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Presseberichterstattung Kiel
 

 

Kirche, Christen, Juden
in Nordelbien 1933 bis 1945
in der Ansgarkirche in Kiel

 

04.02

Enough is enough:
Kirche, Christen, Juden – eine Ausstellung thematisiert die kirchliche Schuld gegenüber Juden und Jüdinnen während der NS-Zeit

06.03.02

Kieler Express:
Begehrte Wanderausstellung

05.03.02

Kieler Nachrichten:
Ausstellung wandert weiter

25.02.02

Kieler Nachrichten:
Marathon der Organisten

09.02.02

Kieler Express:
Die Kirche in der NS-Zeit

09.02.02

Kieler Nachrichten:
Erinnern ohne Tabu

07.02.02

Kieler Nachrichten:
Historiker beleuchtete Rolle der Kirche während der NS-Zeit

03.02.02

Nordelbische Kirchenzeitung:
Kiels dunkles Kapitel
 

 
   
 
Mit einer Erklärung zur Aufhebung antijüdischer Kirchengesetze und zur kirchlichen Mitschuld an der Ausgrenzung, Diskriminierung und der Ermordung von Juden und Jüdinnen in der NS-Zeit hatte die Synode der Nordelbischen Kirche 1998, anlässlich des 60. Jahrestages der Reichspogromnacht, einen Aufarbeitungsprozess kirchlichen Verhaltens während des Nationalsozialismus in Gang gesetzt. Der Kieler Historiker Dr. Stephan Linck wurde mit der Erfassung und Auswertung von Quellen und der Erstellung einer Wanderausstellung beauftragt.
 

„Als Kirchenvogt, Kirchendiener oder Friedhofswärter kann nur ein evangelischer Christ angestellt werden, der rückhaltlos für den nationalen Staat und die Deutsche Evangelische Kirche eintritt. Wer nicht arischer Abstammung ist oder mit einer Person nicht arischer Abstammung verheiratet ist, darf nicht als Kirchenvogt, Kirchendiener oder Friedhofswärter angestellt werden.“

Gesetz der Lübeckischen Landeskirche vom 31. Dezember 1936

 
 

Kirche, Christen, Juden – eine Ausstellung thematisiert die kirchliche Schuld gegenüber Juden und Jüdinnen während der NS-Zeit

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "enough is enough", Nr. 16/2002

Die Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“ wurde nunmehr im September 2001 in Rendsburg eröffnet und ist nach Aufenthalten in Lübeck und Hamburg zur Zeit in Kiel zu sehen. Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Teiles der jüngsten Kirchengeschichte war von einem synodalen Prozess begleitet, der eine Neubestimmung des Verhältnissen von Christen und Juden ermöglichen und einleiten sollte. In der Synodenerklärung der Herbsttagung 2001 mit dem Titel „Christen und Juden“ heisst es hierzu ungewohnt eindeutig:
„Wir bekennen: Durch antijüdische Auslegungen der Bibel und durch eine entsprechende Verkündung und Lehre ist die Kirche mitverantwortlich und mitschuldig an der Jahrhunderte langen Geschichte der Feindseligkeit gegen Juden im Abendland, ihrer Entrechtung und Verfolgung, die in der fast vollständigen Vernichtung des europäischen Judentums, der Schoa, gipfelte.“
Neben einer Reihe von mehr oder weniger konkreten Maßnahmen zur Förderung des christlich-jüdischen Dialogs lässt das Papier allerdings eine eindeutige Verurteilung des anwachsenden Antisemitismus in Deutschland vermissen. So blieb es der Hamburger Bischöfin Jepsen vorbehalten, „in einer Zeit, wo der Antisemitismus mit seinen Stammtischwitzen und Parolen über das Weltjudentum wieder zunimmt“ eine klare Haltung der Kirche gegen eine Stimmung, die längst auch die Eliten der Bundesrepublik erfasst hat, einzufordern. Dass sie mit dieser Forderung nicht auf die Zustimmung aller Theologen trifft, belegt eine Stellungnahme des Kieler Theologieprofessors Ulrich Hübner. Dieser hatte im Vorfeld des Synodenpapiers heftig kritisiert, dass „in protestantischen Kreisen seit Jahrzehnten eine ebenso peinliche wie charakterlose Anbiederung an Juden ebenso gepflegt wurde und wird wie die damit verbundene, inflationär gewordene Mode litaneiähnlicher Selbstbezichtigungen (...) zu Gunsten von Juden“ und sich in Verkennung von Sinn und Zweck der Synodenerklärung mit durchaus antisemitischen Untertönen „kritisch“ zum Nah-Ostkonflikt geäußert. Positiv aufgenommen wurden diese Ausfälle beispielsweise von der rechtsradikalen Zeitschrift „Junge Freiheit“, in ihrer Novemberausgabe.

