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Presseberichterstattung Eckernförde
 

 

 

 

Auf dieser Website werden Artikel nur dann im Volltext dargestellt, wenn eine Genehmigung der Verlage erteilt wurde. Wir bitten um Verständnis.

10.05.2004

Kieler Nachrichten :
Wahrheit kontra Verdrängung
 

26.04.2004

Eckernförder Zeitung:
Nicht nur Schwarz oder Weiß
 

18.04.2004

Die Nordelbische:
Auseinandersetzung mit der Vergangenheit
 

6.04.2004

Eckernförder Zeitung:
Kirche stellt sich der Vergangenheit
 

2.04.2004

Kieler Nachrichten:
Kirche stellt Rolle während der NS-Zeit dar
 

2.04.2004

Eckernförder Nachrichten:
Kirche stellt Rolle während der NS-Zeit dar
 

29.03.2004

Hamburger Abendblatt:
Vom Hitlerjungen zum Aufklärer
 

24.03.2004

Stormarner Tageblatt:
Von Verfolgern und Verfolgten
 

17.03.2004

Hamburger Abendblatt:
Die Kirche stellt sich der Nazi-Zeit
 

04.02.2004

Flensborg Avis:
Hilfe kam auch in vielen kleinen Gesten
 

25.01.2004

Die Nordelbische:
Macht des Erinnerns
 

22.02.2004

Die Nordelbische:
„Kirche, Christen, Juden“ Ausstellung mit lokalem Bezug
 

22.02.2004

Die Nordelbische:
„Auferstehung des Volkes“
 

8.02.2004

Die Nordelbische:
Botschafter gegen den Fremdenhass
 

 
   
 
   

Wahrheit kontra Verdrängung

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten vom 10.05.2004

Eckernförde - Die Judenfrage in Beziehung zur Kirche steht im Mittelpunkt einer Ausstellung in der St.-Nicolai-Kirche. Der Eckernförder Historiker Karl Friedrich Schinkel stellte jetzt den lokalen Bezug zum Thema her: "Kirche, Juden, Christen in Eckernförde von 1933-1945" lautet das Thema, dem sich der Verfasser eines renommierten Eckernförde-Buches am Freitag in einem Vortrag stellte. Mit großem Interesse lauschte das Publikum in der gut besuchten Kirche seinen Ausführungen und beteiligte sich engagiert an einer anschließenden Diskussion. "Eine Demokratie lebt von der Wahrheit, nicht von der Verdrängung", gab Pastor i.R. Erhard Seredszus zu bedenken.

Schinkel schlug ein Kapitel auf, auf dem schon der Staub des Vergessens ruht: die NS-Zeit in Eckernförde. Obwohl es im Ostseebad weder jüdische Geschäfte noch eine jüdische Gemeinde gab, hielten die meisten Bürger damals eine antisemitische Grundeinstellung für "zeitgemäß und gerechtfertigt", so Schinkel. Während die nationalsozialistischen Ideen frühzeitig den städtischen Bereich Eckernfördes erfassten, stimmte in Borby die Mehrheit anfangs noch gegen die NSDAP.

Auf kirchlicher Seite kristallisierte sich in der Zeit des Dritten Reiches bald ein Gegensatz zwischen Probst Heinrich Langlo und dem Borbyer Pastor Walter Lehmann heraus. Schinkel bezeichnet die beiden Theologen sogar als "nie ausgesöhnte Gegenspieler". Langlo, ein Pietist nordschleswigscher Prägung, der nur Gott als höchste Obrigkeit anerkannte, griff in seinen Predigten die Methoden der Nazis an, was ihm mehrere Tage Haft einbrachte. Lehmann hingegen, hochgeistiger Prediger des Deutschen Idealismus, sah in der NSDAP die Wiederbelebung preußisch-christlicher Tugenden und geriet somit in den Kreis der regimekonformen "Deutschen Christen". Zum Zeichen seiner Anpassung öffnete er die Borbyer Kirche für die Sonnenwendfeier.

