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Presseberichterstattung Hamburg Hamm
 

 

 

 

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14.03.2004

NDR Info:
Er sagte niemals "Amen" - Wie Jesus arisch wurde
 

14.05.2004

Eckernförder Zeitung:
Nazis lähmten und blockierten
 

27.02.2004

H-Soz-u-Kult :
Rez. WWW: Kirche, Christen, Juden in Nordelbien
 

27.05.2004

Das Rauhe Haus - mitten im Leben:
Ausstellung "Kirche, Christen, Juden" in Hamm mit Beteiligung des Rauhen Hauses
 

2004

Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte :
Besprechungen und Hinweise
 

30.05.2004

Die Nordelbische:
Ausstellung in Hamm
Kirche, Christen, Juden
 

 
   
 
   

Er sagte niemals "Amen" - Wie Jesus arisch wurde

mit freundlicher Genehmigung des NDR und von Annette Schmidt

Seit zwei Jahren wandert eine Ausstellung durch die nordelbischen Kirchengemeinden, die mancherorts für Empörung sorgt. Das Thema: die evangelischen Kirchen im Nationalsozialismus. Die Protagonisten der Ausstellung sind Pastoren und Landesbischöfe, die antisemitische und nationalsozialistische Parolen von der Kanzel predigten. Und es sind Christen jüdischer Herkunft, die ausgegrenzt oder ganz aus der Kirche verstoßen wurden.

Die Synode der Nordelbischen Kirche gab bereits im September 2001 eine Schulderklärung zu ihrer NS Geschichte ab. Doch in den Kirchengemeinden will davon so mancher nichts wissen. In Eutin etwa entbrannte ein Streit darüber, ob der einst sehr beliebte Propst Wilhelm Kiekbusch, nach dem auch ein Weg benannt ist, derart "beschmutzt" werden dürfe.

Anders der Kirchenkreis im Hamburger Stadtteil Mümmelmannsberg: er rief eine Kunstaktion ins Leben, die sich mit der NS Vergangenheit auseinandersetzt.

Von Annette Schmidt

Gesamtes Manuskript

(Sendetermin: 14. März 2004, 6.05 und 17.05 Uhr)

 
 
 
   
 
   

Rez. WWW: Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945

mit freundlicher Genehmigung von H-Soz-u-Kult:

27.02.2004 Rönz, Helmut <Helmut.Roenz@lvr.de>

Web-Site: "Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 - 1945"
http://www.kirche-christen-juden.de/index.html
Herausgeber: Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche <http://www.nordelbien.de/>, Nordelbisches Kirchenarchiv, Kiel <http://www.nordelbisches-kirchenarchiv.de/>

Rezensiert für Clio-online und H-Soz-u-Kult von:
Helmut Rönz <Helmut.Roenz@lvr.de>

1998 wurde unter Federführung des Nordelbischen Kirchenarchivs in Zusammenarbeit mit dem Historiker Stephan Linck eine Sujet aufgearbeitet, das für die Forschung nicht unbekannt ist und sowohl aus kirchen- als auch aus regionalgeschichtlicher Sicht eine häufige Erörterung erfuhr. Das Team ging Fragen nach, die sich "eine Kirche jetzt zu ihrer Vergangenheit in der NS-Zeit stellt". Sie fragten nach Tätern und Opfern, nach Motiven, Hintergründen und Affinitäten. Zu diesem Zweck nutzten die Organisatoren neun Biographien und die Geschichte einer Kirchengemeinde, die diese Fragen deutlich werden lassen und - zuweilen widersprüchliche - Antworten geben. Aus diesen biographischen und ortsgeschichtlichen Dokumentationen ist eine Wanderausstellung entstanden, die am 20. September 2001 in Rendsburg der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, seitdem durch die nordelbischen Kirchen zieht und bis zum 8. Februar 2004 in Flensburg Station macht. Begleitend ist ein Ausstellungskatalog erschienen mit einem Vorwort der Bischöfin von Lübeck, Bärbel Warttenberg-Potter, den Texten der Ausstellung, Aufsätzen und Predigten. Dieser Katalog ist bereits für HSK rezensiert worden. [1] Der klassische Ausstellungskatalog ist jedoch lange nicht mehr einziges Medium der Vertiefung, Aufbereitung und Begleitung einer Ausstellung. Deshalb stellten die Organisatoren der Wanderausstellung eine eigene Web-Site zur Seite, die zusätzliche Informationen geben soll, aber auch ein Forum für den Dialog bietet. Zielgruppen des Auftritts sind Schüler und Lehrer, interessierte Privatpersonen und wissenschaftlich Tätige.