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Begehrte Wanderausstellung

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Kieler Express, 6. März 2002

Nach Beendigung der Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“ in der Ansgarkirche zeigt sich Stadtpastor Joachim Liß-Walther sehr zufrieden. Mehr als 2300 Besucher nahmen das Angebot von Ausstellung und den Begleitveranstaltungen an. „Angesichts des bedrückenden Themas aus schwarzer Zeit eine erstaunlich hohe Anzahl“, so Liß-Walther. Die durchgehend sehr positiven und bewegten Reaktionen zeigten, dass die vorurteilslose und ehrliche Aufbereitung der nordelbischen Kirchengeschichte anerkannt wird und zu weiteren Nachforschungen Anlass gebe. Die Ausstellung ist schon jetzt bis ins Jahr 2004 ausgebucht und wird im März im Meldorfer Dom und im April im Schleswiger Dom zu sehen sein.

 
 
 
   
 
   

Ausstellung wandert weiter

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Kieler Nachrichten, 5. März 2002

Mehr als 2300 Menschen haben die Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“ und das Begleitprogramm in der Ansgarkirche besucht. Stadtpastor Joachim Liß-Walter bewertete die Zahl gestern in einer Abschlussbilanz angesichts des bedrückenden Themas als erstaunlich: „Die durchgehend sehr positiven und bewegten Reaktionen zeigen, dass die vorurteilslose und ehrliche Aufbereitung der nordelbischen Kirchengeschichte 1933-1945 anerkannt wird und bereits zu weiteren Nachforschungen Anlass gibt“. Die Ausstellung ist im März im Meldorfer Dom zu sehen und wandert im April in den Schleswiger Dom.

 
 
 
   
 
Lange Nacht im Zeichen jüdischer Komponisten
 

Marathon der Organisten

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Kieler Nachrichten, 25. Februar 2002

Die akustisch vorteilhafte, mit einer hervorragenden Konzertorgel ausgestattete Kieler Ansgarkirche bot wieder den Rahmen für eine fast fünfstündige Orgelnacht mit neun Kantoren und Organisten aus Kiel und Umgebung. Die Besucher wurden dabei konfrontiert mit Texttafeln, die im Rahmen der Ausstellung Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-45 den allerdings nicht durchgängigen moralischen Zusammenbruch der Kirche während der NS-Herrschaft beschrieben. Dem Thema gemäß wurden Beiträge von Komponisten jüdischer Herkunft in die von Stadtpastor Joachim Liß-Walther moderierte Programmfolge einbezogen. Dazu zählten vor allem drei Sonaten, durch die Felix Mendelssohn das Repertoire der Orgelmusik wesentlich bereicherte und mit denen Andreas Koller (Ansgar- und Pauluskirche), Reinfried Barnett (Mettenhof) und Universitätsorganistin Christiane Godt in flutenden Klangmassen romantische Apotheosen evozierten.

KMD Robert Dears, Beauftragter für katholische Kirchenmusik in Schleswig-Holstein, machte prägnant neben einem Passions-Choral J. S. Bachs auf die Französin Jeanne Demessieux und auf den Zeitgenossen Herbert Paulmichl, vor allem aber auf den in die USA emigrierten Ernest Bloch aufmerksam, bevor der stets einfallsreiche Wilko Ossoba (Kirchbarkau) hörenswerte Fragmente von Arnold Schönberg und Kompositionen von Giacomo Meyerbeer in einer eigenen Bearbeitung darbot. Auch Stücke von Darius Milhaud und dem als progressiven Pianisten bekannten Charles-Henri V. Alkan gehörten zur „jüdischen“ Farbe dieser Orgelnacht.

Zur Riege der Interpreten gehörten weiterhin die noch junge Organistin (und Medizinstudentin) Anne-Maja Hergt mit Bach und Brahms, ferner Gertrud Reinel (Kronshagen) mit einem altfranzösischen Magnificat von Dandrieu, sowie der beliebten Suite gotique des Elsässers Lèon Boellmann. David Pearson (Einfeld) trug Psalmmeditationen aus England von Howells und Hurford vor. Der auf alte Meister spezialisierte Thomas Walther brachte stimmig Joh. K. Kerll und den Hamburger Joh. Prateorius ins Spiel. Köller und Godt ließen auch erstmals Concerti aus dem kürzlich publizierten Husumer Orgelbuch erklingen, einer bislang unbekannten Kopenhagener Anthologie von 1758. EN

 
 
 
   
 
 
 