Brennende Synagogen gab es in Eckernförde nicht, kein jüdischer Bürger wurde hier umgebracht. Und doch: Kurz vor Kriegsende starben in der Stadt mehrere jüdische Frauen, die bei einem Häftlingstransport vor Waabs Schiffbruch erlitten hatten, an unterlassener Hilfeleistung. Dem Retter der wenigen Überlebenden, Gutsherr Graf v. Moltke-Kirsten, wird heute in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ehrend gedacht. In Eckernförde erinnert nur noch ein Grabstein in der südwestlichen Ecke des Mühlenbergfriedhofes an das grausige Ende der gestrandeten Jüdinnen. jut

 
 
 
   
 

Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“ wird in der St. Nicolai-Kirche gezeigt

 

Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"
Nr. 16 vom 18.04.2004

Von Erhard Seredszus
Eckernförde – Die nordelbische Wanderausstellung über Christen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus, die 2001 zum ersten Mal in der Rendsburger Christkirche gezeigt wurde, kommt im April nach Eckernförde.

Die Synode der Nordelbischen Kirche hatte im September 2001 eine theologische Erklärung zum Verhältnis von Christen und Juden abgegeben, um in Kirchenkreisen und Gemeinden den jüdisch-christlichen Dialog anzuregen und darauf aufmerksam zu machen, dass zum Wesen des christlichen Glaubens die Verbindung zu seinen jüdischen Wurzeln gehört. Dazu gehört eine Aufarbeitung der kirchlichen Vergangenheit, was Thema dieser Ausstellung ist.

Ihre Aufgabe ist es, die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in die Öffentlichkeit zu tragen und den kirchlichen Antisemitismus zu verdeutlichen. Das geschieht in verschiedenen Elementen der Ausstellung: Eine Reihe von biographischen Darstellungen zeigen selbstgewählte oder aufgezwungene Verhaltensmuster im NS-Staat kombiniert mit einer Zeitleiste der wichtigsten Ereignisse in den Jahren 1933 bis 1945. Ein „regionales Fenster“ bearbeitet ein Thema aus dem Kirchenkreis Eckernförde.

Dazu hat eine Arbeitsgruppe ein Eckernförder Begleitprogramm erarbeitet, das aus Vorträgen und Exkursionen besteht. Es ist erhältlich im Kirchenbüro St. Nicolai, Langebrückstr. 13, Tel. 04351/712374, mo. bis fr. von 9 bis 12 Uhr.

Zielgruppen der Schau sind vorrangig Jugendliche und junge Erwachsene. Aber auch in der älteren Generation wird die Ausstellung vermutlich verstärktes Interesse hervorrufen. Ansprechpersonen werden während der Öffnungszeiten anwesend sein.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 25.April, mit einem Gottesdienst um 10 Uhr in der St. Nicolai-Kirche durch Propst Knut Kammholz eröffnet.

Wanderausstellung „Kirche, Christen und Juden“

Aus: Die Nordelbische Nr. 16 vom 18.04.2004

Eckernförde – Die Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“ wird ab 25.Apil in der Eckernförder St. Nicolai-Kirche zu sehen sein. Sie wendet sich insbesondere an junge Menschen.

 
 
 
   
 
   

Kirche stellt Rolle während der NS-Zeit dar

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten
vom 02.04.2004

Eckernförde – Die Kirche im Norden stellt sich der NS-Zeit. Am 25. April kommt die Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“ nach Eckernförde. In einem Rahmenprogramm werden dabei auch Schlaglichter auf die damalige Situation im Kirchenkreis Eckernförde geworfen.

Es ist kein rühmliches Kapitel, das die Kirche mit dieser mutigen Veranstaltung aufgreift. Die damalige Schleswig-Holsteinische Landeskirche, so Pastor i.R. Erhard Seredszus, sei tief im braunen Sumpf versunken. Doch nicht alle waren Mitläufer, auch das wird die Ausstellung zeigen. „Wir müssen uns unserer eigenen Geschichte stellen“, unterstützt Propst Knut Kammholz das Projekt. Es sei wichtig, auch dieses Kapitel Kirchengeschichte aufzuarbeiten. Konzipiert wurde die Wanderausstellung der Nordelbischen Kirche nach einer theologischen Erklärung der NEK-Synode zum Verhältnis von Christen und Juden im September 2001. „Eine späte Erklärung“, meint Seredszus. Andere Landeskirchen hätten sich früher positioniert. Aus der Anregung an die Kirchenkreise und Gemeinden zum jüdisch-christlichen Dialog entstand in Eckernförde ein von Seredszus geleiteter Arbeitskreis.