Die in vier Abteilungen unterteilte Seite ist übersichtlich gestaltet und reich an Inhalten. Die erste Abteilung führt gleich zur Ausstellung hin und ist selbst in zwei Bereiche aufgeteilt. Zunächst erhält der Benutzer eine Einführung, die die vorangestellten Fragestellungen der Ausstellung aufzählt und den kirchpolitischen Hintergrund nennt. Dabei erläutern die Organisatoren Konzept und Gestaltung der Ausstellung sowie den Wert der archivalischen Quellen und Arbeit für die Thematik. Der zweite Unterpunkt widmet sich den genuinen Inhalten der Ausstellung. Dabei wird der Nutzer in einen virtuellen Kirchenraum, der die Ausstellung birgt, geführt. Dort sind die einzelnen Räume mit den jeweiligen Ausstellungspunkten verlinkt. Man verfügt dabei über die Möglichkeit, Fotos einzelner Exponate und des Ausstellungsraumes zu betrachten, indem man die nummerierten Punkte anklickt. Gleichzeitig kann der Nutzer konventionell über verlinkte Überschriften die Ausstellungsinhalte durchgehen. Diese teilen sich in sechs aufeinander abgestimmte und aufbauende Einzelpunkte auf: Punkt Eins informiert über die Vorgeschichte und den kirchlichen Zeitgeist. Der Reihe nach werden exemplarisch für protestantischen Zeitgeist (Adolph Stoecker), zeitgenössische Theologie (Hans v. Schubert), die Synode (Beschluß von 1924/25/Friedrich Andersen) und kirchliches Leben (Gauredner Pastor Johann Pepperkorn) Personen vorgestellt, die eine wichtige Rolle für das (Miß-)Verhältnis von Judentum und evangelischer Theologie und Kirche gespielt haben. Der Kirchenkampf ist Thema des zweiten Punktes. Hier wird der Leser - immer in Bezug zum Untersuchungsraum - mit den einzelnen evangelischen Gruppen im "Dritten Reich" bekannt gemacht: Bekennende Kirche, Deutsche Christen, Deutsche Glaubensbewegung, Deutschkirche und Nationalkirche. Die dritte Abteilung nennt sich Portal. Hier werden Bilder von zerstörten Kirchen und Synagogen aus der Ausstellung gezeigt. Man könnte viel über diesen Zusammenhang philosophieren, wird jedoch ein wenig damit allein gelassen. Tondokumente fehlen ebenso wie Grafiken und Erläuterungen. Zudem ist der mit Blackbox betitelte vierte Bereich, der sich auf den realen Bereich "Blackbox" der Ausstellung bezieht, nicht aufrufbar. Klickt man im Schaubild auf die Nr. 4, dann öffnet sich zwar ein Popup-Fenster mit der Information "Blackbox: Bilder aus Theresienstadt, gezeichnet von Arthur Goldschmidt", aber die Bilder selbst werden nicht angezeigt. Höhepunkt und nicht zuletzt Mittelpunkt der Ausstellung ist schließlich Punkt Sechs. Dort werden die einzelnen Biographien vorgestellt, angefangen beim Gründer des Bundes für Deutsche Kirche, Friedrich Andersen, über den NS-kritischen Herausgeber der "Christlichen Welt", Hermann Mulert, bis hin zum SS-Sturmbannführer und Chef des Einsatzkommandos 6 in der Ukraine, Ernst Szymanowski vulgo Bieberstein. Die Bandbreite der Verstrickung dieser Personen reicht von Zivilcourage, offener Ablehnung bis hin zu Antijudaismus, Judenhass und organisiertem Massenmord. Als einzige Institution ist die Jerusalem-Gemeinde in Hamburg aufgeführt, eine Gemeinde, die von der Irisch-Presbyterianischen Kirche mit dem Ziel der Judenmissionierung 1845/49 errichtet und 1939 durch die Gestapo verboten wurde. Zu jeder Person/Institution existieren Hyperlinks d.h. Verknüpfungen, die dem Leser die wichtigsten Quellen und Archivalien mitteilen. Eine detaillierte Zeitleiste gibt Auskunft über die Geschehnisse in Deutschland und in Nordelbien. Sie ist bestückt mit weiterführenden und erhellenden Quellen- und Ausstellungstexten. Durch die Einzelschicksale der behandelten Personen und Institutionen erläutern die Organisatoren anschaulich und mit Sinn für Unterscheidung die Formen von Mut, Anpassung, Verstrickung und Schuld, die in der Massenorganisation Kirche anzutreffen sind. Dies versuchen sie auch in einem Diagramm, welches eine Skala von Ermordet bis Mörder beinhaltet, anschaulich zu machen.