Die Kirche in der NS-Zeit

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Kieler Express, 09.02.2002

Ausstellung Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945

Warum hat sich die Kirche „freudig in den Dienst der nationalsozialistischen Sache gestellt?“ Warum hat sie zur Diskriminierung und Ermordung von Juden, Christen jüdischer Herkunft und anderen geschwiegen? Und warum haben viele Kirchenführer den Nazis nachgeeifert und die Diskriminierungsgesetze übernommen? Fragen über Fragen, denen der Kieler Historiker Dr. Stephan Linck im Rahmen eines Forschungsprojektes 1999 nachgegangen ist – im Auftrag der Synode der Nordelbischen Kirche. Das Ergebnis ist in der Wanderausstellung Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945 zusammengefasst. Wie selten zuvor geht die Kirche hier ohne jedes Tabu mit ihrer eigenen Vergangenheit um. Bereits im Jahr 2001 hatte sich die Synode der Nordelbischen Kirche zur Mitschuld an der Verfolgung von Juden in der NS-Zeit bekannt.

Dargestellt werden Biographien von Tätern und Opfern im Umfeld der damaligen drei norddeutschen Landeskirchen. Es wird offen gemacht, wie die Kirche mit Mitarbeitern „nichtarischer“ Herkunft umgegangen ist. Gezeigt wird auch, welche existentielle Bedeutung bislang verstaubte Kirchenbücher in der NS-Zeit bekamen, da in ihnen Geburt, Taufe und Abstammung verzeichnet sind.

Die Ausstellung ist bis zum 3. März jeweils montags bis sonnabends in der Zeit von 10 bis 18 Uhr in der Ansgar Kirchengemeinde in der Holtenauer Straße/Waitzstraße zu sehen. Daneben gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm, das unter Tel. 56 26 64 zu erfragen ist. Infos sind darüber hinaus im Internet unter www.kirche-christen-juden.org abrufbar.
 

 
 
 
   
 
   

Erinnern ohne Tabu

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Kieler Nachrichten, 09.02.2002

Von Joachim Liß-Walther, Pastor an der Ansgarkirche, Ev. Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein

„Tief berührt“ sei er gewesen. Hier werde „der Sache wirklich auf den Grund gegangen. Ohne Verdrängungs- und Beschönigungstendenzen.“ Hier passiere „etwas, was nur sehr selten passiert.“ Der das sagte, ist hierzulande kein Unbekannter: Ralph Giordano, Publizist und Schriftsteller aus Hamburg, Sohn eines jüdischen Musikerehepaares, dessen Familie den Terror des Nationalsozialismus überlebte, weil die mutige Grete Schulz sie unter Lebensgefahr versteckt hatte. Und Ralph Giordano sagte das über die Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“, nachdem er sie im Januar in der Hamburger Hauptkirche St. Petri besucht hatte. Nicht zuletzt durch ihn hat diese Ausstellung bundesweit positive Beachtung gefunden.

In bisher einzigartiger Weise stellt sich die Nordelbische Kirche „spät, aber nicht zu spät“ ihrer Verantwortung, im Rückblick ohne Tabus. Es handelt sich um eine im besten Sinne aufklärende Ausstellung. Sie ist notwendig, weil sie deutlich macht, wie es „passieren“ konnte, dass große Teile der evangelischen Kirche sich ohne Not, zumindest ohne Notwendigkeit, aktiv oder widerstandslos dem Nationalsozialismus eingliederten, das Kreuz zum Hakenkreuz umdefinierten oder dem Hakenkreuz einverleibten. Sie zeigt, was geschieht, wenn sich die christliche Kirche von ihrer jüdischen Wurzel, vom Bekenntnis zu Jesus, dem Juden, losreißt: Christentum wird unchristlich.

Diese beeindruckende und ehrliche Ausstellung, Gedenken und Mahnmal zugleich, wird morgen mit einem Gottesdienst in Kiel in der Ansgarkirche eröffnet und bis zum 3. März gezeigt werden. Sie sind eingeladen, sich diesem traurigen Kapitel unserer Kirchengeschichte zu stellen und dabei auch die Lichtblicke wahrzunehmen, die es damals denn doch gegeben hat.
 

 
 
 
   
 
   

Historiker beleuchtete Rolle der Kirche während der NS-Zeit

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Kieler Nachrichten, 07.02.2002

von Boris Geißler

In der siebten Klasse wählte Stephan Linck Latein. Der 1964 in Hamburg geborene Junge wollte unbedingt Geschichte studieren. Heute arbeitet der promovierte Historiker im Nordelbischen Kirchenarchiv, Winterbeker Weg 51, in einem großen Dach-Büro mit Sahne-Blick über Kiel.

Im Juli 1999 begann der Historiker an einem Forschungsprojekt zu arbeiten, das die Synode der Nordelbischen ev.-luth. Kirche in Auftrag gegeben hatte. Das Ergebnis ist die Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“ – Projektleiter ist Dr. Stephan Linck. Die Ausstellung wird morgen um 17 Uhr in der Ansgarkirche (Holtenauer Straße/Waitzstraße) eröffnet, gezeigt wurde sie in Rendsburg, Lübeck und Hamburg.