Die Ausstellung wird die Auseinandersetzung der Kirche mit ihrer NS-Vergangenheit jetzt in die Öffentlichkeit tragen: Erfahrungen aus anderen Kirchenkreisen zeigen, dass vor allem bei Älteren „sehr viel Betroffenheit“ ausgelöst wurde. Ein besonderes Augenmerk soll aber auf die jüngere Generation gelenkt werden. So wurden vorab bereits alle Schulen benachrichtigt. Es gehe auch darum, ein Signal gegen immer wieder aufflackernden Antisemitismus zu setzen, so Seredszus.

Neben Biographien von Verfolgern und Verfolgten wird die Ausstellung in „regionalen Fenstern“ örtliche Themen ebenso aufgreifen wie ein Rahmenprogramm. Vorträge befassen sich mit den NS-Jahren in der Stadt Eckernförde sowie in der damaligen Propstei. Am Himmelfahrtstag begibt sich eine Exkursion nach Bookniseek (Waabs) auf die Spuren der tragischen Schicksale dort gestrandeter Jüdinnen aus dem KZ Stutthof (bei Danzig) nach einer Odyssee über See. Konzerte, Lesungen und Gottesdienste vervollständigen das Angebot.

Die Ausstellung wird Sonntag, 25. April, um 10 Uhr in der St.-Nicolai-Kirche eröffnet. Veranstaltungsprogramme liegen in der Nicolai-Kirche, im Lutherhaus und im Haus des Kirchenkreises aus. Internet: www.kirche-christen-juden.org. Anmeldungen für Führungen unter Telefon 04351 / 712374.
crd

 
 
 
   
 

Geschichte. Nicht alle Deutschen waren Täter, es gab auch viele, die den verfolgten Juden halfen, machte Prof. Paul in einem Vortrag deutlich.

 

Hilfe kam auch in vielen kleinen Gesten

Mit freundlicher Genehmigung der Flensborg Avis
vom 04.Februar 2004

Flensburg. „Auch im braunen Schleswig-Holstein gab es hunderte von Menschen, die verfolgten Juden halfen – allerdings zu wenige, um die Politik des Holocaust auch nur im entferntesten zu gefährden“, sagte Professor Gerhard Paul am Montagabend in der gut besuchten St. Marien-Kirche. Der letzte Vortrag zur Veranstaltung „Kirche – Christen – Juden in Nordelbien 1933-45“ drehte sich weniger um Verfolgung und kollektive Schuld als um diejenigen, die eine Ausnahme machten.

Menschen aus verschiedenen Altersgruppen, darunter auffallend viele jüngere Leute, hörten sich den Vortrag an. Einigen Älteren kamen angesichts der Erinnerungen zwischendurch die Tränen.

„Wenn wir schon als Kirche versagt haben angesichts der zunehmenden Verfolgung der Juden, ist es auch sehr gut, an die Menschen zu erinnern, die nicht dem allgemeinen Druck nachgegeben haben“, so Pastor Udo Gräve vor Beginn des Vortrages.

Gerhard Paul erzählte in seinem Vortrag von einer Vielzahl meist kleiner Begebenheiten, manchmal nur Gesten wie das weitere Grüßen von Juden au offener Straße, die es überall in Schleswig-Holstein gab.

Beamte halfen
Dabei halfen neben Privatleuten auch Beamte, die sich im preußischen Stil der Ordnung verpflichtet fühlten und daher Diskriminierung ablehnten.

„In der Regel kostete dieser kleine Widerstand nicht das Genick“, so Paul. Dabei sei gerade die Provinz ein „ambivalenter Zustand“ gewesen. Einerseits konnten Verfolgte sich hier in relativer Sicherheit verstecken, andererseits bedeutete die ländliche Umgebung, dass es auch „unbarmherzige Kontrolle von Außenseitern“ geben konnte.

Paul berichtete davon, wie Juden heimlich Brote zugesteckt wurden, wie ihnen das Abhören von verbotenen Radiomeldungen ermöglicht wurde oder einfach Nachrichten über noch lebende Angehörige überbracht wurden. Besonders an der Westküste wurden einzelne Juden von Nachbarn versteckt.