Die zweite Abteilung heißt "Termine" und nennt die bisherigen und die zukünftig vorgesehenen Ausstellungsorte. Außerdem kann der Nutzer aktuelle Presseberichte einsehen, insbesondere die mit Verve über die Ausstellung geführte Debatte bei H-Soz-u-Kult zwischen Uwe Schmidt, Wolfgang Gründberg und Siegfried von Kortzfleisch. [2] In einem extra angelegten Pressearchiv sind zudem Verlautbarungen zu früheren Ausstellungsorten verzeichnet.

Die dritte Abteilung, ein für Lehrer, Studenten und Forscher interessanter Bereich, nennt sich Dokumentation. Hier sind Unterrichtsmaterialien als PDF-Datei didaktisch aufbereitet, die dem Lehrer die Vorbereitung seiner Klasse auf einen Besuch der Ausstellung erleichtern und einem vertieften Verständnis des Stoffes dienen sollen. Außerdem sind nochmals die Presseinformationen mit einem Hyperlink eingestellt sowie ein mehr als 280 Titel umfassendes Literaturverzeichnis zur Ausstellungsthematik. Dieses Verzeichnis ist in drei Hauptkategorien mit mehreren Unterpunkten unterteilt. Die erste Kategorie führt einige wenige Titel zum Thema Kirchengeschichte, Judenverfolgung und Christen jüdischer Herkunft im Nationalsozialismus aus überregionaler Perspektive auf. Hier beschränken sich die Organisatoren auf Titel, die lediglich einen Überblick zum Forschungsgegenstand geben können. Wesentlich detaillierter sind die beiden anderen, auf die Regionen bezogenen Rubriken: In der ersten regionalen Rubrik wird Literatur zum Thema "Jüdisches Leben, Judenverfolgung, Christen jüdischer Herkunft im Nationalsozialismus" genannt. Dabei wurde das Verzeichnis untergliedert in die Unterpunkte Schleswig-Holstein, Hamburg, Lübeck und Eutin. Die zweite regionale Rubrik, ebenfalls nach den vier genannten Regionen aufgeteilt, führt Titel zur "Geschichte und Kirchengeschichte im Nationalsozialismus" auf. Die verzeichnete Literatur reicht von bekannten wissenschaftlichen Gesamtdarstellungen bis hin zu unveröffentlichten Diplomarbeiten sowie "grauer" Literatur und kann ein wichtiges Hilfsmittel für alle sein, die sich weitergehend mit dem Thema oder auch nur mit der Heimatgemeinde beschäftigen möchten.

Die letzte Hauptabteilung der Web-Site nennt sich Dialog. Sie führt hin zu einem - offenbar nur wenig genutzten - Internetforum. Es besteht aus drei themenspezifischen Foren mit den Titeln: "Reaktionen auf die Ausstellung", "Christen und Juden - Gestern und Heute" und "Der Umgang der Kirche mit ihrer Vergangenheit". Wichtiger ist jedoch eine durchaus sinnvoll strukturierte Linkliste, die den Nutzer zu einigen mit Thema und Ausstellung korrespondierenden Partnern und Instituten führt. Diese Liste enthält Links für Schüler/Schulklassen ebenso wie für sonstige an Geschichtsarbeit und Erinnerungskultur interessierte Kreise. Außerdem können Forscher über angegebene Links auf die Seiten der benutzten Archive gelangen. Ganz "nett" ist auch die Idee, Verlinkungen zu "Pax Christi", "Aktion Sühnezeichen" und "Ökumenischer Friedens- und Entwicklungsdienst" anzubieten. Inwiefern diese Seiten in einem genuinen Zusammenhang mit der Ausstellungsthematik stehen oder ob sie vielmehr im Zuge eines kirchenspezifischen Reflex hineingeraten sind, entzieht sich der Kenntnis des Rezensenten.

