincke (1881 - 1960) wurde 1933 zum Direktor des Hamburger Staatsarchivs bestellt und galt als einer der besten Kenner der Landesgeschichte. Er war besonders engagiert in der hamburgische Landeskirche als Synodaler und schloß sich 1933 den ’Deutschen Christen’ an, in persönlicher Verbundenheit zum neuen Landesbischof Schöffel. Im neuberufenen Landeskirchenrat wurde er als Stellvertreter des Bischofs und Vorsitzender der kirchlichen Disziplinarkammer in den Kirchenkampf mit einbezogen. Reincke war sehr bemüht sich in jeder Weise dem neuen Regime anzupassen, seine Publikationen wurden jetzt mit antisemitischen und rassistischen Passagen versehen.

Hammer, Friedrich: Kirche in politischen Ausnahmesituationen: Erlebnisse eines Pfarrers in Hamburg und Altona 1930-1956. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 77 (1991), S. 77 - 100.

Friedrich Hammer schildert sehr persönlich seine Erlebnisse mit Bischof Franz Tügel und als Geistlicher in der Strafanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel während des Nationalsozialismus. 1938 wurde er Pastor in Ottensen (Propstei Altona), das zur schleswig-holsteinischen Landeskirche gehörte. Um eine Pfarrstellenneubesetzung in Ottensen 1938 kam es zum Konflikt mit dem Präsidenten des Landeskirchenamtes, Christian Kinder, der von Hammer sehr negativ beurteilt wird. 1939 bis 1945 diente Hammer in der Wehrmacht.

Hammer, Friedrich; Schade, Herwarth von: Die Hamburger Pastorinnen und Pastoren seit der Reformation: ein Verzeichnis.  Als Manuskript vervielfältigt.  Hamburg: [Selbstverlag der Verfasser].

Teil 1. Alphabetisches Hauptverzeichnis. - 1995. - 214 S.

Teil 2. Gemeindeverzeichnis. - 1995. - 210 S.

Biographische Angaben zu den Pastoren der Landeskirche; teilweise auf den Personalakten beruhend. Ein Pfarrstellenverzeichnis ist in Band 2 vorhanden.

Hering, Rainer: Auf dem Weg in die Moderne?: die Hamburgische Landeskirche in der Weimarer Republik. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 82 (1996), S. 127 - 166.

Der Autor versucht eine Gesamtschau der Landeskirche in der Weimarer Republik, wobei er nicht nur auf theologische und kirchenpolitische Auseinandersetzungen innerhalb der Kirche eingeht, sondern auch ihre gesellschaftliche Rolle und das Alltagsleben in den Gemeinden berücksichtigt. Zentraler Begriff für den behandelten Zeitraum ist die ’Entkirchlichung’ in Hamburg, aus der nicht zuletzt durch die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse, viele Kirchenaustritte resultierten. Über antisemitische und völkisch-nationale Strömungen innerhalb der Pastorenschaft läßt sich zum jetzigen Zeitpunkt wegen der unbefriedigenden Forschungslage kein abschließendes Urteil fällen.

Hering, Rainer: ’Feststellen möchte ich aber, daß ich als Nationalsozialist unter keinen Umständen meine

Tochter von einer jüdischen Lehrerin unterrichten lassen kann und werde’: Landesjugendpastor Johannes Vorrath und sein Kampf um die ’rassische Sauberkeit’ in der ’deutschen Volksschule’ 1935. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 85 (1999), S. 143 - 164.

Exemplarische Studie über einer Pfarrer, der dem radikalsten Flügel der ’Deutschen Christen’, der Thüringer Richtung, angehörte und als überzeugter Nationalsozialist und Antisemit die Entfernung einer jüdischen Lehrerin aus dem Staatsdienst forderte. Vollraths Amtsführung war innerhalb der Landeskirche so umstritten, wegen seiner Anbiederung an die Hitler-Jugend, daß er 1936 das Amt des Landesjugendpfarrers abgeben mußte und auf eine Pfarrstelle nach Finkenwerder wechselte. Ausführlich geht Hering auf sein Entnazifizierungsverfahren nach dem Krieg ein: trotz erheblicher Belastung aufgrund seiner nationalsozialistischen Betätigung gelang es ihm, nach vorläufiger Versetzung in den Ruhestand, wieder eine Pfarrstelle zu bekommen.

