Download

Unterrichtsmaterialien

Pressearchiv und
Rahmenprogramme

Literatur
 
   

Presseberichterstattung Eutin
 

 

 

 

29.01.2003

Ostholsteiner Anzeiger:
Annäherung an den Dialog
 

29.01.2003

Lübecker Nachrichten:
„Gemeinsame Verantwortung für Frieden und Freiheit"
 

27.01.2003

"NS-Gedenkstätten in Schleswig-Holstein und die Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten. Sonderteil Nordelbische Kirchenzeitung zum 27.01.45
 

27.01.2003

Norddeutsche Rundschau:
Erinnerung an die Opfer und die Rolle der Kirche
 

26.01.2003

Nordelbische Kirchenzeitung:
Liebe Leserin, lieber Leser!
 

26.01.2003

Nordelbische Kirchenzeitung:
Täter, Opfer, Mitläufer?
 

25.01.2003

Ostholsteiner Anzeiger:
Mehr Kumpanei als Nächstenliebe
Propst Kieckbusch und die Juden
 

25.01.2003

Itzehoer Nachrichten:
Itzehoe zur Nazi-Zeit
 

25.01.2003

Itzehoer Nachrichten:
Das Lied eines unsagbaren Mordes
 

24.01.2003

Ostholsteiner Anzeiger:
Vom Eutiner Kirchenfrieden mit braunen Pastoren
 

19.01.2003

Nordelbische Kirchenzeitung:
Kirche – Christen – Juden
 

18.01.2003

Kieler Express:
„Matrosenanzug und Davidstern“
 

19.01.2003

Nordelbische Kirchenzeitung:
Die Kirche war fast schon verloren
 

15.01.2003

der reporter:
Gelungener Versuch von Vergangenheitsbewältigung
 

14.01.2003

Norddeutsche Rundschau:
Ein Abend ohne Leichtigkeit
 

14.01.2003

Lübecker Nachrichten:
Die Kirche im Dienst der NSDAP
 

11.01.2003

Kieler Nachrichten:
Ausstellung in der St. Michaeliskirche
 

10.01.2003

Ostholsteiner Anzeiger:
Bischöfin eröffnet Ausstellung in der Kirche
 

10.01.2003

Die Welt:
Christentum und Antisemitismus
 

09.01.2003

"Schaufenster" Eutin-Malente:
Können wir aus der Geschichte lernen?
 

08.01.2003

der reporter:
Auf dem Weg zum Verstehen und Annähern
 

08.01.2003

Lübecker Nachrichten:
Bischöfin eröffnet Wanderausstellung
 

08.01.2003

Kieler Nachrichten:
Christen im Dritten Reich
 

08.01.2003

FAZ:
Bußdeklamation
 

07.01.2003

Itzehoer Nachrichten:
Welche Rolle spielte die Kirche?
 

04.01.2003

Norddeutsche Rundschau:
Ausstellung: Kirche und Nationalsozialismus
 

03.01.2003

Kieler Nachrichten, Ostholsteiner Nachrichten:
Kirche unter den Nazis
 

22.12.2002

Nordelbische Kirchenzeitung:
Zündstoff
 

 
   
 

Knapp 58 Jahre nach dem Ende des Nazi-Regimes suchen Christen und Juden vermehrt das Gespräch: Die Podiumsdiskussion in Eutin

 

„Gemeinsame Verantwortung für Frieden und Freiheit“

Mit freundlicher Genehmigung der Lübecker Nachrichten

Lübecker Nachrichten vom 29.Januar 2003
Podiumsdiskussion über Christen und Juden in der Eutiner Kreisbibliothek

VON ANDREAS MEYER
Eutin – Noch immer prägt der Holocaust – das schrecklichste Kapitel in der deutschen Geschichte – die Beziehungen zwischen Juden und Christen. Normalität scheint noch längst nicht eingekehrt. Doch was verbindet eigentlich heute Juden und Christen? Diese Frage diskutierten der Hamburger Rabbiner Kai Eckstein (32), Pädagoge Prof. Dr. Fritz Kath (77), Pastorin Anke Wolff-Steger (47) und Popst i.R. Jörgen Sontag (68) vor über 200 Gästen in der Kreisbibliothek.

Trotz aller negativen Erfahrungen, sei es doch vor allem der gemeinsame Gott, der eine Brücke zwischen den Glaubensrichtungen schlage. „Viele biblische Texte, die unsere religiöse Identität ausmachen, teilen wir“, meinte der Hamburger Rabbiner Kai Eckstein und eröffnete die Diskussion ganz bewusst nicht mit der Holocaust-Thematik. Denn, da waren sich die vier Redner einig, nicht nur die negativen Seiten der Geschichte prägen das Miteinander.

Doch trotz des stetig wachsenden Interesses für die Religion, für die Lebensweise des „Anderen“ gebe es in Deutschland bisher kaum einen Dialog zwischen Christen und Juden – das meinte Prof. Dr. Fritz Kath. Der Pädagoge überlebte selbst den Terror eines Konzentrationslagers. „Juden und Christen bemühen sich gleichermaßen ins Gespräch zu kommen. Doch einen Dialog gibt es noch nicht. Nach wie vor sind beide Seiten von Hemmungen geprägt“, so Kath. Genau diese Hemmungen sollten schnellst möglich überwunden werden. Doch auch Menschen beider Kulturen, die nicht religiös sind, haben eine Verbindung: „Wenn uns nicht Gott verbindet, dann die gemeinsame Verantwortung für Frieden und Freiheit“, so die eindringlichen Worte des Propstes Jörgen Sontag.

Einig waren sich die vier Redner auch in einem anderen Punkt: Die gemeinsame Geschichte darf niemals in Vergessenheit geraten. „Das reine Sachwissen über den Holocaust und die Verbindungen beider Religionen reichen längst nicht aus. Nur durch persönliche Erlebnisse – beispielsweise aus Gesprächen mit Zeitzeugen – kann wahres Verständnis hervorgehen“, meinte Pastorin Anke Wolff-Steger und erntete breite Zustimmung.