Wie bereits erwähnt möchte die Ausstellung und damit auch die Web-Site Lehrer und Schüler, Forscher und Interessierte erreichen. Sie möchte dabei gleichzeitig ein dunkles, bisher eher vernachlässigtes Kapitel der nordelbischen Kirchengeschichte erhellen. Ihrem Anspruch ist die Seite ohne Zweifel gerecht geworden. Sie bietet für den Lernenden verständlich geschriebenes Material und Texte, dem Lehrenden gibt sie Hilfsmittel an die Hand und dem Forschenden eine gründliche Einführung sowie Literatur und Quellenhinweise. Die Web-Site ist übersichtlich und professionell gestaltet und lädt zum genaueren lesen und hinsehen ein. Sie bietet eine Vielzahl sinnvoll miteinander vernetzter und in Zusammenhang stehender Abschnitte und Texte, die ein umfassendes Bild zur Thematik zeichnen. Dabei sind die Texte frei von überkommener Erinnerungsrhetorik und machen den Blick frei auf das Wesentliche. Nicht zuletzt das dezente grafische Design unterstützt die Wirkung des Angebotes, da es Inhalt und Zielsetzung in den Vordergrund stellt. Lobenswert ist auch die schonungslose Offenheit, mit der Kirche und Organisatoren das Thema angehen und in der Diskussion halten. Dabei stellen sie sich auch der, teilweise harschen Kritik, sei sie nun berechtigt oder auch nicht. So wurde beispielsweise die bereits erwähnte Auseinandersetzung bei H-Soz-u-Kult ausführlich an prominenter Stelle dokumentiert. Der Internetauftritt der Ausstellung "Kirche, Christen, Juden" ist im Verbund mit Ausstellung und Katalog ein gelungenes Projekt, welches zur Nachahmung auffordert. Insbesondere der Verbund von allgemeinem geschichtlichem Ablauf und regionaler Auswirkung ist wegweisend. Vielleicht könnte aus diesem Projekt in Zukunft eine fortlaufende Werkstatt entstehen, die Forschungen vor Ort sammelt und anderen zu Verfügung stellt. Die Web-Site wäre als Plattform dafür sicherlich auch dann noch der geeignete Ort, wenn die Ausstellung ihre Tore längst geschlossen hat.

Anmerkungen:
[1] Matthias Wolfes: Rezension zu: Göhres, Annette; Linck, Stephan; Liß-Walther, Joachim (Hrsg.): Als Jesus "arisch" wurde. Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945. Die Ausstellung in Kiel. Bremen 2003. In: H-Soz-u-Kult, 06.01.2004, <http://hsozkult.geschichte.hu-
berlin.de/rezensionen/2004-1-005>.

[2] Vgl. dazu die Rezension von Uwe Schmidt für H-Soz-u-Kult vom 28. Mai 2003:

hsozkult.geschichte.huberlin.de/
rezensionen/id=16&type=rezausstellungen.

Auf diese Besprechung bezieht sich eine kritische Stellungnahme der Hamburger Theologen Wolfgang Grünberg und Siegfried von Kortzfleisch vom 28. Juli 2003; siehe auch Schmidts am gleichen Tag veröffentlichte Replik.

Diese Rezension entstand durch die Kooperation mit Clio-online http://www.clio-online.de/
Sprache: German
Klassifikation: Regionaler Schwerpunkt: Deutschland
Epochale Zuordnung: 1933-1945
Thematischer Schwerpunkt: Jüdische Geschichte, Kirchen- und Religionsgeschichte

URL zur Zitation dieses Beitrages: http://hsozkult.geschichte.hu
berlin.de/rezensionen/id=29&type=rezwww

Copyright (c) 2004 by H-Soz-u-Kult (H-Net) and Clio-online, all rights reserved. This work may be copied for non-profit educational use if permission is granted by the author and H-Soz-u-Kult. Please contact hsk.redaktion@geschichte.hu-berlin.de.