Hering, Rainer: Die Bischöfe: Simon Schöffel, Franz Tügel. Hamburg: Verlag Verein f. Hamburgische Geschichte, 1995. (Hamburgische Lebensbilder in Darstellungen und Selbstzeugnissen; Bd. 10). 92 S., Ill.

Doppelbiographie über die Bischöfe der hamburgischen Landeskirche Simon Schöffel (1880 - 1959) und Franz Tügel (1888 - 1946). Schöffel, national-konservativ und antisemitisch eingestellt,  wurde im Mai 1933 in das neu geschaffene Amt des Landesbischofs gewählt. Er unterstützte den Nationalsozialismus vorbehaltlos, allerdings ohne Parteimitglied zu sein. Franz Tügel, seit 1931 NSDAP-Mitglied, und die von ihm beeinflußten ’Deutschen Christen’ war Schöffel nicht radikal genug, so daß sie seine Entmachtung betrieben. Im März 1934 trat er zurück und Tügel wurde Landesbischof. Er behielt das Amt bis Juli 1945. Seit 1937 gab es Spannungen zwischen Tügel und der Partei vor allem wegen seiner Personalpolitik. Tügel blieb Nationalsozialist auch wenn bestimmte radikale Postionen, etwa in der Einstellung gegenüber den Juden, nicht teilte. Das Werk enthält ein Quellen- und Literaturverzeichnis aber keine Anmerkungen in denen die Zitate belegt werden.

Hering, Rainer: ’Sprache und Kultur des Judentums’ im Nationalsozialismus: Walter Windfuhrs Lehrtätigkeit an der Hamburger Universität. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 80 (1994), S. 141 - 151.

Der Hamburger Pastor Walter Windfuhr (1878 - 1970) erhielt 1928 einen Lehrauftrag an der Universität Hamburg für ’Nachbiblisches Hebräisch und Aramäisch’ und wurde im folgenden Jahr zum Honorarprofessor ernannt. Politisch deutschnational eingestellt und Mitglied der DNVP lehnte er den Nationalsozialismus entschieden ab und bat im August 1933 den Hamburger Landesbischof Schöffel um die Versetzung in den Ruhestand, weil er den Antisemitismus der Landeskirche nicht mittragen wollte. Seinen universitären Lehrauftrag konnte er bis November 1941 behalten, trotz zahlreichen Anfeindungen von seiten der NSDAP.

Hering, Rainer: Theologie im Spannungsfeld von Kirche und Staat: die Entstehung der Evangelisch-Theologischen Fakultät an der Universität Hamburg 1895 bis 1955. Berlin; Hamburg: Reimer, 1992. (Hamburger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte; Bd. 12). 463 S.

Die Hamburger Universität (1919 gegründet) verfügt erst seit 1953 über eine Theologische Fakultät, aber bereits in den Jahrzehnten zuvor wurde intensiv über deren Errichtung diskutiert. Kurzfristig gab es 1933/34 eine Initiative der ’Deutschen Christen’ eine Fakultät zu errichten, um ihre kirchenpolitischen Ziele durchsetzen zu können; allerdings ohne Erfolg. Das Buch ist mit umfangreichem Quellen- und Literaturverzeichnis versehen, sowie mit Personen- und Sachregister. Besonders nützlich sind die vom Autor erstellten Kurzbiographien von zahlreichen Hamburger Pastoren und Hochschullehrern.

Hering, Rainer: Die Theologinnen: Sophie Kunert, Margarete Braun, Margarete Schuster. Hamburg: Verlag Verein für Hamburgische Geschichte, 1997. (Hamburgische Lebensbilder in Darstellungen und Selbstzeugnissen; Bd. 12). 125 S., Ill.