Eines wurde bei der Diskussion, die Pastor Lutz Tamchina moderierte, auch ohne viele Worte deutlich: Das Thema „Was verbindet Juden und Christen?“ beschäftigt nach wie vor viele Menschen. Wie wäre es wohl sonst zu erklären, dass in der Kreisbibliothek kein einziger Platz mehr frei war? Weit über 200 Zuhörer kamen, hörten und beteiligten sich an einer durchweg sachlichen, aber zugleich auch lebhaften Diskussion, zu der die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde, der Kirchenkreis Eutin, der Förderverein der Kreisbibliothek sowie der Arbeitskreis „27.Januar“ gemeinsam eingeladen hatten.

 
 
 
   
 
   

"NS-Gedenkstätten in Schleswig-Holstein und die Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten"

Sonderteil der Nordelbischen Kirchenzeitung zum 27.01.45

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

Anlass für den Sonderteil der Nordelbischen Kirchenzeitung (PDF 54 kb)

Gedenkstätte Kaltenkirchen (PDF 54 kb)

Konzentrationslager Husum-Schleswing (PDF 53 kb)

Gedenkstätte Ladelund (PDF 55 kb)

Gedenkstätte Ahrensbök (PDF 58 kb)

Sommerlager in der Gedenkstätte Ahrensbök (PDF 57 kb)

Die Gestalt vom Friesenwall (PDF 58 kb)

Von der Arbeitsgemeinschaft in den Vorstand (PDF 49 kb)

Für ein kollektives Gedächtnis (PDF 53 kb)

Die Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten (PDF 57 kb)

Informationen zur Stiftung und den Gedenkstätten (PDF 56 kb)

Gedenkstättenpädagogik (PDF 59 kb)

 
 
 
   
 

Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Kirche, Christen und Juden in Nordelbien 1933-45“

 

Täter, Opfer, Mitläufer?

Nordelbische Kirchenzeitung Nr. 5 vom 26.01.2003

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

Von Wolf-Matthias Gallien

Eutin – Die Bänke im Kirchenschiff von St. Michaelis wiesen nur wenige Lücken auf, als der Historiker Hansjörg Buss (Kiel) seinen Vortrag über die „Ära Kiekbusch (1930-1976) – die Landeskirche Eutin und die Deutschen Christen im Rahmen der Wanderausstellung „Kirche, Christen und Juden...“ hielt, dessen Hauptaussagen hier auszugsweise dargestellt sind.

„Politisch tendierte Kiekbusch zur deutschnationalen Rechten. Sein politisches Engagement brachte ihm den Ruf des „Stahlhelmpastors“ und des „nationalen Hetzers“ ein. Kiekbusch hing einem weitverbreiteten, traditionellen kirchlichen Antijudaismus an. Die Übernahme des staatlichen „Arierparagraphen“ durch die Landeskirche im September 1933 und die grundsätzliche Zustimmung auch zur staatlichen Ausgrenzung der deutschen Juden und Jüdinnen sprechen eine deutliche Sprache.

Mit dem Amtsantritt Kiekbuschs vollzog sich die Öffnung der Landeskirche gegenüber den Nationalsozialisten. Ein derartiger Schwenk fiel in Ostholstein durchaus auf fruchtbaren Boden: Erinnert sei daran, dass die NSDAP in Eutin stets überdurchschnittlich gute Wahlergebnisse erzielte.

In den Dienst der Landeskirche wurden nach 1945 mehrere Geistliche aufgenommen, die führende Mitglieder der Deutschen Christen (DC) waren. Joachim Hossenfelder, der erste Reichsleiter der Glaubensbewegung Deutsche Christen. Seine christlich begründeten antijüdischen Vorbehalte verbanden sich mit einem rassisch motivierten Antisemitismus. Bereits 1929 war Hossenfelder der NSDAP beigetreten und war auch maßgeblich an den Richtlinien der DC beteiligt, die das Bekenntnis zu einem „artgemäßen Christusglauben“ und zur „Gott gefohlenen völkischen Sendung“ enthielten.

Im Mai 1953 bewirbt sich Pastor Hossenfeld für eine vakante Pfarrstelle in der Landeskirche. Wohlwissend um die Weglassungen im Lebenslauf teilt Landespropst Kiekbusch mit, dass er ihn für Eutin im Moment nicht berücksichtigen könne, er sich aber weiter bewerben solle. Zudem setzt er sich bei der Landeskirche Hamburg für „diesen so tüchtigen Pastor“ ein. 1954 wird Hossenfelder mit der kommissarischen Leitung der Pfarrstelle in Ratekau betraut; 1955 wird er berufen. In Ratekau amtierte er bis 1970. Zu einer Thematisierung seines Wirkens in der NS-Zeit und seinem entscheidenden Anteil am Aufbau der DC kam es nicht.

Hugo Rönck, Präsident und selbsternannter Bischof der Thüringischen Landeskirche, nutzte sein Amt hauptsächlich dazu, die nationalsozialistischen Ideen zu verbreiten und den Krieg zu legitimieren. Die freiwillige Anpassung der Kirche unter die Anforderungen des Staates und der „Rassenlehre“ wird besonders an der von Rönck erlassenen Kirchenordnung deutlich. Diese bedeutete die Aufgabe kirchlicher Werte und Traditionen und des Bekenntnisses. Im Oktober 1947 wurde Hugo Rönck mit einer Pfarrstelle in Eutin betraut.