 
 
 
   
 

 

 

Ausstellung "Kirche, Christen, Juden" in Hamm mit Beteiligung des Rauhen Hauses

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift das Rauhe Haus - mitten im Leben...

Am Pfingstsonntag, 30. Mai, wird um 11 Uhr die Wanderausstellung der Nordelbischen Kirche "Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 - 1945" in der Dreifaltigkeitskirche Hamburg-Hamm eröffnet und dann einen Monat dort zu sehen sein. Am umfangreichen Begleitprogramm beteiligt sich auch die Stiftung Das Rauhe Haus. So sind Prof. Hans-Jürgen Benedict von der Fachhochschule des Rauhen Hauses und Oliver Stabenow, Schulpastor der Wichern-Schule, an Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen beteiligt.

Die Ausstellung ist gemeinsam von der Hammer Kirchengemeinde, der Fachhochhochschule und der Wichern-Schule des Rauhen Hauses vorbereitet worden. Als regionaler Bezug gehört zu dieser nordelbischen Ausstellung stets ein "Lokales Fenster", das einen Aspekt des Verhaltens der Kirchen gegenüber Juden und so genannten "getauften Juden", d.h. Christen jüdischer Herkunft, aufzeigt.

In der Hammer Ausstellungspräsentation besteht dieses Lokale Fenster aus fünf Vitrinen, die den jüdisch/christlichen Arztfamilien Rosenbaum und Elkan aus dem Stadtteil gewidmet sind. Diese Forschungsarbeit und die Präsentation der Ergebnisse haben Schüler des Leistungskurses Geschichte der Wichern-Schule des Rauhen Hauses erarbeitet.

 
 
 
   
 
   

Besprechungen und Hinweise

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 2004

Als Jesus „arisch“ wurde: Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945; Ausstellung in Kiel. Hrsg. Von Annette Göhres, Stephan Linck und Joachim Liß-Walther. Bremen: Ed. Temmen, 2003. 279 S.

Die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der christlichen Kirchen im Dritten Reich begann innerhalb der EKD erst auf dem Berliner Kirchentag von 1961. Es hatte zwar einige Verlautbarungen des Rates der EKD zwischen 1945 und 1950 gegeben, in denen die evangelische Kirche sich zu ihrer Mitverantwortung und Mitschuld an dem, was 1933-45 geschah, bekannte, zum Beispiel in Stuttgart am 19.10.1945, aber auch die „Stuttgarter Schulderklärung“ erwähnt die Judenverfolgung nicht explizit. Natürlich war sie mit gemeint, aber die Erklärung kommt schnell auf den Neuanfang zu sprechen und auf die Hoffnung, daß „der Geist des Friedens und der Liebe zur Herrschaft komme, in dem allein die gequälte Menschheit Genesung finden kann“.

Erst auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin wurde eine Arbeitsgemeinschaft Juden und Christen gegründet, womit eine Phase intensiver theologischer Arbeit über das Verhältnis von Christen und Juden begann. Damit im Zusammenhang wurde in den sechziger bis achtziger Jahren der sogenannte Kirchenkampf aufgearbeitet von jüngeren Wissenschaftlern, unter denen Klaus Scholder herausragt mit seinen verschiedenen Aufsätzen und seinem Hauptwerk „Die Kirchen und das Dritte Reich (1977-85)“.

Auch in Schleswig-Holstein wurden seit den siebziger Jahren Aufsätze zu diesem Thema veröffentlicht, bis dann Klauspeter Reumann im sechsten Band der Schleswig-Holsteinischen Kirchengeschichte 1998 den „Kirchenkampf in Schleswig-Holstein“ umfassend darstellen konnte. Bis zu diesem Jahre war das Interesse weiterer kirchlicher Kreise an dem Thema „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien während der Zeit des Nationalsozialismus“ so groß geworden, daß die Synode der Nordelbischen Kirche am 18.September 1998 konkrete Schritte einleitete:

  1. Bitte an die Landeskirche, die Kirchenkreise, die Kirchengemeinden und die Universitäten in Hamburg und Schleswig-Holstein, „die kirchliche Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus erforschen“.