Mit einem Beitrag über die Hamburger Theologin Sophie Kunert (1896 - 1960), die 1934 den Göttinger Pfarrer Bruno Benfey heiratete. Benfey war Christ jüdischer Herkunft und ist 1937 von der Hannoverschen Landeskirche in den Ruhestand versetzt worden. In der sogenannten ’Reichskristallnacht’ vom 9./10. November 1938 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht, wo er sehr schwer erkrankte. 1939 konnte die Familie in die Niederlande emigrieren und überlebte dort den Zweiten Weltkrieg.

Hering, Rainer: Vom Seminar zur Universität: die Religionslehrerausbildung in Hamburg zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik. Hamburg: Dölling und Galitz, 1997. 234 S., Ill.

Hering geht ausführlich auf die Religionslehrerausbildung im Nationalsozialismus ein  (S. 49 - 76) und zeigt die Anpassung der kirchlichen Dozenten an die politisch erwünschten Lehrinhalte. Besonders instruktiv sind die zahlreichen Kurzbiographien und das umfangreiche Quellen- und Literaturverzeichnis.

Herntrich, Hans-Volker (Hrsg.): Volkmar Herntrich 1908 - 1958: ein diakonischer Bischof. Berlin: Lettner, 1968. (Schriften für Diakonie und Gemeindebildung; Bd. 9). 275 S., Ill.

Volkmar Herntrich studierte Theologie und wurde schon 1932 Privatdozent an der Kieler Universität, gleichzeitig betreute er die Bugenhagengemeinde in Kiel-Wellingdorf. Bereits seit 1927 stand er im scharfen Gegensatz zur NSDAP. Als Mitbegründer des Pfarrernotbundes wurde ihm 1934 die universitäre Lehrbefugnis entzogen und er erhielt totales Redeverbot in Schleswig-Holstein. Nach Stationen in Bethel und Berlin wurde er 1942 zum Hauptpastor an St. Katharinen in Hamburg gewählt. 1956 wählte ihn die Synode zum Bischof der Hamburger Landeskirche. Das Buch enthält eine biographische Würdigung Herntrichs durch seinen Sohn (S. 13 - 59) und den Nachdruck zahlreicher Veröffentlichungen sowie seltene Photos, teilweise aus Familienbesitz.

Hochmuth, Ursel; Meyer, Gertrud: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand 1933 - 1945: Berichte und Dokumente. Frankfurt am Main: Röderberg, 1969. 650 S.

Umfangreiche Abhandlung zum Widerstand Hamburger Parteien und Verbände gegen den Nationalsozialismus. Auf S. 54 - 69 wird der Widerstand des Hamburger Jugendpastors Gotthold Donndorf gegen die Eingliederung des ev. Jugendverbandes in die HJ dargestellt.

Jenner, Harald: 100 Jahre Anscharhöhe 1886 - 1986. Neumünster: Wachholtz, 1986. 155 S., Ill.

Umfassende Darstellung der Anscharhöhe im Nationalsozialismus (S. 95 - 127). Das Pflege- und Erziehungsheim ’Anscharhöhe’ wurde von der St. Anschar Kirchengemeinde getragen. Die anfängliche Begeisterung über den neuen Staat wich, wie in anderen Einrichtungen der Inneren Mission auch, der Ernüchterung angesichts der nationalsozialistischen ’Rasseideologie’, die christlichen Werten fundamental entgegenstand. Seit 1937 gehörte Lokstedt und somit die Anscharhöhe zu Hamburg und die Hamburger Behörden, vor allem das Jugendamt, versuchten verstärkten Einfluß auf die kirchliche Fürsorge- und Erziehungsarbeit zu gelangen, was aber mißlang. Zahlreiche zeitgenössische Fotos und Dokumente veranschaulichen den Beitrag.