Er nannte auch die Beispiele der jüdischen Familien Monin und Wolff, die bei Behörden Unterstützung fanden, sowie das Ehepaar Lützen, das über die Gastwirtschaft Waldheim in Harrislee Juden und Kommunisten über die Grenze half.

Abgelesen
Der Vortrag litt etwas darunter, dass Paul nicht frei sprach, sondern Wort für Wort ablas. Der ältere Beitrag stammt aus seinem Buch „Land unter – Schleswig-Holstein und das Hakenkreuz“ und bezog sich deshalb nicht in erster Linie auf Flensburg.

Allein eine Bemerkung darüber, dass Gerüchten zufolge auch Juden in der Diakonie versteckt wurden, ergänzte seinen Bericht.

Die Ausstellung „Kirche – Christen – Juden in Nordelbien 1933-45“ endet am kommenden Sonntag um 11 Uhr in der St. Marien-Kirche mit einem Gottesdienst zum Abschluss. Um 16 Uhr findet im Gemeindesaal St. Marien ein Fest der Begegnung mit der jüdischen Gemeinschaft statt.
Dirk Thöming

 
 
 
   
 

Umfangreiches Rahmenprogramm zur Ausstellung

 

Macht des Erinnerns

Mit freundlicher Genehmigung der " Die Nordelbische"

Nr. 4 vom 25.Januar 2004

Von Anja Pfaff
Flensburg – Die Ausstellung „Kirche – Christen – Juden in Nordelbien 1933 – 45“ ist derzeit zu Gast in der St. Marien Kirche in Flensburg und wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet.

Sonntag, 25.Janurar, 11 Uhr St Marien-Kirche: Gottesdienst mit Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen und Pastor Udo Gräve.

Montag, 26.Januar, 15 Uhr Gemeindesaal St. Marien: „Wir können unsere Biographien im Nachhinein nicht korrigieren... aber uns selbst“. Eine Veranstaltung für Senioren mit Pastorin Silke Wierk.

Dienstag, 27.Januar, 19 Uhr St. Marien-Kirche: Gottesdienst zum Gedenktag der Befreiung von Auschwitz mit Lesung: „Was hat Flensburg mit Auschwitz zu tun?“ (in Zusammenarbeit mit dem Schleswig-Holsteinischen Landestheater).

Mittwoch, 28.Januar, 16.30-18 Uhr Gemeindezentrum der Friedenskirche, Flensburg-Weiche: „Ein Kibbuz in Weiche – Juden bereiten sich auf dem Gut Jägerslust auf die Auswanderung nach Palästina vor“. Offenes Werkstattgespräch mit Konfirmanden. Einführung und Gesprächsleitung: Bernd Philipsen.

Donnerstag, 29.Januar, 15 Uhr Gemeindehaus St. Petri: Film für Konfirmanden: „Die weiße Rose“. Donnerstag, 29.Januar, 16-19 Uhr Im Schrangen, Große Straße 58, Flensburg: Workshop zu der Schrift von 1936 Wilhelm Halfmann (Pastor an St. Marien), „Die Kirche und der Jude“ mit Dr. Klauspeter Reumann, Pastor Walter Bartels (Harrislee) und Pastor Thomas Beckershaus (St. Nikolai).

Sonntag, 1.Februar, 11 Uhr St. Marien-Kirche: Gottesdienst zum Verhältnis „Christen und Juden heute“ mit Propst i.R. Dietrich Heyde.

Montag, 2.Februar, 19.30 Uhr St. Marien-Kirche: „Nein, den kenn’ ich, der ist Italiener!“ Wie Menschen aus Schleswig-Holstein den Juden beistanden. Vortrag von Professor Gerhard Paul.

Sonntag, 8.Februar, 11 Uhr St. Marien-Kirche: Gottesdienst zum Ende der Ausstellung. Sonntag, 8.Februar, 16 Uhr Gemeindesaal St. Marien: Fest der Begegnung mit der jüdischen Gemeinschaft.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Darüber hinaus zeigt das „Kino 51 Stufen“ im Deutschen Haus in Flensburg jeweils donnerstags bis mittwochs um 18 Uhr Filme zum Thema: vom 22. bis 28. Januar „Der Pianist“ (Regie: Roman Polanski); vom 29.Januar bis 4. Februar „Rosenstraße“ (Regie: Margarethe von Trotta).

