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Unterrichtsmaterialien

Pressearchiv und
Rahmenprogramme

Literatur
 
   

Presseberichterstattung Flensburg
 

 

 

 

31.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Hilfe für verfolgte Juden
 

31.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Gottesdienst: "Christen und Juden heute"
 

28.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Filme zur Ausstellung "Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945" im Kirchenkreis Flensburg mit Schwerpunkt in der Marienkirche
 

26.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Workshop: "Kibbuz in Weiche"
 

24.01.2004

Flensburger Tageblatt:
"Sühnezeichen" im Gottesdienst
 

24.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Lehren aus der Vergangenheit ziehen: Über die zerstörerische Kraft des Wortes
 

23.01.2004

Flensborg Avis:
Kirche-Christen-Juden
 

23.01.2004

Flensborg Avis:
Bei der Konfirmation wurde aus "Mein Kampf" gelesen

16.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Geschichte, wie sie nicht im Lehrbuch steht
 

16.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Klezmorin machten Party in St. Marien
 

15.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Führung durch "Kirche, Christen, Juden"
 

14.01.2004

Flensborg Avis:
Führung durch Ausstellung
 

14.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Vortrag über Pastor Heinrich Kähler
 

14.01.2004

Moin-Moin:
"Kindertransport" in "51-Stufen"
 

13.01.2004

Flensborg Avis:
Klezmer-Konzert
 

13.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Klezmer mit "Ja-ka-scha"
 

13.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Kirche im Nationalsozialismus
 

12.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Wichtige Auseinandersetzung mit teils unrühmlicher Vergangenheit
 

10.01.2004

Flensborg Avis:
Als Kind die Pogrome miterlebt
 

10.01.2004

Flensborg Avis:
In Flensburg war es nicht anders
 

10.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Christen und Juden
 

10.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Ausstellung: Als Jesus "arisch" wurde
 

05.01.2004

Flensborg Avis:
Unbequeme Schau in alter Kirche
 

06.01.2004

H-Soz-u-Kult:
Rez. NS: A. Göhres u.a (Hgg): Als Jesus arisch wurde
 

05.01.2004

Flensburger Tageblatt:
Antisemiten auf der Kanzel gab es auch in Flensburg
 

 

Kontroverse

28.07.2003

H-Soz-u-Kult:
2. W. Grünberg & S. v. Kortzfleisch: Eine notwendige Erwiderung
 

28.05.2003

H-Soz-u-Kult:
1.: U. Schmidt: Rezension: Kirche im Nationalsozialismus
 

1/2 2004

Rahmenprogramm Flensburg

   
 
   
 
   

Kirche - Christen - Juden

Mit freundlicher Genehmigung der Flensborg Avis
vom 23.01.2004

Flensburg. Im Rahmen der Ausstellung "Kirche - Christen - Juden in Nordelbien 1933 - 45" findet am kommenden Sonntag um 11 Uhr ein Gottesdienst mit Pastor Udo Gräve und Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen in der St. Merien Kirche statt.

Am Montag um 15 Uhr sind Senioren in den Gemeindesaal St. Marien eingeladen. "Wir können unsere Biographien nicht im Nachhinein korrigieren...aber uns selbst", lautet der Titel der Veranstaltung, durch die Pastorin Silke Wierk führt. (FlA)

 
 
 

 
 

Lesung über den nationalsozialistischen Pastor Friedrich Andersen sorgte für eisige Kälte in der St. Johannis-Kirche.

 

Bei der Konfirmation wurde aus "Mein Kampf" gelesen

Mit freundlicher Genehmigung der Flensborg Avis
vom 23.01.2004

FLENSBURG. "Man muss seine beiden Seiten sehen, sonst wird man ihm nicht gerecht", sagte Pastorin Silke Wierk, als sie am Mittwochabend in der St. Johannis-Kirche zur Lesung über Friedrich Andersen einleitete. Andersen war ab 1890 Diakon (Hilfspastor), ab 1899 Hauptpastor in St. Johannis. Silke Wierk hat mit noch lebenden, ehemaligen Konfirmanden gesprochen, die "eigentlich immer ein gutes Bild von ihm haben". Ein Konfirmand erinnerte sich jedoch auch, dass bei der Konfirmation aus "Mein Kampf" gelesen werden sollte.