Jochmann, Werner: Ein lutherischer Bischof zwischen politischen Hoffnungen und kirchlichen Zielen. In: Jochmann, Werner: Gesellschaftskrise und Judenfeindschaft in Deutschland 1870 - 1945. Hamburg: Christians, 1988 (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte; Bd. 23), S. 282 - 297.

Biographische Skizze über den Hamburger Bischof Franz Tügel (1888 - 1946) und dessen kirchenpolitische Ziele in der Zeit des Nationalsozialismus. Jochmann betont Tügels Antisemitismus, der die rassistische Politik des Staates ausdrücklich unterstützte. Aber bei einem persönliche Freund, wie dem Wandsbeker Pastor Bernhard Bothmann und dessen jüdischer Frau, war er zur persönlichen Hilfeleistung bereit. Seine nationalistische Einstellung behielt Tügel bis über das Kriegsende bei, ohne aus den Verbrechen des Nationalsozialimus politische und theologische Konsequenzen zu ziehen.

Lohalm, Uwe: Hamburgs Verwaltung und öffentlicher Dienst im Dritten Reich. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 82 (1996), S. 167 - 208.

Lohalm geht ausführlich auf die Veränderungen in der Verwaltungsstruktur durch das ’Groß-Hamburg-Gesetz’ vom Januar 1937 ein: Hamburgs Gebietsumfang vergrößerte sich um 80 Prozent, seine Einwohnerzahl um 40 Prozent durch Gebietsabtretungen aus den preußischen Provinzen Schleswig-Holstein und Hannover. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Darstellung ist die Entlassung und Pensionierung von Beamten aufgrund ’politischer Unzuverlässigkeit’ und des ’Arierparagraphen’: mehr als 13 Prozent der 17.000 hamburgischen Beamten waren davon betroffen. Bei den Staatsanwälten und Richtern waren es sogar 17 Prozent, davon zwei Fünftel wegen ihrer jüdischen Herkunft.

Nellessen, Bernd: Das mühsame Zeugnis: die katholische Kirche in Hamburg im zwanzigsten Jahrhundert. Hamburg: Christians, 1992. (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte; Bd. 26). 201 S.

Einzige Gesamtdarstellung zur Geschichte der katholischen Kirche in Hamburg. Die nationalsozialistische Zeit wird umfassend dargestellt, wobei der Autor die grundsätzliche Feindschaft der Nationalsozialisten gegenüber der katholischen Kirche betont, die sich in einer ständigen Abwehrhaltung gegen den totalitären Staat befand. Das Verhältnis zu den Juden war von traditionellem christlichen Antijudaismus geprägt. Die Zahl der katholischen Christen jüdischer Herkunft in Hamburg war sehr gering: 1939 waren es 62, dazu 166 ’Mischlinge ersten Grades’ und 111 ’Mischlinge zweiten Grades’. In Hamburg befand sich auch das Generalsekretariat des ’Raphaelsvereins’, der Katholiken jüdischer Herkunft zur Auswanderung verhielf und ständig von der Gestapo beobachtet wurde.

Reichel, Peter (Hrsg.): Das Gedächtnis der Stadt: Hamburg im Umgang mit seiner nationalsozialistischen

Vergangenheit. Hamburg: Dölling und Galitz, 1997. (Schriftenreihe der Hamburgischen Kulturstiftung; Bd. 6). 253 S., Ill.

Sammelband, der sich mit der ’Geschichtskultur’ der Hansestadt auseinandersetzt. Dargestellt wird die Denkmalkultur, unter anderem am Beispiel des aus dem Bombenkrieg übriggebliebenen Turmes der St. Nikolai-Kirche. Weitere Beiträge widmen sich dem ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme und dem jüdischen Friedhof Ottensen sowie Mahnmalen für die verfolgten Juden. Die Erforschung der Universitätsgeschichte im Nationalsozialismus und eine Bilanz bisheriger geschichtswissenschaftlicher Forschung beenden den Band.

Reiter, Michael: Christliche Existenz und sozialer Wandel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: eine Hamburger Kirchengemeinde in den politischen Auseinandersetzungen der Weimarer Republik und des Dritten Reiches. Hamburg: [Dissertationsdruck], 1992. 252 S. Hamburg, Univ., Diss., 1992.