  2. Bitte an die Kirchenleitung, einen Forschungsauftrag beim Nordelbischen Kirchenarchiv zu vergeben, mit dem Ziel, Quellen für eine Ausstellung und Publikation zu dem Thema zu sammeln.

Der Bitte wurde im Sommer 1999 entsprochen, als der Historiker Stephan Linck als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Nordelbischen Kirchenarchiv in Kiel angestellt wurde. Zusammen mit Annette Göhres, der Leiterin des Archivs, trug er die Hauptlast der Ausstellungsvorbereitung. Als dritten Mitstreiter gewannen sie den Stadtpastor von Kiel, Joachim Liß-Walther, den evangelischen Vorsitzenden der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein. Der katholische und seit 1998 geschäftsführende Vorsitzende dieses Vereins, Bernd Gaertner, war auch zur Zusammenarbeit bereit und hat dann jeweils eine der Eröffnungs- und Schlusspredigten zur Ausstellung gehalten neben seinen evangelischen Kollegen Liß-Walther und Jörgen Sonntag, emeritierter Kieler Propst und Vorsitzender des Nordelbischen Arbeitskreises Christen und Juden.

Für die künstlerische Konzeption der Ausstellung konnte der bekannte Professor für Graphik-Design an der Muthesius-Hochschule, Bernhard Schwichtenberg, gewonnen werden, der den Studentinnen Iris Mielke und Gudrun Niebuhr die Konkretion und Präsentation übertrug. Für zwei Gruppen von kleinen Stelltafeln wurden Kurztexte entwickelt mit den Überschriften: Protestantischer Zeitgeist, Theologische Wissenschaft, Pastor und Gauredner, Glockengeläut und Dankgottesdienste; sowie Evangelische Bekenntnisse und Glaubensbewegungen in der NS-Zeit (Bekennende Kirche, Deutsche Christen, Nationalkirche, Die Deutschkirche, Deutsche Glaubensbewegung). Neben diesen etwas plakativ formulierten Texten, die im vorliegenden Katalog zur Ausstellung fünf Druckseiten einnehmen, wurden auf Schildern, die an den Gesangbuchablagen der Kirchenbänke angebracht waren, die politischen Ereignisse und staatlichen Gesetze in jedem einzelnen Jahr zwischen 1933 und 45 in normaler Schrift, das kirchliche Geschehen kursiv und die Ereignisse in Nordelbien fett gedruckt den in den Kirchenbänken sich niederlassenden Besuchern die Ausstellung vor Augen geführt. Diese Chronologie der Ereignisse nimmt in der Dokumentation 27 Seiten ein und ist das Beste, was der Rezensent in solch gedrängter Form über die Zeit des Kirchenkampfes gelesen hat.

Als dritter Schwerpunkt der Ausstellung wurden zehn Akteure aus der NS-Zeit ausgewählt und mit ihren Biographien und Selbstzeugnissen vorgestellt. Damit sollten Opfer und Täter, Kirchenführer und Laien exemplarisch und konkret ins Blickfeld des Betrachters rücken. Da die Ausstellung an verschiedenen Orten gezeigt wurde und gezeigt wird, sollten die verschiedenen Kirchenkreise Gelegenheit haben, in einer vierten Abteilung eigenes hinzuzufügen. In Kiel wurde Dreifaches gezeigt:

  1. Akten, aus denen hervorgeht, daß ein Kieler Kirchenbeamter 1938 die Anfrage eines Reichsinstitutes über Taufen von Juden und „Mischehen“ nicht beantwortet, sondern die Akte „falsch“ eingeordnet hat.

  2. Dokumente über einen Pastor, der von seinen Konfirmanden bei der Gestapo angezeigt wurde.

  3. Programm des Deutschen Pfarrertags in Kiel 1938, auf dem der österreichische Pfarrerverein feierlich in den Reichsbund deutscher Pfarrer aufgenommen und der Hauptvortrag über das Thema „Deutsch und nordisch in Schleswig-Holstein in der Neuzeit“ gehalten wurde.