Andersen war eine stattliche Persönlichkeit und kümmerte sich um die Seelsorge in der Gemeinde. Und er entwickelte sich vom Antijudaisten zum strengen Antisemiten und überzeugten Nazi.

Hauke Wattenberg, Pastor aus Husby, las Passagen aus einer neuen Monografie zu den frühen theologischen Überlegungen Andersens, die jetzt als Weiterentwicklung einer Examensarbeit von 1992 in Buchform erschienen ist. Stephan Linck, Historiker beim Nordelbischen Kirchenarchiv, trug jeweils die originalen Andersen-Zitate vor.

"Die jüdischen Rasseeigenschaften sind als mehr als ein Unglück auszumachen. Sie leiden selbst darunter", befand Andersen schon in seiner Schrift "Anticlericus" von 1904.

Andersen erreichte Bedeutung über die Grenzen Flensburgs hinaus unter anderem als Vorreiter einer kirchlichen Theorie über eine jüdische Weltverschwörung.

Fanatiker des Hasses
Zu dieser frühen Zeit räumte er noch ein, dass ein Übertritt zum christlichen Glauben für Juden noch möglich sei. Bereits 1912 jedoch wurde er, der auch im Kirchenkreis Flensburg hohes Ansehen genoss, vom Probst als "Fanatiker des Hasses" bezeichnet. Jesus wurde von ihm fortan als Arier gesehen, er schrieb über die angebliche Schuld der Juden am 1. Weltkrieg und bezeichnete den Nazionalsozialismus mit der Ausmerzung des Judentums als "die beste Form der Nächstenliebe, welch er das Christentum zu folgen hat".

1928 ging er in den Ruhestand, und danach gab er es auch auf, sich mit der Landeskirche auseinander zu setzen, die seinen Gedanken nicht mehr ganz folgen konnte. Andersen starb 1940 als hochgeehrter Nationalsozialist und Ehrenbürger Flensburgs. "Ist er denn immer noch Ehrenbürger?", wollte ein Zuhörer am Ende der Veranstaltung aufgeregt wissen. Nein, diese Würde wurde dem Pastor 1998 von der Ratsversammlung wieder aberkannt. "Kalt ist es hier in der Kirche", sagte Pastorin Wierk nach der abschliessenden Diskussion und meinte damit wohl auch die Stimmung, die eineinhalb Stunden zu dem faschistischen Pastor hinterlassen hatten.

Dirk Thöming

Das Buch "Friedrich Andersen - Ein deutscher Prediger des Antisemitismus", 90 S. von Hauke Wattenberg, ist anlässlich der Ausstellung "Kirche - Christen - Juden in Nordelbien 1933 - 45" herausgegeben worden (Kleine Reihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte) und für 9,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

 
 
 

 
 
   

Führung durch Ausstellung

Mit freundlicher Genehmigung der Flensborg Avis
vom 14.01.2004

FLENSBURG. Morgen um 16 Uhr findet eine Führung durch die Ausstellung "Kirche - Christen - Juden 1933-45" in der Marienkirche mit Pastor Udo Gräve statt. Die Führung ist nicht nur für Senioren. Um 19.30 Uhr hält Pastor i.R. Horst Neumann-Köppen im alten Pastorat St. Nikolai, Südermarkt 15, einen Vortrag über "Pastor Kähler in St. Nikolai - Der Charismatiker in der Mehrheit". (FlA)

 
 
 
   
 
   

Klezmer-Konzert

Mit freundlicher Genehmigung der Flensborg Avis
vom 13.01.2004

FLENSBURG. Im Rahmen der Ausstellung "Kirche - Christen - Juden in Nordelbien 1933-45" findet morgen um 19.30 Uhr in der St. Marien-Kirche ein Klezmer-Konzert mit der Gruppe "Ja ka scha" statt. (FlA)