Auch in anderen Landeskirchen kamen nach dem Krieg wieder Theologen ins Amt, die sich aktiv in den Dienst der nationalsozialistischen Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik gestellt hatten. Das Besondere an der Landeskirche Eutin war, daß dies in vollkommener Kenntnis der Kirchenleitung und der Öffentlichkeit vollzogen und von diesen überwiegend positiv bewertet wurde. Kiekbusch begriff sein Handeln zuerst als Akt der christlichen Nächstenliebe. Vor diesem Hintergrund lehnte er die „Stuttgarter Schulderklärung“ genauso ab, wie er sich einer ernsthaften und kritischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und auch der Frage der kirchlichen Mitschuld verweigerte. Und er entsprach mit dieser Haltung der überwiegenden Mehrheit der ostholsteinischen Bevölkerung.“

Der Vortrag von Hansjörg Buss wurde kontrovers diskutiert. Mehrere Zuhörerinnen, die Kiekbusch als freundlichen Menschen kennengelernt und in Erinnerung haben, bemängelten, dass dessen positive Seiten zu kurz gekommen seien. Hansjörg Busa antwortete darauf, dass es an diesem Abend nicht um eine Würdigung des Bischofs als Person, sondern um die Frage der Verwicklung der Kirche in der Nazizeit gegangen sei.

Die Ausstellung ist bis 6. Februar in Eutin zu sehen. Die letzte Begleitveranstaltung findet am Montag, 27.Januar, um 19.30 Uhr in der Kreisbibliothek Eutin statt. Der Rabbiner K. Eckstein und der jüdische Professor em. Dr. F. Kath (beide Hamburg) diskutieren mit Propst em. Sontag (Kiel) und Pastorin Wolff-Steger (Schleswig) über das Thema „Was verbindet Christen und Juden?“

 
 
 
   
 
   

Liebe Leserin, lieber Leser!

Nordelbische Kirchenzeitung Nr.5 vom 26.01.2003

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

Wenn Sie dieser Gruß erreicht, dann ist der erste Monat des neuen Jahres, das jetzt unter dicker Schneedecke noch so unberührt auf mich wirkt, schon fast wieder vorüber. Gleichwohl: Es ist noch jung genug, um Ihnen weiterhin einen behüteten Weg durch die Zeit zu wünschen. Wenn Sie diese Grußzeilen lesen, dann läuft bereits seit zwei Wochen die Wanderausstellung „Kirche, Christen und Juden in Nordelbien 1933-1945“ nun auch bei uns in St. Michaelis zu Eutin.

Der Arbeitskreis 27.Januar hat dieses Ereignis und weitere Veranstaltungen zur Aufarbeitung der örtlichen Geschichte dieser Zeit sorgfältig und einfühlsam, im Geiste der Versöhnung vorbereitet. Ich bin dankbar dafür, fasst die Veranstaltungsreihe doch eindrücklich unsere im Kirchenkreis bereits 1995 begonnene Besinnung zum Verhältnis von Christen und Juden und auf die regionale Kirchengeschichte in dieser Zeit zusammen.

Ich höre überwiegend Zustimmung zu dieser Auseinandersetzung. „Mir war überhaupt nicht bewusst, dass unser Glaube ja auf der hebräischen Bibel beruht und Jesus Jude war“, so fasste eine Frau aus unserer Synode zusammen, was viele andere auch empfanden. Natürlich erreichen mich im Vorfeld der Ausstellung auch kritische Anfragen: „Muss nicht endlich mal Schluss sein, diesen Geschichtsabschnitt so zu traktieren?“ Und die Sorge schwingt darin mit, es würden nur wieder Schuld zugewiesen und Menschen an den Pranger gestellt. Veranstaltungen auf diesem Niveau fänden nicht meine Unterstützung.

Alle, die sie verantworten, sind sich in der Zielsetzung einig: wir brauchen die aufarbeitende Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus. Wir haben zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass sich auch so viele Christen haben irreleiten lassen. Wir wollen daraus für uns lernen, den jeweiligen Zeitgeist in gesellschaftlichen und politischen Fragen wach und kritisch, von unserem christlichen Menschenbild her zu begleiten. Da gibt es immer, gerade auch augenblicklich, sehr viel für uns zu tun!

Mögen alle Begegnungen im Gespräch um und über die noch bis zum 6.Februar laufende Ausstellung und die sie kommentierenden Veranstaltungen in diesem Ziel gesegnet sein!

Das wünscht, verbunden mit einem herzlichen Gruß
Ihr Propst Matthias Wiechmann

 
 
 
   
 

Wanderausstellung In Itzehoe startet am 14. Februar eine Ausstellung mit Aufführung eines Requiems und einem Vortrag über Kirchen und Juden in Norddeutschland 1933-1945

 

 

Kirche – Christen – Juden

Nordelbische Kirchenzeitung Nr.4 vom 19.01.2003

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

Itzehoe – In Itzehoe lädt eine Wanderausstellung vom 14.Februar bis 9.März 2003 zur Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte ein.

Wie haben sich die lutherischen Kirchen in Schleswig Holstein und Hamburg während der Nazizeit gegenüber Juden verhalten – und gegenüber den eigenen Gemeindegliedern, die durch die Nürnberger Gesetze seit 1935 als jüdisch galten?

Anhand von Biographien zeigt die Ausstellung ganz unterschiedliche Verhaltensweisen und Schicksale von Christen als Täter und Opfer.

Die Rolle des späteren Bischofs Halfmann

Eine besondere Bedeutung kommt Pastor Wilhelm Halfmann zu, der in Itzehoe als Sohn des Rektors der Kaiser-Karl-Schule aufwuchs.

Seine Schrift von 1937 „Die Kirche und der Jude“ fand große Verbreitung und wurde dann von den Nazis verboten, weil er sich abgrenzte von einem „Antisemitismus der Art, wie er etwa von dem Blatt „Der Stürmer“ vertreten“ wurde.