 
 
 
   
 
   

„Kirche, Christen, Juden“ Ausstellung mit lokalem Bezug

Mit freundlicher Genehmigung der " Die Nordelbische"

22.Februar 2004

Hamburg – Die von der Nordelbischen Kirche initiierte Ausstellung „Kirche, Christen, Juden 1933-1945“ macht bis zum 15 März Station in der Marktkirche Poppenbüttel. Die vielbeachtete Präsentation wird ergänzt durch ein Kapitel über die Außenstelle Sasel des Konzentrationslagers Neuengamme. Die Ausstellung offenbart nicht nur Mitläufertum und Komplizenschaft innerhalb der Kirche, sondern auch den Widerstand wie den des späteren Propstes Hansen-Petersen.

 
 
 
   
 

Pastor deckt NS-Verstrickungen eines Flensburger Theologen auf

 

„Auferstehung des Volkes“

Mit freundlicher Genehmigung der " Die Nordelbische"

22.Februar 2004

Von Susanne Borée
Flensburg/Husby – Beim Stöbern im Bücherschrank seines Großvaters entdeckte Hauke Wattenberg einen verstaubten Band: Auf den ersten Blick schien es sich um ein verstaubtes frommes Traktat über Jesus zu handeln. Beim Durchblättern entdeckte der damalige Student aber immer mehr Passagen, die ihn nachdenklich stimmten: Denn plötzlich wird der Kreuzestod mit dem darniederliegenden Deutschland verglichen. Und die Auferstehung Christi wird mit dem Aufstieg der Nazis verglichen.

Der Flensburger Hauptpastor Friedrich Andersen hatte seit 1904 diese Äußerungen verfasst. Aber wie kann ein Theologe ernsthaft zu solchen Überlegungen kommen? Diese Frage ließ Hauke Wattenberg nicht mehr los. Deswegen kämpfte er sich in seiner Examensarbeit durch die gesamten Veröffentlichungen Andersens, um die Entwicklung dieser Gedankengänge nachzuzeichnen. Kürzlich hat er seine Ergebnisse veröffentlicht.

Antisemitisches Gedankengut sollte Anerkennung bringen

Der Vater Friedrich Andersens musste Mitte des 19. Jahrhunderts seine Heimatstadt Husum verlassen, als sie von den Dänen besetzt worden war. Von Beginn seiner Laufbahn an strebte Friedrich Andersen, seit den 1890er Jahren Pastor in Flensburg, nach öffentlicher Anerkennung. Er begann als traditionell-konservativer Geistlicher. Als ihn seine oftmals sehr intoleranten Positionen in geistige Isolation trieben, suchte er ziemlich genau vor 100 Jahren Bestätigung durch die Vertiefung in antisemitisches und völkisches Gedankengut.

Entsprechende Veröffentlichungen brachten ihm zunächst keine weiteren Freunde ein. Das Konsistorium ermittelte gegen den Flensburger aufgrund seiner anti-alttestamentlichen Polemik. Allerdings kam es zu keinen Konsequenzen für den Pastor.

„Und als ich später gewürdigt wurde, meine beiden Söhne dem Vaterland zu opfern...“ – mit solchen Überzeugungen hatte Friedrich Andersen im Verlauf des Ersten Weltkriegs einen festen Kreis von Gesinnungsgenossen gefunden. In den 20er Jahren sympathisierten erschütternd viele Pastoren der damaligen schleswig-holsteinischen Landeskirche mit rechtem Gedankengut. Bereits zu dieser Zeit sollen nach Untersuchungen Volker Jacobs etwa zehn Prozent der Pastorenschaft „völkisch-deutschgläubig“ gewesen sein. Weitere 80 Prozent waren dem äußersten rechten Rand der Konservativen zuzuordnen.

Während der 20er und 30er Jahre agitierte Friedrich Andersen in Vorträgen, Aufsätzen und populären Dramen. „Natürlich hat er Elemente völkischer und religiöser Ideologien bereits vorgefunden“, so Stefan Linck, Historiker im Nordelbischen Kirchenarchiv. „Aber er hat diese Stücke zusammengesucht und in ein System gebracht.“ Daneben versammelte der Hauptpastor vorzugsweise Jugendliche um sich. Als Ehrenbürger Flensburgs starb er 1940, als die Nazis auf dem Höhepunkt ihrer Macht waren. Diese Auszeichnung wurde ihm erst 1998 wieder aberkannt.