 
 
 
   
 
   

Als Kind die Pogrome miterlebt

Mit freundlicher Genehmigung der Flensborg Avis
vom 10.01.2004

FLENSBURG. An zehn Stationen wird über kirchliche Persönlichkeiten in der Zeit des Nationalsozialismus auf Knopfdruck in Bild und Ton informiert. Persönliche Berichte und Informationen in den Bankreihen laden zum Verweilen und stillen Gedenken ein. Das lokale "Flensburger Fenster" berichtet unter anderem über die Verfolgung der jüdischen Familie Wolff. Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, Besuchern steht ein Gesprächspartner zur Verfügung. Dazu gibt es ein umfassendes Begleitprogramm. Heute um 18 Uhr eröffnet Pröpstin Jutta Gross-Ricker die Ausstellung. Der Historiker Stephan Linck spricht zum Thema "Evangelische Kirche und Schoah". Morgen um 11 Uhr findet der Eröffnungsgottesdienst statt. Dienstag um 19.30 Uhr spricht Bettina Goldberg mit Shimon Monin, einem überlebenden Flensburger Juden, der damals vor den Nazis nach Palästina floh und heute in Tel Aviv lebt. Shimon Monin ist 82 Jahre alt und erlebte die Judenpogrome als Kind mit. Flensborg Avis wird laufend im Terminkalender auf Seite 2 auf weitere Veranstaltungen hinweisen. (Internet: www.kirchenkreis-flensburg.de) (FlA)

 
 
 
   
 

Judenverfolgung in Flensburg wurde von der Landeskirche gutgeheissen. Ausstellung "Kirche, Christen, Juden" wird heute Abend eröffnet.

 

In Flensburg war es nicht anders

Mit freundlicher Genehmigung der Flensborg Avis
vom 10.01.2004

FLENSBURG. Wenn heute Abend die Ausstellung "Kirche, Christen, Juden" in der St. Marienkirche eröffnet wird, werden sich die Besucher mit persönlichen, oft erschreckenden Schicksalen konfrontiert sehen. In den Bankreihen finden sich Erinnerungen an Verfolgung und Deportation, beispielsweise ins KZ Ladelund. Im Eröffnungs-Gottesdienst morgen um 11 Uhr sollen die Kirchenbesucher selbst einige dieser Geschichten verfolgter Juden verlesen. "Wir lassen die Ausstellung hören", sagt Pröpstin Jutta Gross-Ricker dazu.

Seit 2001 wird die Wanderausstellung, die bis zum 8. Februar in Flensburg zu sehen ist, in Hamburg und Schleswig-Holstein gezeigt. "Als wir uns bewarben, war sie schon völlig ausgebucht", begründet die Pröpstin die Tatsache, dass diese Form kirchlicher Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus erst jetzt nach Flensburg kommt. Inhaltliche Gründe, etwas später dabei zu sein, gibt es wohl kaum. Im Gegenteil: In Flensburg nahm Friedrich Andersen, Pastor der Gemeinde St. Johannis, seinerzeit eine zentrale Rolle als Antisemit und Leiter der NSDAP in Flensburg ein - bei voller Unterstützung der Landeskirche, die den Kampf gegen angeblich "zersetzenden jüdischen Einfluss" ausdrücklich unterstützte. "Andersen machte den Antisemitismus in Flensburg hoffähig", stellt Bernd Philipsen fest, der sich seit 25 Jahren mit der Verfolgung der Juden in Flensburg beschäftigt und auch an dieser Ausstellung mitgewirkt hat. "Früher galt die allgemeine Sprachregelung, dass es eine lokale jüdische Geschichte nicht gibt. Doch ich stosse immer wieder auf neues Material, das bereits zig Aktenordner füllt", sagt der Journalist. Die Aussage, "bei uns war das anders", treffe daher nicht zu. "Dies ist eine Ausrede", so Bernd Philipsen.