Das Vertrackte ist: Halfmann begründete den „Kampf gegen das Judentum“ biblisch-theologisch. Er sagt: „Das Judentum ist nicht allein als Blut und Rasse zu begreifen, nein, sein innerstes Wesen ist die antichristliche Entscheidung.“ Auch wenn er am Ende der 17-seitigen Schrift gerade nicht zum Hass aufruft, sondern mit einem Gebet für „die Juden“ schließt, so kolportiert er doch auch die Vorurteile des politischen Antisemitismus.

Die Predigten an den Sonntagen während der Ausstellung werden sich auch dieser brennenden Frage stellen: Inwiefern erzeugen die Schriften des Neuen Testaments ein antijüdisches Ressentiment: Und es soll heraus gestellt werden, wie sehr Christen und Juden verbunden sind im Grundakt des Glaubens, im Beten.

Zum Begleitprogramm gehören ein Konzert, eine Lesung, Filmabende und Vorträge.

Am Freitag, 14.Februar, um 18.30 Uhr wird die Ausstellung eröffnet mit einer Einführung in das Thema durch den Flensburger Historiker Dr. Klauspeter Reumann, der besonders die Rolle Wilhelm Halfmanns beleuchten wird. Im Anschluss wird der Historiker Dr. Stephan Linck, der die inhaltliche Gestaltung der Ausstellung entwickelt hat, eine Einführung geben. Dieser Auftaktabend in Itzehoe wird beschlossen mit der Aufführung des „Requiem für einen polnischen Jungen“ für Knaben-Alt, Mezzo-Sopran, Chor und Orchester von Dietrich Lohff nach Gedichten von Opfern des Nationalsozialismus.

Ausstellung bietet vielfältige Angebote

Begleitend zur Ausstellung wird zu Filmabenden, Lesungen und Vorträgen sowie zu Senioren-Nachmittagen unter der Überschrift „Heilung durch Erinnerung“ eingeladen.

Im Vorlauf zur Ausstellung findet am Gedenktag für die Opfer den Nationalsozialismus, am 27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz, um 19.30 Uhr im Gemeindehaus St. Laurentii ein Rezitationsabend statt. Ulrich George wird Jitzchak Katznelsons „Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk“ – auf jiddisch: „Dos lid funm oysgehargetn jiddishn folk“ – vorstellen. Begleiten wird ihn auf der Klarinette Arkadiusz Koltun.

Wer Interesse hat am genauen Programm der Ausstellung, kann sich bei Pastor Willfrid Knees (Ev. Luth. Innenstadtgemeinde Itzehoe, Pastorat Nord, Tel. 04821/61125) melden.

Die Predigtreihe im Rahmen der Ausstellung ist mit folgenden Predigerinnen und Predigern

Sonntag, 16.Februar: Propst Berend Siemens, Heilung der Erinnerung.

Sonntag, 23.Februar: Pastor Willfrid Knees, Beten verbindet.

Sonntag, 2.März: Propst im Ruhestand Jörgen Sonntag, Antijudaismus im Neuen Testament? – Das Johannesevangelium.

Sonntag, 9.März (Invokavit): Pastorin Hannah Lehming, Matthäus 4,1-11, Jesus – (k)ein jüdischer Messias?

Pastor Willfrid Knees

 
 
 
   
 

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus als Hilfe zum Erinnern

 

„Matrosenanzug und Davidstern“

Kieler Express, 18.01.2003

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten

Eine Hilfe zum Erinnern soll er sein, der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27.Januar – das war der Tag, an dem das Konzentrationslager Auschwitz befreit wurde. In Kiel behandelt eine Reihe von Veranstaltungen den Themenkomplex Nationalsozialismus. Der Auftakt ist bereits am Sonnabend, 18.Januar: um 17 Uhr zeigt das Kommunale Kino (Hassstrasse) „Der Pianist“ von Roman Polanski. Anschließend diskutieren Dr. Detlef Hosenfeld, der Sohn des deutschen Offiziers im Film, und Dr. Hannes Heer, ehemaliger Leiter der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“.

Am Freitag, 24.Januar lädt die Verwaltungsfachschule Altenholz von 9.30 bis 14.30 Uhr zu einem Studientag mit Referenten ein, Thema: „Nationalsozialismus und nationale Minderheiten – Friesen und Dänen im Dritten Reich“. Das jüdische Theater Mechaja aus Rostock kommt am Sonnabend, 26. Januar, zu einem jüdischen Kulturabend ins Eivind-Berggrav-Zentrum in Altenholz-Stift.

Am Gedenktag selbst – Montag, 27.Januar – bieten die Veranstalter vielfältige Möglichkeiten, sich mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinander zu setzen und der Opfer zu gedenken. In der St.-Nikolai-Kirche am Alten Markt beginnt um 12 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst. „Der Anfang der Erlösung heißt Erinnerung“ ist das Leitmotiv. Der Gedenkort „Arbeitserziehungslager Nordmark“ (Rendsburger Landstraße/am Russee) wird um 15.30 Uhr eingeweiht. Im Kleinen Saal des Kieler Schlosses geht es ab 18 Uhr um „Täter und Opfer, zwei Rollen im Holocaust“. Prof. Uwe Danker aus Schleswig spricht, dazu treten Matissek Brockhus vom Theater Kiel und das Trio Total auf. Um 19.30 Uhr präsentiert die Autorin Viola Roggenkamp aus Hamburg im Haus der Kirche (Eggerstedtstraße 13) ihr Buch „Tu mir eine Liebe, meine Mamme – jüdische Frauen und Männer sprechen über ihre Mütter“. Ein ökumenischer Gottesdienst um 20.15 Uhr in der Ansgarkirche beschließt den Tag. Die Reihe endet mit zwei Buchpräsentationen: Am Montag, 3. Februar, stellen Gerhard Paul und Bettina Goldberg ihre Arbeit „Matrosenanzug – Davidstern. Bilder jüdischen Lebens aus der Provinz“ vor. Am 10.Februar geht es um das Buch „Als Jesus arisch wurde“, das Annette Göhres, Stephan Linck und Joachim Liß-Walther herausgegeben haben. Ab 19 Uhr präsentieren sie es im Gemeindesaal der Ansgarkirche (Waitzstraße 58).
(ckk)

 
 
 
   
 

„Kirche, Christen, Juden“ Der Harburger Pastor Lehmann wünschte sich, dass die äußerst verdienstvolle Ausstellung das Versagen der Kirche theologisch begründet hätte.