Wissenschaftlich solide Darstellung über die Geschichte der evangelischen Dreifaltigkeitsgemeinde Hamburg-Hamm von 1918 - 1950 mit Schwerpunkt auf den Jahren 1933 - 1945. Die Gemeinde war lutherisch-orthodox geprägt und begrüßte den Nationalsozialismus enthusiastisch. Aber bereits im November 1933 wandte sich Pastor Bernhard Heinrich Forck von den ’Deutschen Christen’ ab, wurde Mitglied des Bruderrates und zu einem der profiliertesten Vertreter der ’Bekennenden Kirche’ in Hamburg. In Hamm wurde der Kirchenkampf zwischen den Pastoren Heldmann und Forck mit großer Intensität geführt, aber in ihrer antisemitischen Einstellung unterschieden sie sich nicht. Allenfalls mit den getauften Juden gab es sehr vorsichtig formulierte Solidaritätsbekundungen.

Ruoff, Manuel: Landesbischof Franz Tügel. Hamburg: Krämer, 2000. (Beiträge zur deutschen und europäischen Geschichte; 22). 347 S.

Biographie des umstrittenen Hamburger Bischofs Tügel (1888 - 1946). Das Buch enthält ein Verzeichnis der benutzten Quellen und ein knappes Literaturverzeichnis, aber kein Register.

Schade, Herwarth von: Das Landeskirchenamt in Hamburg. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 72 (1986), S. 171 - 205.

Das Landeskirchenamt als zentrale kirchliche Verwaltungsbehörde wurde im März 1934 von Landesbischof Tügel eingerichtet. Als leitende Beamte (Oberkirchenräte) wurden ernannt die Pastoren Karl Friedrich Boll und Adolf Drechsler sowie der Jurist Eduard Pietzcker, früher Syndikus der Hamburger Landeskirche. Das neue Amt hatte die Aufgabe dem Landesbischof bei der Verwaltung der Kirche zuzuarbeiten und stärkte somit seine Amtsposition. Der Aufsatz geht dann ausführlich auf die weitere Entwicklung der Behörde ein bis zu ihrem Ende 1977 als die hamburgische Landeskirche ihre Selbständigkeit verlor und in der Nordelbischen Kirche aufging.

Severin, Günther: Jahre einer Gemeinde: Eilbek 1872 - 1943. Hamburg, 1985. 701 S., Ill.

Eine sehr umfangreiche Chronik der Kirchengemeinde Eilbek in Hamburg, allerdings mit einem erheblichen darstellerischen Mangel: der Autor zitiert häufig und sehr umfangreich aus ungedruckten Aktenbestände ohne einen Fundortnachweis. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die Darstellung der nationalsozialistischen Zeit gelegt. Die beiden Pastoren Wilhelm Reme und Johannes Wehrmann gehörten der ’Bekennenden Kirche’ an. Ihre Konflikte mit Landesbischof Tügel werden ausführlich dargestellt.

Tilicki, Holger: Ein Pastor zwischen den Fronten: die Kirchengemeinde St. Lukas im Nationalsozialimus. In: Fuhlsbüttel unter dem Hakenkreuz. Hamburg: Dölling und Galitz, 1996, S. 57 - 72.

Dargestellt wird der Konflikt zwischen Pastor Heinrich Zacharias-Langhans (1898 - 1969), der gemäß der nationalsozialistischen Rasseideologie mit seinen jüdischen Vorfahren als ’Halbjude’ galt, und dem Kirchenvorstand, der dominiert wurde von den ’Deutschen Christen’ um den Direktor des Staatsarchivs Heinrich Reincke. Zacharias-Langhans gehörte keiner kirchenpolitischen Strömung an, war aber ständig Verdächtigungen ausgesetzt und wurde von der Gestapo beobachtet. Er lehnte den Nationalsozialismus ab und begab sich selbst in unmittelbare Lebensgefahr, in dem er ein jüdisches Ehepaar im Pastorat versteckte.