Wo stehen wir?
Noch heute gebe es innerhalb der Kirchengemeinden Vorbehalte gegenüber der Aufarbeitun g der NS-Zeit, berichtet die Pröpstin. "Manche Leute meinen, wir machen unsere Kirche schlecht, andere fragen, warum wir jetzt noch an das Unrecht von damals erinnern müssen", sagt Jutta Gross-Ricker. Die Ausstellung sei dringend notwendig, denn die Erinnerung sei das Geheimnis der Erlösung. "Wir müssen erinnern und aussprechen. Wer diese Ausstellung gesehen hat, wird hellhörig. Die Frage stellt sich doch, wo wir heute schon wieder stehen", mahnt die Pröpstin mit Blick auf schwelende Ausländerfeindlichkeit in der Bevölkerung.

Später Beginn
"Die Auseinandersetzung der Kirche mit der eigenen Vergangenheit hat spät begonnen, aber sie hat begonnen", sagt Udo Gräve, Pastor in St. Marien. Erst vor 20 Jahren sei bei der evangelischen Kirche die Nähe zwischen Christentum und Judentum anerkannt worden. "Die Kirche tritt jetzt allen judaistischen und fremdenfeindlichen Bestrebungen entgegen", stellt er klar.
Dirk Thöming

 
 
 
   
 

Wanderausstellung "Kirche - Christen -Juden in Nordelbien, 1933 - 1945" wird ab 11. Januar in Marien-Kirche gezeigt.

 

Unbequeme Schau in alter Kirche

Mit freundlicher Genehmigung der Flensborg Avis
vom 05.01.2004

FLENSBURG. Die Aufsehen erregende Wander-ausstellung "Kirche - Christen - Juden in Nordelbien, 1933 - 1945" kommt jetzt auch nach Flensburg. Sie wird vom 11. Januar bis zum 8. Februar 2004 in der St. Marien-Kirche gezeigt.

Die vom Nordelbischen Kirchenarchiv konzipierte Schau geht den Fragen nach, wieso sich die Kirche "freudig in den Dienst" der nationalsozialistischen Sache gestellt hat und zur Verfolgung von Juden und Widerstandskämpfern schwieg. Dazu werden neben vielen Exponaten, Dias und Tondokumenten auch zehn ausgewählte Biographien präsentiert. Die Ausstellung wird am kommenden Sonnabend, dem 10. Januar, um 18.00 Uhr von der Pröbstin Jutta Gross-Rickert eröffnet. Dabei spricht der Historiker Dr. Stephan Linck über "Evangelische Kirche und Schoah". Die Ausstellung wird dann täglich zwischen 10.00 und 17.00 Uhr geöffnet sein. Führungen können bei Pastor Udo Gräve unter der Rufnummer 5 13 18 vereinbart werden.

Rahmenprogramm
Zu der Ausstellung gibt es auch ein umfangreiches Rahmenprogramm. Dabei stehen neben vielen Vorträgen mit lokalem Bezug auch Filme und ein Klezmer-Konzert auf dem Programm. Zum Rahmenprogram gehören auch zwei Auftritte des deutschstämmigen Juden Shimon Monin, der durch das später auch verfilmte Buch "Ich war Hitlerjunge Salomon" bekannt geworden ist. Monin stellt sich am 13. Januar den Fragen von Dr. Bettina Goldberg. Und am 14. Januar spricht er mit Konfirmanden. Neben Fimvorführungen im Gemeindehaus St. Marien laufen im Rahmenprogramm der Ausstellung auch Streifen im Kino "51 Stufen" im Deutschen Haus. Dort wird vom 15. bis zum 21. Januar der Dokumentarfilm "Kindertransport in eine fremde Welt" und vom 22. Januar bis zum 28. Januar "Der Pianist" von Roman Polanski gezeigt. Vom 29. Januar bis zum 4. Februar ist dann noch der Spielfilm "Rosenstrasse" von Margarethe von Trotta zu sehen. Die Wande rausstellung, die das Nordelbische Kirchenarchiv seit 1998 konzipiert hat, wurde im September 2001 in Rendsburg erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Seitdem wandert die Schau durch Kirchen in Hamburg und Schleswig-Holstein.