 

Die Kirche war fast schon verloren

Nordelbische Kirchenzeitung Nr.4 vom 19.01.2003

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

Von Klaus-Peter Lehmann
Hamburg - Seit mehr als einem Jahr wandert die Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-45“ durch die Kirchenkreise. Sie ist zu loben, weil sie ohne Beschönigung offen legt, bis in welche Abgründe unsere Kirche sich dem NS-Staat freudig verbunden fühlte. Sie war in der mörderischsten Zeit unseres Landes nicht besser als alle anderen. Sie war kein Licht in der Welt, wozu sie gemäß ihrer Berufung und ihres Auftrags verpflichtet war. Sie ist „schuldig geworden am Leben der schwächsten und wehrlosesten Brüder Jesu Christi“, den Juden, schrieb Dietrich Bonhoeffer in einem Entwurf für ein Schuldbekenntnis.

Die Ausstellung ist rein historisch-dokumentarisch

Die Ausstellung ist rein historisch-dokumentarisch gestaltet. Zweifellos wird man sagen dürfen: Nur wer so nüchtern von sich sprechen kann, hat seine Schuld eingesehen. Die Ausstellung ist quasi ein Schuldbekenntnis. Trotzdem empfinde ich nach einem Monat Führungen und Gesprächsabenden ein gewisses Manko. Weshalb?

Der Besucher nimmt als Ergebnis mit, dass die Kirche nicht besser war als die anderen, dass sie wie fast alle im mörderischen Strom überzeugt mitruderte, statt dagegen zu halten. Der Besucher wird nicht zu der Frage geführt, warum dieses Ergebnis für die Kirche als Kirche besonders schlimm und bedrückend ist. Geht es nicht darum, das Verhalten der Kirchenvertreter in der NS-Zeit nicht nur faktisch oder vom Gesichtspunkt humaner Moral her in den Blick zu bekommen, sondern es unter dem Blickwinkel des kirchlichen Auftrags für alle Menschen zu betrachten oder unter dem Aspekt des Wesens der Kirche? Das in der Ausstellung zitierte Marburger Gutachten zum Arierparagraphen befand auch, dass seine Einführung in die Kirche „dem Wesen der Kirche widerspreche“. Das war auch ein Standpunkt der Bekennenden Kirche. Ihn übernimmt die Ausstellung nicht. Sie präsentiert, quasi-objektiv, das weltliche Faktum der willigen Kollaboration mit dem Mördersystem, nicht das Faktum des Glaubens, das völlige Versagen der Berufenen, ihren Abfall vom gottgegebenen Auftrag.

Das Resümee „Die Kirche war auch nicht besser“ könnte eine Haltung bestärken, die die Verstrickung ins NS-System als unausweichlichen Zwang oder noch allgemeiner als Ausdruck der unabänderlichen Schlechtigkeit des Menschen auslegt. Natürlich lassen auch die wenigen Beispiele helfender Mitmenschlichkeit den Besucher nicht in Hoffnungslosigkeit zurück. Aber die Bekennende Kirche war trotz ihrer weitgehenden Blindheit eben auch die kirchliche Sammlung, die von der unhintergehbaren Verpflichtung des kirchlichen Auftrags wusste. Die Barmer Theologische Erklärung ist der reale Grund dafür, dass wir nicht nur auf mutigere Menschen, sondern auch für unsere Kirche Hoffnung haben dürfen. Nicht wegen gescheiter Kirchenpolitik, sondern weil „sie bis aufs Blut widerstanden im Kampf wider die Sünde“ (Hebr.12,4). Es hat doch eine Schar gegeben, die gewillt war, „eine Welt mit ihren Schätzen, Menschengunst und gute Zeit, Leib und Leben dranzusetzen in dem großen heiligen Streit“ (BG 137).

Anerkennung für den Mut, das Versagen darzustellen

Man muss mit Respekt anerkennen, wie sehr sich die Kirche in dieser Ausstellung der sie beschämenden Wahrheit aussetzt. Es hätte dieser Ehrlichkeit keinen Abbruch getan, sondern sie vertieft, wenn sie zu der nackten historischen Wahrheit die theologische hinzukäme.

Man hätte z.B. im Blick auf die Einführung des Arierparagraphen durch die Deutschen Christen darstellen können, daß es hier um das Wesen der Kirche ging, weil seine Übernahme die Kirche Jesu Christi zerstört. Die Ausstellung belässt aufgrund ihrer historisch objektiven Darstellung – deren Recht und Verdienst unbestritten bleibt – die Deutschen Christen, für die die Rasse zum Verkündigungsinhalt wurde, innerhalb der Kirche. So kann es mit den Augen der Bekennenden Kirche nicht gesehen werden. Für sie waren die Deutschen Christen nicht mehr Kirche, sondern es handelte sich um Häretiker, um Eindringlinge mit einem kaum noch christlichen Schafspelz, deren Ziel es war, die Kirche Jesu Christi zu zerstören.