Tügel, Franz; Nicolaisen, Carsten (Hrsg.): Mein Weg: 1888-1946. Erinnerungen eines Hamburger Bischofs. Hamburg: Wittig, 1972. (Arbeiten zur Kirchengeschichte Hamburgs; 11). XI, 453 S., 1 Abb.

Autobiographie des Hamburger Landesbischofs.

Wilhelmi, Heinrich: Die Hamburger Kirche in der nationalsozialistischen Zeit: 1933-1945. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1968. (Arbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfes: Ergänzungsreihe; Bd. 5). 326 S.

Einzige Gesamtdarstellung des Kirchenkampfes in Hamburg; bis heute nicht überholt. Heinrich Wilhelmi (1888 -1968) war selbst auf der Seite der ’Bekennenden Kirche’ am Kirchenkampf beteiligt. Er teilt das Buch in folgende Kapitel ein: 1. Einleitung. 2. Vom Senior zum Bischof.  3. Schöffels Bischofszeit. 4. Tügel Amtszeit I: Als Mitglied der Deutschen Christen. 5. Tügels Amtszeit II: Vom Bruch mit den Deutschen Christen bis zum Reichskirchenausschuß. 6. Tügels Amtszeit III: Nach dem Reichskirchenausschuß bis zum Kriegsausbruch. 7. Tügels Amtszeit IV: Im Kriege. 8. Tügel und Schöffel. Abschließend folgt der Abdruck wichtiger Dokumente und ein sehr ausführliches Personenregister mit biographischen Angaben. Literatur- und Quellenverzeichnis sind nicht vorhanden.

Wilken, Holger: Die katholische Gemeinde in (Alt-)Hamburg 1933-1945. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 85 (1999), S. 127 - 142.

Knapper Überblick, der auf einer Dissertation des Verfassers beruht. 1933 machten die knapp 63.000 Katholiken nur 5,5 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Als Teil des Bistums Osnabrück unterstand die katholische Gemeinde dem Bischof Wilhelm Berning und wurde geleitet vom Pastor primarius Bernard Wintermann. Berning war deutsch-national und begrüßte den Nationalsozialismus. Einen ’Kirchenkampf’ gab es in Hamburg nicht.

Wunder, Michael: Euthanasie in den letzten Kriegsjahren: die Jahre 1944 und 1945 in der Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn. Husum: Matthiesen, 1992. (Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften; H. 65). 236 S.

Eine medizinhistorische Abhandlung über den Abtransport aus der Langenhorner Anstalt nach Meseritz-Obrawalde und in die Ricklinger Anstalten in den Jahren 1944 und 1945. Der Autor weißt nach, daß auch nach dem offiziellen Stopp der Euthanasie im August 1941 die Ermordung psychisch Kranker in großem Umfang weiterging.

Wunder, Michael; Genkel, Ingrid; Jenner, Harald: Auf dieser schiefen Ebene gibt es kein Halten mehr: die Alsterdorfer Anstalten im Nationalsozialismus. Hamburg: Agentur d. Rauhen Hauses, 1987. 241 S., Ill.

Die Alsterdorfer Anstalten waren und sind eine der größten diakonischen Einrichtungen in Norddeutschland. In der Zeit des Nationalsozialismus sind insgesamt 629 geistig behinderte und psychisch kranke Menschen in die Tötungsanstalten der Euthanasie abtransportiert worden. Der Band dokumentiert umfassend ihre Geschichte und die Verstrickung der Diakonie in die rassistische Ideologie und Politik der Nationalsozialisten. Schwerpunkte der Darstellung sind die biographischen Berichte über die Euthanasie-Opfer, die Biographien und Entscheidungen des Anstaltsleiters Pastor Friedrich Lensch und des Arztes Gerard Kreyenberg und das Schicksal der jüdischen Bewohner der Anstalten. Erschlossen wird das Buch durch ein umfassendes Register.

 
       

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