Weitere Einzelheiten über die Schau und das Flensburger Rahmenprogramm können im Internet unter www.kirche-christen-juden.org abgerufen werden
Uwe Sprenger

 
 
 
   
 
 
 
   

Rez. NS: A. Göhres u.a (Hgg): Als Jesus arisch wurde

Mit freundlicher Genehmigung von H-Soz-u-Kult
vom 6.01.2004

Titel: Als Jesus "arisch" wurde. Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945. Die Ausstellung in Kiel
Herausgeber: Göhres, Annette; Linck, Stephan; Liß-Walther, Joachim
Ort: Bremen
Verlag: Edition Temmen
Jahr: 2003
ISBN: 3-86108-539-9
Umfang/Preis: 280 S.; € 12,90
Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Matthias Wolfes, Institut für Evangelische Theologie, Freie Universität Berlin
E-Mail: <m.wolfes@gmx.de>

Der Band dokumentiert die vom Nordelbischen Kirchenarchiv erarbeitete Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“, die am 20. September 2001 in Rendsburg erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.[1] Die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Landeskirche wählte damit einen im gesamten Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bisher einzigartigen Weg, um sich mit ihrer Geschichte während des Dritten Reiches auseinanderzusetzen. Begleitet wurde die Ausstellungsinitiative von einem synodalen Diskussionsprozeß über das Verhältnis von Christen und Juden. Die wissenschaftliche und mediale Thematisierung antisemitischer kirchlicher Traditionen war auf diese Weise von Anfang an mit der Absicht verknüpft, zu einer Neubestimmung des christlichen Verhältnisses zum Judentum, das heißt zu einer historisch und theologisch fundierten Neueinschätzung der Bedeutung jüdischer Frömmigkeit und Kultur für die eigene Religiosität zu gelangen. Das Ergebnis dieser Bemühung liegt in der Synodalerklärung „Christen und Juden“ vom September 2001 vor.[2]

Leicht skurril mutet der Bericht der Herausgeber über die unmittelbare Veranlassung des Ausstellungsprojektes an. Im Zusammenhang mit einer früheren kirchlichen Erklärung aus Anlaß des 60. Jahrestages des Novemberpogroms war nämlich die Frage aufgeworfen worden, ob im derzeit geltenden landeskirchlichen Recht antijüdische Vorschriften, die zwischen 1933 und 1945 in den Vorgängerlandeskirchen von Eutin, Hamburg, Lübeck und Schleswig-Holstein gegolten hatten, formal noch in Kraft stünden. Hierdurch wurde nicht allein eine prekäre Rechtssituation offengelegt, sondern es zeigte sich auch, daß die wissenschaftliche Erschließung entsprechender Materialien weitgehend noch ausstand. Mit der Ausstellung ist nun die rechtshistorische und die archivalische Problematik auf eine andere, inhaltliche Ebene gehoben worden. Sie bietet vielfältige Anknüpfungspunkte, um in eine differenzierte, sachlich fundierte Beschäftigung mit der Thematik „Kirche und Nationalsozialismus“ einzutreten. Hierzu dürfte auch der Umstand beitragen, daß an den jeweiligen Ausstellungsorten zusätzliche Akzentsetzungen in die Programmgestaltung eingehen und so die Diskussion auch auf lokale, bisweilen örtlich eng begrenzte Vorgänge und Sachverhalte Bezug nehmen kann. Erste Erträge dieses offenen Diskussions- und Forschungsprozesses sind bereits zu verzeichnen.[3]