Der Rezensent kann sich in der Bewertung der Ausstellung und ihrer Texte den Bewertungen einiger der bekanntesten Zeitungen Deutschlands anschließen. Ralph Giordano äußerte in der Welt am Sonntag: „Hier hatte ich den Eindruck, der Sache wird wirklich auf den Grund gegangen, ohne Verdrängungs- und Beschönigungstendenzen.“ Die FAZ bemerkte: „Besser kann sich eine Institution ihrer dunklen Vergangenheit wahrscheinlich nicht stellen als durch eine kritische Ausstellung, die Platz in ihren eigenen Mauern findet“. Und die Frankfurter Rundschau stellte fest: „Der Ausstellung gelingt es, die Geschichte evangelischer Schuld wie christlich gelebter Zivilcourage im nationalsozialistischen Deutschland von den lichten Höhen der Wissenschaft und synodaler Bekenntnisse herabzuholen und einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen“.

Tatsächlich hat sich die Universität Kiel und ihre evangelische Theologische Fakultät an der Ausstellung nicht aktiv beteiligt, auch nicht an der Ausarbeitung verschiedener Referate und Aufsätze zum Thema Juden und Christen in Schleswig-Holstein. Die vermeintliche Lücke wird aber mehr als zufriedenstellend durch neue wissenschaftliche Aufsätze gefüllt, die auf der Ausstellung in Form von Faltblättern auslagen und die auf 169 Seiten das Herzstück der Dokumentation bilden und die Ausstellungstexte um das Dreifache übertreffen. „Die Wurzeln der Judenfeindschaft“ werden von Siegfried Bergler aufschlussreich bis ins Mittelalter verfolgt; Jörgen Sonntag verfasste einen luziden Aufsatz über „Martin Luther und die Juden“, in dem nicht nur die beiden Schriften des Reformators über die Juden interpretiert, sondern auch mit anderen Äußerungen konfrontiert werden, woraus sich eine erstaunliche Kontinuitätshypothese ergibt.

Stephan Linck, der Hauptverantwortliche für die Ausstellung, steuert Bemerkungen zum „Antisemitismus in der schleswig-holsteinischen Landeskirche“ bei: erschütternd zu lesen. Klauspeter Reumann, der anerkannte Fachmann für Fragen des Kirchenkampfes in Schleswig-Holstein, befasst sich eingehend mit der Schrift des Oberkonsistorialrats Halfmann „Die Kirche und der Jude“ von 1936. Die „Entjudung der Kirche“, ein Aufsatz von Hansjörg Buss, schließt daran thematisch sinnvoll an. Am eindruckvollsten sind aber die Berichte Bettina Goldbergs über „Jüdische Kinder und Jugendliche unter dem NS-Regime“. Theoretischer wird es dann wieder in der Darstellung „Katholische Kirche und Nationalsozialismus“ von Bernd Gaertner, der die gründliche katholische Forschung zu diesem Thema bis dato hervorragend zusammenfasst. Zwei außergewöhnliche Beiträge schließen den Sammelband ab: „Die mühsamen Schritte der evangelischen Kirche zur Anerkennung ihrer Mitschuld an der Judenverfolgung“ von Jörgen Sonntag und die Standortbestimmung von Joachim Liß-Walther „Über die Wunden und das Verbindende im Verhältnis zwischen Christen und Juden, Kirche und Israel“. Diese beiden Aufsätze gehören zum Eindruckvollsten, was man über die vergangenen und zukünftigen Beziehungen zwischen Juden und Christen lesen kann.
Albrecht Endriß

 
 
 
   
 

 

 

Ausstellung in Hamm
Kirche, Christen, Juden

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"
vom 30.05.2004

Hamburg – Die Wanderausstellung der Nordelbischen Kirche „Kirche, Christen, Juden“ wird vom 30. Mai bis 23. Juni in der Dreifaltigkeitskirche Hamm (Horner Weg) gezeigt. Zur Eröffnung am Pfingstsonntag nach dem Gottesdienst spricht der Historiker Stephan Linck. Weiter gibt es einen Vortrag über zionistische Erziehung im „Dritten Reich“ und die Ausbildungsstätte der Hechaluz (2. Juni, 19 Uhr) und einen Diskussionsabend „Wir sind die SA Jesu Christi – Diakonie im nationalen Aufbruch“ (3. Juni, 19 Uhr). Weitere Veranstaltungen folgen. – Öffnungszeiten di. bis fr. 11 – 17 Uhr, sa. 15 – 17 Uhr, so. 11 – 13 Uhr, Telefon 040/21 90 12 10.

 
 
 

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