Mitgliedschaft in der NSDAP wurde erst spät erforscht

Noch 1975 beantwortete das Archiv der damaligen Schleswig-Holsteinischen Landeskirche die Anfrage eines Kirchenhistorikers dahingehend, dass Andersen „der NSDAP beigetreten zu sein scheint“. Man fügte hinzu: „Näheres ist darüber nicht zu ersehen.“ Erst im Zuge der Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“ kamen weitere, teilweise „vergessene“ Informationen erneut ans Licht.

- Zu Bestellen ist das Buch über die Homepage der Ausstellung www.kirche-christen-juden.org.

 
 
 
   
 

Shimon Monin berichtete über seine jüdische Kindheit im Flensburg der Nazi-Zeit

 

Botschafter gegen den Fremdenhass

Mit freundlicher Genehmigung der Nordelbischen „Aus den Kirchenkreisen“ vom 8.2.2004


Von Anja Pfaff
Flensburg – „Ich bin ein Flensburger, und das kann mir keiner nehmen.“ Mit diesen Worten begrüßte Shimon Monin die Zuhörerinnen und Zuhörer einer Veranstaltung in der Flensburger St. Marien-Kirche. Die Kirchenkreise Flensburg und Angeln hatten den heute 81-jährigen jüdischen Zeitzeugen des Naziregimes aus Tel Aviv eingeladen.

Anlässlich der Ausstellung „Kirche – Christen – Juden in Nordelbien 1933 – 45“ führte Monin Gespräche und beantwortete Fragen. 1922 in der Norderstraße in Flensburg geboren und bis zur Flucht seiner Familie im September 1934 in Flensburg aufgewachsen, schilderte er eindrücklich und hautnah seine Erinnerungen an seine Kindheit als Jude in Deutschland.

Bis 1933 war Shimon Monin ein Kind unter vielen gewesen.

„1933 war meine Kindheit plötzlich zuende“, fasst der zusammen. Bis dahin war er als ein Kind unter vielen in Flensburg aufgewachsen. Jüdisches Leben gab es in Flensburg kaum und jüdische Rituale spielten in seiner Familie so gut wie keine Rolle, so dass er – wie er selbst beschreibt – von nichts wusste.

Umso unverständlicher war für ihn, warum er von seinem Pastor im Religionsunterricht in die Ecke gestellt wurde, weil er nichts von jüdischen Gebräuchen zuhause berichten konnte oder warum seine Mutter plötzlich verhaftet wurde. „Ich wusste doch gar nicht, wovon die reden – ich war einfach vom Himmel gefallen...“ beschreibt Shimon Monin seine persönlichen Erlebnisse mit Repressalien und Schikanen.

„Kinder müssen wissen, wo sie hingehören“

Aufgrund dieser Erfahrung hat es zentrale Bedeutung für ihn, Traditionen und Gebräuche zu leben und an seine Kinder und Enkel weiterzugeben. „Kinder müssen wissen, wohin sie gehören und welche Wurzeln sie haben“, bekräftigt er, „denn nur dann ist man frei, auf andere zuzugehen und sich für die Verständigung der Völker einzusetzen,“

Verständigung – auch das ist ein zentrales Anliegen von Shimon Monin, der sich schon 1968 von Tel Aviv nach Deutschland aufmachte, um den Weg zum Dialog zu bereiten. Er selbst versteht sich als „Brückenbauer“ zwischen den Generationen und als „Botschafter“ gegen den Fremdenhass. „Verständigung zwischen Menschen hat nichts mit Politik zu tun – jeder muss gegen den Fremdenhass kämpfen. Man muss die Menschen lieben, sie ehren oder zumindest gleich stellen – und das gilt unabhängig vom Glauben für alle“, lautet seine zentrale Botschaft an die Zuhörerinnen und Zuhörer.

Und mit Taten zeigt er, wie ernst ihm diese Botschaft ist: Trotz eines umfangreichen und anstrengenden Programms während seines einwöchigen Aufenthaltes hat er sich Zeit für einen ausführlichen Besuch in einer der beiden Flensburger Moscheen genommen.

 
 
 

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