Wie in allen anderen Teilen des Deutschen Reiches, ging auch in der nördlichsten preußischen Provinz nach 1933 von der nationalsozialistischen Weltanschauung eine starke Anziehungskraft auf den evangelisch-kirchlichen Bereich aus. Gering war die Zahl derer, die offen den totalitären Anspruch der NS-Ideologie als unvereinbar mit dem christlichen Glauben bezeichneten und sich insofern in einen Gegensatz zum Staat des Dritten Reiches stellten. Demgegenüber gehörten bereits vor 1933 siebenundzwanzig Prozent der schleswig-holsteinischen Pfarrer der NSDAP an. Im Jahr der Machtergreifung bekannten sich siebzig Prozent von ihnen zur nationalsozialistisch geprägten Glaubensbewegung „Deutsche Christen“. Durch die starke Präsenz der Deutschen Christen innerhalb der kirchenadministrativen Instanzen kam es in Schleswig-Holstein und auch in Hamburg binnen kurzer Zeit dazu, daß in der öffentlichen kirchlichen Darstellung die Zielsetzungen der NS-Staatsführung akzeptiert und bekräftigt wurden. In der Konsequenz bedeutete dies etwa, daß der staatliche Antisemitismus zur Richtlinie auch für die innerkirchliche Gesetzgebung wurde. Kirchliche Einrichtungen wurden nach politischen Vorgaben geführt; das Gemeindeleben bis hin zur Gottesdienstgestaltung unterlag in erheblichem Maße religionsfremden Prämissen.

Die Synodaltagung vom 12. September 1933, die die ersten Schritte zu einer judenfeindlichen Kirchengesetzgebung in Schleswig-Holstein unternahm, wurde von mehrheitlich in NS-Uniform gekleideten Mitgliedern abgehalten, weshalb Bischof Mordhorst die Anwesenden in seiner Predigt mit „Ihr Männer im Braunhemd“ ansprechen konnte. Neun Jahre später war, parallel zur behördlichen Identifizierung, Ausgrenzung und gewaltsamen Separierung von Personen jüdischer Herkunft – also jener Maßnahmen, die der planmäßigen Ermordung vorausgingen –, auch der kirchliche Isolationsprozeß abgeschlossen: Am 10. Februar 1942 erging seitens des Kieler Landeskirchenamtes ein Erlaß, wonach durch „die christliche Taufe [...] an der rassischen Eigenart des Juden, seiner Volkszugehörigkeit und seinem biologischen Sein nichts geändert“ werde. Eine deutsche evangelische Kirche habe aber das religiöse Leben deutscher „Volksgenossen“ zu pflegen und zu fördern. Infolgedessen könnten evangelische Christen mit jüdischer Familienherkunft, sogenannte „rassejüdische Christen“, keinen Anspruch auf kirchliche Zugehörigkeit und Solidarität erheben. Ihnen komme in der Kirche „kein Raum und kein Recht“ zu. Unterzeichnet hatte diesen Erlaß der Präsident des Kirchenamtes, Christian Kinder, der in der Anfangsphase des NS-Staates als „Reichsleiter“ der Deutschen Christen fungiert hatte.

Vor diesem mehr als deprimierenden Hintergrund wird die im Dokumentationsband jetzt noch einmal eingehend begründete Ausstellungskonzeption von der Frage geleitet, wie sich die im Handeln der Kircheninstitutionen repräsentierte Öffnung des kirchlichen Selbstverständnisses für die Staatsidee und Gesellschaftsvision des Nationalsozialismus auf das kirchliche Leben ausgewirkt hat. Zwei Aspekte werden dabei besonders betont: die Ausgrenzung der Kirchenmitglieder jüdischer Herkunft aus dem kirchengemeindlichen Alltag über diverse religiös, rechtlich und ideologisch motivierte Strategien sowie der Niederschlag, den dieses Vorgehen sowohl bei den kirchlich Verantwortlichen als auch bei den betroffenen Personen „in der Bandbreite möglichen Verhaltens“ gefunden hat (S. 10). Hiergegen ist von Kritikern eingewandt worden, die Komplexität der Geschehnisse lasse sich nur unzulänglich im Medium biographischer Darstellung aufnehmen. Doch stellt – wovon der Rezensent sich bei einem Besuch überzeugt hat – die Ausstellung einen hinreichend klaren Beurteilungsrahmen bereit, um die jeweilige individuelle Situierung einschätzen zu können.