Weil die Kirche sich ihrem Auftrag versagt hat, gehörte ein Schuldbekenntnis in die Ausstellung. Erst mit einem Schuldbekenntnis wäre ein kirchliches Wort zur Vergangenheit gefunden. Kirchliche Verantwortung schließt individuelle Humanethik ein und ist gleichzeitig mehr. Mitmenschlichkeit kann ich zwar von jedem erwarten, doch keiner hat sich je auf sie verpflichtet. Im Dienst der Kirche Jesu Christi zu stehen, bedeutet, einen verbindlichen Auftrag angenommen zu haben, auf dessen Verwirklichung die Kirche und jeder Christ angesprochen werden kann. Weil die Kirche ihren Auftrag, der ihr Wesen ausmacht, verschmähte, ist ihr Versagen größer als das anderer Verantwortungsträger während der NS-Zeit.

Trotz der Wahrheit, die die Ausstellung dokumentiert, bleibt es legitim, vom Kirchenkampf, vom Kampf um die eine Kirche Jesu Christi gegen eine übermächtige heillose Häresie zu sprechen. Wegen der zehn Gerechten, die fehlten, sind Sodom und Gomorrha untergegangen. Wegen der zehn Gerechten in den Reihen der Bekennenden Kirche dürfen wir weiter von der Kirche Jesu Christi sprechen. Allerdings nur ihretwegen.

Nächste Station der Wanderausstellung: bis 6.Februar in St. Michaelis in Eutin, 14.Februar bis 9.März St. Laurentii, Itzehoe.

 
 
 
   
 

Bischöfin Wartenberg-Potter eröffnete in Eutin Ausstellung zum Verhältnis von Christen und Juden in Nordelbien

 

Die Kirche im Dienst der NSDAP

Lübecker Nachrichten vom 14.01.03

Mit freundlicher Genehmigung der Lübecker Nachrichten

Von Hildegard Holtschneider

Eutin – Seit mehreren Jahren befasst sich die Evangelisch-Lutherische Kirche Nordelbiens mit dem Verhältnis von Christen und Juden. Im Rahmen dieser Forschung hat sie die Wanderausstellung „Kirchen, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“ geschaffen, die seit einigen Zeiten durch die Kirchen „tourt“. Am Sonntag wurde sie in der Michaeliskirche in Eutin von Pastor Lutz Tamchina und Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter eröffnet.

Warum eine solche Ausstellung gerade in Kirchen und warum erst jetzt – 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges? Dr. Stephan Linck, Historiker beim Nordelbischen Kirchenarchiv: „Die Behauptung, das Volk Israel sei von Gott verworfen, weil es Jesus als Messias nicht anerkannte, bestimmte fast 2000 Jahre das Verhältnis der Christenheit zum Judentum. Sie war die wichtigste Voraussetzung für Judenverfolgungen im Mittelalter bis zur Neuzeit. Und nicht nur das. Unter den Begründern des modernen Antisemitismus in Deutschland finden sich viele evangelische Geistliche. Sie berufen sich auf Luther. Es ist deshalb kein Zufall, daß sie der Herrschaft der NSDAP Wege ebneten.“

„Mit Glockengeläut und Dankgottesdiensten“ feierten evangelische Geistliche die Herrschaft Hitlers. In einer Werbeschrift der Landeskirche Schleswig-Holsteins aus dem Jahr 1939 hieß es: „Die Kirche ... hat sich freudig in den Dienst der Sache gestellt. Fanatische und Ideologiebesessene – wie der Hamburger Landesbischof Franz Tügel – gab es viele. Hier ist die Antwort zu suchen, warum diese Ausstellung möglicherweise 30 Jahre zu spät geschaffen worden ist: die Schuld jener, die in einer Kirche nationalsozialistisches Luthertum predigten, „nichtarische“ Christen aus der Kirche wiesen ... ist groß. Noch größer aber der Mut, sich zu dieser Schuld zu bekennen. An einem authentischen Ort der Vergangenheit lebendig machen und sich damit bewusst von ihr lösen: Das war und ist Sinn dieser Wanderausstellung.“

Mittelpunkt sind neun Biografien und eine Kirchengemeinde. Opfer und Täter bekommen ein Gesicht. „Niemand war gezwungen, Juden ihren Arbeitsplatz zu nehmen, ihren Besitz zu stehlen, sie aus ihren Wohnungen zu vertreiben. Kein Pastor wurde gezwungen, von der Kanzel gegen Juden zu hetzen. Wenn einer dies tat, so geschah es aus freien Stücken“, so Martin Dewner, der an diesem Projekt mitarbeitete.

Die Ausstellung ist schlicht, klar, präzise, durchdacht. Eingangsbereich ist ein riesiges schwarzes Tor, durch das jeder Besucher geht – ein gestalterisches Element mit großer Symbolkraft. In der Kirche verteilt stehen zehn „Stationen“, Schaubilder, Stoffleinwand, auf und neben denen einzelne Persönlichkeiten vorgestellt werden. Auf Knopfdruck gibt es Tondokumente.

Auf den Kirchenbänken sind Texttafeln befestigt, die einen Gesamtüberblick über das Thema geben. Materialien sind Metalle und die Farben schwarz, weiß, rot – Farben der Nationalsozialisten, des deutschen Kaiserreiches.

Diese gestalterische Aufgabe haben Studentinnen und Studenten der Muthesius-Hochschule für Gestaltung und Design unter Professor Bernhard Schwichtenberg gelöst. Konzept, Gestaltung und Design, sowohl der Exponate als auch der Faltblätter, sind brillant.

Selten gibt es – optisch wie didaktisch – eine so klare „Mitnahme“ in einer Ausstellung. Nichts ist reißerisch, nichts langweilig. Auch die sprachliche Gestaltung des sehr schwierigen Themas ist präzise und klar. Überforderung, Überfrachtung eines weitgehend ahnungslosen Besuchers sowohl durch zuviel Text als auch durch zu viele Exponate, werden konsequent vermieden.

Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr,
Sonnabend 10 bis 13 Uhr.
Kontakt:04521/70130 und
www.kirche-christen-juden.org

 
 
 
   
 

Ein Stück Aufarbeitung der Eutiner NS-Zeit

 

 

Ausstellung in der St. Michaeliskirche

Kieler Nachrichten vom 11.01.2003

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten

Die Eutiner Geistlichen Wilhelm Kiekbusch (linkes Bild) und Hugo Rönck (rechtes Bild) hatten ein besonderes Verhältnis zum Nationalsozialismus. Pastor Lutz Tamchina hat sich damit auseinandergesetzt.

Eutin (og) Hugo Rönck (1908-1990) war Pastor in der Thüringischen Landeskirche, trat 1928 in die NSDAP ein und hatte es bei Kriegsende bis zum Bischof gebracht. 1947 ließ sich der Geistliche in Eutin nieder, bekam einen Dienstauftrag und übte ab 1952 sein Amt wieder voll aus (bis 1976). Zu verdanken hatte Rönck seinen Job dem Bischof Wilhelm Kiekbusch (1891-1987), selbst ein eher unpolitischer Mensch, der in der Eutiner Landeskirche Theologen einstellte, die aufgrund ihrer NS-Belastung anderswo untragbar geworden waren. Beide Männer sind Gegenstand der Ausstellung "Kirche, Christen und Juden in Nordelbien 1933 bis 1945", die morgen um 10 Uhr mit einem Gottesdienst (mit Bischöfin Bärbel Warttenberg-Potter) in der Eutiner St. Michaeliskirche eröffnet wird. Mit der Ausstellung, die das Nordelbische Kirchenarchiv in Kiel zusammengestellt hat, setzt sich die Kirche kritisch mit ihrer Rolle im Nationalsozialismus auseinander. Zu sehen sind neun Biographien von Pastoren, einer Lehrerin und eines Amtsrichters sowie eine Chronik der Hamburger Jerusalem-Gemeinde, zu Wort kommen Täter und Opfer, gezeigt werden die verschiedenen Verhaltensmuster dieser Menschen in der NS-Zeit.

Im "Lokalen Fenster Eutin" erinnert sich Pastor Klaus Wächtler, Mitglied im "Arbeitskreis 27. Januar", an seine Begegnungen mit Kiekbusch und Rönck. Kiekbusch habe sich nicht schuldig gemacht, sei ein mitmenschlich und sozial denkender Mann gewesen, aber naiv, formulierte es der Eutiner Pastor Lutz Tamchina bei einem Rundgang durch das Gotteshaus.

Von Rönck sind Zitate überliefert, die keinen Zweifel an seiner Gesinnung lassen. So schrieb er am 1. April 1943 an den "Führer": "...gelobe ich unbedingten Einsatz für die Glaubenseinheit aller Deutschen im Geiste nationalsozialistischer Weltanschauung." Darüber hinaus habe er als Präsident der Thüringer Kirche alle Amtsträger angewiesen, den "Deutschen Gruß" auszuüben. Außerdem soll Rönck es als unvereinbar erachtet haben, wenn seine Beamten eine Frau ehelichten, die zuvor mit einem Juden verheiratet war. In Eutin war Rönck später ein beliebter Pastor, geschätzt vor allem für seine Jugendarbeit.

Ein Stück Aufarbeitung der Rolle der Eutiner Kirche in der NS-Zeit, zu sehen bis zum 6. Februar in der St. Michaeliskirche. Nach dem morgigen Gottesdienst führen die Kieler Historiker Dr. Annette Göhres und Dr. Stephan Linck ab 11.30 Uhr in das Thema ein.

Ein Stück Aufarbeitung der Eutiner NS-Zeit vom 11.01.2003"Leserbriefe für die Zeitung

 
 
 
   
 

Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter aus Lübeck wird am Sonntag bei der Eröffnung einer Wanderausstellung in Eutin dabei sein.

 

Bischöfin eröffnet Wanderausstellung

Lübecker Nachrichten vom 08.Januar 2003
Kirche zeigt Dokumente der Jahre 1933 bis 1945

MIt freundlicher Genehmigung der Lübecker Nachrichten

VON CHRISTINA DUVELL-VEEN
Eutin – Sie predigt am 12. Januar während des um 10 Uhr beginnenden Gottesdienstes in der St. Michaeliskirche und wird anschließend die Ausstellung der nordelbischen Kirche „Kirche, Christen und Juden in Nordelbien in der Zeit von 1933 bis 1945“ mit eröffnen. Ab 11.30 Uhr werden Dr. Annette Göhres und Dr. Stephan Linck vom Nordelbischen Kirchenarchiv in Kiel die Einführung in diese Präsentation geben.

Die dort gezeigten Quellen, Dokumente und Materialien werden ergänzt durch ein „Lokales Fenster“, in dem regionalgeschichtliche Aspekte eine besondere Rolle spielen. Es steht unter dem Motto „Die Eutiner Landeskirche und der Nationalsozialismus“. Am Sonntag ab 14 Uhr wird dann der Dokumentarfilm „Warum haben 1933 so viele Protestanten Adolf Hitler gewählt?“ gezeigt.

Weitere Veranstaltungen des Arbeitskreises 27.Januar – dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – in Verbindung mit dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Eutin, der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Eutin, der Kreisbibliothek und der Volkshochschule schließen sich an. Der dann nächste ist am Mittwoch, 15.Januar. Ab 19.30 Uhr wird der Historiker Hansjörg Buss aus Kiel in der St. Michaeliskirche referieren über „Die Ära Kieckbusch 1930 – 1976: die Landeskirche Eutin und die deutschen Christen“.

Die Aussteller suchen noch Personen, die sich als „Kirchenwache“ während der Ausstellungszeit zur Verfügung stellen. Pastor Lutz Tamchina: „Dabei handelt es sich nicht um Auskunftspersonen.“ Geöffnet ist die Ausstellung montags bis freitags zwischen 10 und 17 Uhr sowie sonnabends zwischen 10 und 13 Uhr.