Sofern dennoch in der biographischen Zentrierung ohne Zweifel eine pragmatische, dem unmittelbaren Ausstellungszweck geschuldete Selbstbeschränkung zur Geltung kommt, so bietet der Dokumentationsband nunmehr ein breites Spektrum an einschlägigen Materialien und weitergehenden Studien zu einzelnen Aspekten der Thematik. Über die vollständige Wiedergabe aller in der Ausstellung mitgeteilten Informationen hinaus, widmen sich eingehende Beiträge dem Problem, „wie das Christentum zum wichtigsten Transporteur antisemitischen Denkens werden konnte“ (S. 11). [4] Dies geschieht durch Studien zur christlichen Fundierung der abendländischen Judenfeindschaft (von Siegfried Bergler), zur judenfeindlichen Einstellung Martin Luthers (Jörgen Sontag), zum Antisemitismus in der schleswig-holsteinischen Landeskirche (Stephan Linck), zu Wilhelm Halfmanns Schrift „Die Kirche und der Jude“ von 1936 – Halfmann war Mitglied der Bekennenden Kirche und seit 1946 Bischof für Holstein – (Klauspeter Reumann), zur Verbindung der schleswig-holsteinischen Landeskirche mit dem berüchtigten Eisenacher „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ (Hansjörg Buss) [5], zur Lage jüdischer Kinder und Jugendlicher in Schleswig-Holstein unter dem NS-Regime (Bettina Goldberg) sowie zur Rolle der Katholischen Kirche in den Jahren 1933 bis 1945 (Bernd Gaertner). Die Beiträge zeichnen, auch wenn man qualitative Unterschiede nicht in Abrede stellen wird, in ihrer Gesamtheit doch ein sehr prägnantes Bild. Zum Teil beruhen sie auf intensiven Studien; Neuland erschließt der Beitrag von Frau Goldberg. Unklar bleibt, weshalb sich die Theologische Fakultät der Universität Kiel weder am Vortragsprogramm noch am Dokumentationsband beteiligt hat. [6] Doch hat sie immerhin durch Vorarbeiten zu einer Ausstellungssektion über ihr früheres Mitglied, den Systematischen Theologen Hermann Mulert, die Ausstellungsgestaltung indirekt mit beeinflußt.[7]

Die Ausstellung konzentriert sich auf den Zeitraum der zwölf Jahre des Dritten Reiches. Im Blick auf die jetzt vorliegende Dokumentation hätte man sich gewünscht, daß auch die Zeit vor 1933 stärker in den Blick genommen worden wäre. Denn die breite Zustimmung, wie sie in den Jahren des Umbruchs 1933/34 gerade aus dem kirchlich orientierten protestantischen Milieu gegenüber der NS-Programmatik, einschließlich ihrer antisemitischen Fundierung, signalisiert wurde, läßt sich nicht verstehen, wenn man nicht auf die zutiefst antidemokratische Einstellung der meisten evangelischen Kirchenrepräsentanten der zwanziger Jahre zurückgeht. In zahlreichen öffentlichen Erklärungen machte die Kirche ihre Ablehnung der Weimarer Republik immer wieder deutlich. Ebenso bildet die meist latente, oft genug aber auch völlig unverdeckte Judenfeindschaft großer Teile der evangelischen Pfarrerschaft einen wichtigen Aspekt, wenn man nach Gründen für die Akzeptanz sucht, die der antisemitischen Vorgehensweise des Staates seit 1933 seitens des protestantischen Bürgertums entgegengebracht wurde.

Die Ausstellung selbst, aber auch das bisher vorliegende außerordentlich intensive öffentliche Echo auf sie macht die Notwendigkeit einer breitenwirksamen Auseinandersetzung mit der Verstrickung der evangelischen Kirche in die Realität der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft deutlich. [8] Es scheint allerdings bei den meisten Landeskirchen noch ein starkes Hemmnis wirksam zu sein, das erst allmählich, und zwar vor allem über biographische Forschungen zu einzelnen Kirchenführern, abgebaut wird. Die Antisemitismusproblematik unterliegt vielfach noch einem Tabu, dessen forschungspraktische Auswirkungen durch die permanente Konzentration auf den kirchlichen Widerstand kompensiert werden soll. Gerade aber die lutherischen Landeskirchen müssen an dieser Stelle zu äußerster Selbstkritik bereit sein, um zu einer der Thematik angemessenen Haltung zu gelangen. Die Ausstellung „Kirche – Christen – Juden“ der Nordelbischen Landeskirche hat den Weg gewiesen, und es steht zu hoffen, daß man ihrem Beispiel auch andernorts folgen wird.