Eine Einführung in die Ausstellung gibt es für alle Lehrer und Lehrerinnen, für Pastoren und Pastorinnen sowie für alle Interessierten am Freitag, 10.Januar, ab 17 Uhr und am Montag, 13.Januar, ab 16 Uhr, jeweils für eine bis zwei Stunden in der St. Michaeliskirche. Dazu Schulleiter Matthias Isecke-Vogelsang aus Süsel: „Ein Besuch der Ausstellung für Klassen der Sekundarstufen I und II, für Konfirmanden und Jugendgruppen ist empfehlenswert, sollte aber vorbereitet werden.

 
 
 
   
 
   

Christen im Dritten Reich

Kieler Nachrichten – Ostholstein vom 08.01.2003

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten

Eutin (og) Am Sonntag, 12.Januar wird in der Eutiner St. Michaeliskirche die Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“ eröffnet. Zur Einführung bieten der „Arbeitskreis 27.Januar“ und die Kirchengemeinde zwei Veranstaltungen an, die sich an Lehrer, Pastoren und alle Interessierten richten. Die Termine sind am Freitag, 10.Januar (17 Uhr) sowie am Montag, 13.Januar (16 Uhr). Ein Besuch der Ausstellung für Klassen der Sekundarstufen I und II sowie für Konfirmanden und Jugendgruppen sei empfehlenswert; sollte aber vorbereitet werden, teilt Pastor Lutz Tamchina mit. Die Ausstellung ist jederzeit zu besichtigen. Wer aber eine Führung wünscht, kann sich unter Telefon 04521/70130 vorher im Gemeindebüro anmelden.

 
 
 
   
 

Eutin: Ausstellung zum Gedenken an die Opfer

 

Kirche unter den Nazis

Kieler Nachrichten, Ostholsteiner Nachrichten, 03.01.2003

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten

Eutin (og) „Kirche, Christen und Juden in Nordelbien in der Zeit von 1933 bis 1945“ ist Titel einer Ausstellung in der Eutiner St. Michaeliskirche zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Vorbereitet wurde die Veranstaltungsreihe von Eutiner „Arbeitskreis 27. Januar“ gemeinsam mit dem Kirchenkreis und der Kirchengemeinde Eutin sowie der Kreisbibliothek und der Volkshochschule. Beginn ist am Sonntag, 12. Januar, wenn Bischöfin Bärbel Warttenberg-Potter die Reihe mit einem Gottesdienst in der St. Michaeliskirche um 10 Uhr eröffnet.

Zur Einführung sprechen ab 11.30 Uhr Dr. Annette Göhres, Leiterin des Kieler Nordelbischen Kirchenarchivs und der Kieler Historiker Dr. Stephan Linck, der das Konzept der Ausstellung erarbeitet hat. Ab 14 Uhr wird in der Kirche ein Film mit dem Titel „Warum haben1933 so viele Protestanten Hitler gewählt?“ gezeigt. Zu sehen ist parallel zur Ausstellung außerdem ein lokales Fenster „Die Eutiner Landeskirche und der Nationalsozialismus“.

Am Mittwoch, 15. Januar, ab 19.30 Uhr spricht der Kieler Historiker Hansjörg Buss über „Die Ära Kieckbusch 1930 bis 1976“: Die Landeskirche Eutin und die Deutschen Christen“. Am Mittwoch, 22. Januar ist ab 19.30 Uhr der Kieler Propst i. R. Jörgen Sontag zu Gast. Titel seines Vortrags: „Aber das Wort sagten sie nicht – Die mühsamen Schritte der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Anerkennung ihrer Mitschuld an der Judenverfolgung.“

Am Montag, 27. Januar, 19.30 Uhr, schließt sich in der Kreisbibliothek ein Podiumsgespräch mit Diskussion an. Thema: „Was verbindet Christen und Juden?“ Zu Gast sind der Rabbiner Kai Eckstein und der Pädagoge Professor Dr. Fritz Kath, beide Hamburg, Propst i. R. Jörgen Sontag sowie Pastorin Anke Wolff-Steger (Schleswig). Der Eutiner Pastor Lutz Tamchina moderiert. Die Ausstellung ist bis zum 6. Februar zu sehen.

 
 
 
   
 

Ausstellung Kirche, Christen und Juden

 

Zündstoff

Nordelbische Kirchenzeitung, 22.12.02, Nr. 52 /53

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

EUTIN – Die Ausstellung „Kirche, Christen und Juden in Nordelbien 1933-45“, die im kommenden Jahr vom 12. Januar bis zum 6. Februar 2003 in der Michaeliskirche in Eutin gezeigt wird, packt ein immer noch heißes Eisen an, obwohl seit der „Machtergreifung“ 70 Jahre vergangen sind. In Briefen, die den „Arbeitskreis 27. Januar“ erreichen, der die Ausstellung organisiert, wird gefordert, die Vergangenheit endlich ruhen zu lassen. In einem Pressegespräch dagegen hieß es, dass die Auseinandersetzung über das Verhalten der Kirche und ihrer Pastoren im düstersten Kapitel deutscher Geschichte im Kirchenkreis Eutin noch nicht wirklich begonnen habe.

Interessanterweise gab es in der damaligen Landeskirche, anders als in den „Gauen“, keine Dachorganisation der „Deutschen Christen“ – sie war nicht „brauner“ als jede andere Gegend. Die „negative Berühmtheit“ resultiert aus den Entwicklungen nach 1948, als einige wenige Pastoren der „führungstreuen“ Kirche dort Dienst tun durften. Eine Menge an Diskussions-, aber auch Zündstoff für die Ausstellung, die am 12. Januar nach einem Gottesdienst durch Bischöfin Wartenberg-Potter eröffnet wird.

wmg

 
 
 
   
 
     

Impressum | Copyright 2001 | Nordelbisches Kirchenamt - Archiv - | Postfach 3449 | 24033 Kiel