Anmerkungen:
[1] Vgl. dazu die Rezension von Uwe Schmidt für H-Soz-u-Kult vom 28. Mai 2003: http://hsozkult.geschichte.hu
berlin.de/rezensionen/id=16&type=rezausstellungen. Auf diese Besprechung bezieht sich eine kritische Stellungnahme der Hamburger Theologen Wolfgang Grünberg und Siegfried von Kortzfleisch vom 28. Juli 2003; siehe auch Schmidts am gleichen Tag veröffentlichte Replik.
[2] „Christen und Juden“. Erklärung der Synode der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, Rendsburg, den 22. September 2001; zugänglich unter: http://www.nordelbien.de/nordelbien/nor.abisz.synode/
nor.synode.archiv/nor.synode.archiv.bs/
berichtesyn.22/index.html

[3] So ist im Zusammenhang mit der Präsentation der Ausstellung in Altona eine kirchenkreisbezogene Zusatzstudie vorgelegt worden: Bernhard Liesching: „Eine neue Zeit beginnt.“ Einblick in die Propstei Altona 1933-1945, Hamburg 2002.
[4] Die meisten Beiträge gehen auf Vorträge zurück, die an unterschiedlichen Orten im Zusammenhang mit der Ausstellung gehalten wurden.
[5] Buss geht auch auf die Rolle von zwei Kieler Theologieprofessoren, Hartmut Schmökel und Martin Redeker, näher ein (S. 181-184). Mit Recht stellt er fest: „Eine kritische Aufarbeitung der Tatsache, dass die überwiegende Anzahl der Theologen und Professoren, die dem Eisenacher Institut als Mitarbeiter angehörten, nach 1945 in Amt und Würden blieben und welche Auswirkungen und Bedeutung dies auch für die deutsche Nachkriegstheologie hatte und hat, steht noch aus“ (S. 185).
[6] Die Herausgeber nehmen hierauf nur andeutungsweise Bezug; vgl. S. 10.
[7] Vgl. S. 72f (Station 7). Mulert (1879-1950), ein einflußreicher Vertreter der liberalprotestantischen Richtung in der zeitgenössischen Theologie, gehörte in den zwanziger Jahren dem „Verein zur Abwehr des Antisemitismus“ an. 1935 legte er aus Protest gegen die politischen Eingriffe der NS-Regierung in das Hochschulwesen seine Professur nieder. Im Folgejahr wurde der erwähnte Martin Redeker (1900-1970; emeritiert 1969) sein Nachfolger.
[8] Vgl. hierzu die auf der Internetseite http://www.kirche-christen-juden.de zugänglich gemachten zahlreichen Stellungnahmen in der Presse und sonstigen Berichterstattung.


Diese Rezension wurde redaktionell betreut von:
Vera Ziegeldorf <ziegeldorfv@geschichte.hu-berlin.de>
Typ: Sammelwerke
Land: Germany
Sprache: German
Klassifikation: Regionaler Schwerpunkt: Deutschland
Epochale Zuordnung: 1933-1945
Thematischer Schwerpunkt: Kirchen- und Religionsgeschichte, NS / Faschismusgeschichte
Zitation: Matthias Wolfes: Rezension zu: Göhres, Annette; Linck, Stephan; Liß-Walther, Joachim (Hrsg.): Als Jesus "arisch" wurde. Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945. Die Ausstellung in Kiel. Bremen 2003. In: H-Soz-u-Kult, 06.01.2004, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2004-1-005>.
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