Linck: „Es ist die erster Ausstellung dieser Art in Deutschland.“ Und es gehe vor allem um eine Frage: Warum haben Kirchemänner im Dritten Reich sich an der Denunzierung, Verfolgung und manchmal sogar Ermordung von Juden beteiligt? „Da war etwa Ernst Szymanowski. Der NSDAP-Genosse wurde Probst von Neumünster und später von Bad Segeberg. Als Chef eines Einsatzkommandos befehligte er die Ermordung von bis zu 3000 Menschen.“

„Die Dimension der Schuld“, sagt Linck, „ist so groß, dass weder die Generation der Täter noch die der Kinder das aufarbeiten konnten.“ Jetzt also kommen die Enkel. Die Kirche sei damals die einzige nicht „gleichgeschaltete“ Einrichtung gewesen, so Linck, „wenn Pastoren damals hetzten, so taten sie das freiwillig.“

Linck suchte während seiner Recherchen Fakten und Bilder etwa im Bundesarchiv in Lichterfelde zusammen, im „Berlin Document Center“, aber auch in Kirchenbüchern Schleswig-Holsteins. Doch er ist nicht nur am Blick zurück interessiert: „Wir wollen Besucher anregen, sich mit der Frage zu beschäftigen: Wie sollte ich handeln?“ Denn, das zeigt die Ausstellung deutlich: Es gibt fast immer Handlungsspielräume.

Die Ausstellung ist vom 11. Februar bis zum 3. März montags bis sonnabends (10-18 Uhr) geöffnet. Nähere Infos zum Begleitprogramm unter Tel. 56 26 64.
 

 
 
 
   
 
   

Kiels dunkles Kapitel

Nordelbische Kirchenzeitung, 03.02.2002

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

VON REINHART KAUFFELD

Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“. Die nordelbische Wanderausstellung kommt nach Kiel. Dazu gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm.

KIEL – Vom 8. Februar bis zum 3. März zeigt die Ansgar Kirchengemeinde in der Holtenauer Straße / Waitzstraße die Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“. Die Ausstellung ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes des Kieler Historikers Dr. Stephan Linck, das die Synode der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche 1998 in Auftrag gegeben hat.

Geöffnet ist die Ausstellung montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr. Führungen finden statt jeweils dienstags und donnerstags um 15 Uhr und an den Sonntagen nach dem Gottesdienst. Gruppenführungen können vereinbart werden (Tel. 0431 / 56 26 64).

Die bereits in Rensburg, Lübeck und Hamburg mit großem Erfolg gezeigte Ausstellung geht der Frage nach, warum sich die Kirche „freudig in den Dienst der Sache (nämlich des Nationalsozialismus) gestellt“ hat, warum sie zur Diskriminierung und Ermordung von Juden, Christen jüdischer Herkunft und anderen geschwiegen hat, und warum viele Kirchenführer den Nazis nachgeeifert und die Diskriminierungsgesetze übernommen haben. Auch wird der Frage nachgegangen, wie die Kirche mit ihren Mitarbeitern „nichtarischer“ Herkunft umgegangen ist. Außerdem wird gezeigt, welche existentielle Bedeutung bis dahin verstaubte Kirchenbücher in der NS-Zeit bekamen, da in ihnen Geburt, Taufe und Abstammung verzeichnet sind.

Auf Initiative von Stadtpastor Joachim Liß-Walther, dem evangelischen Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein, ist die Ausstellung nun in Kiel zu sehen. Ebenfalls hat Pastor Liß-Walther ein umfangreiches Begleitprogramm zusammengestellt.

Besonderes Interesse verdient dabei ein Vortrag über den Pastor und späteren Bischof Wilhelm Halfmann, der einerseits der Bekennenden Kirche angehörte, andererseits einen theologische traditionell geprägten Antijudaismus vertrat. Gehalten wird der Vortrag von Oberstudienrat Michael Behtke, dessen Mutter als Kriegerwitwe mit drei Kindern Wilhelm Halfmann 1949 heiratete. Bethke war damals 10 Jahre alt. 1955 wurde er von seinem Stiefvater Wilhelm Halfmann in der Ansgarkirche, eben der Kirche, in der jetzt die Ausstellung gezeigt wird, konfirmiert. Aufgrund dieser familiären Verbundenheit ist es Bethke möglich, ein sehr viel differenzierteres Bild seines Stiefvaters zu zeigen als es die Ausstellung vermag. So zitiert er einen Beschluss des Flensburger Kirchenvorstandes vom 10. Januar 1934. In diesem heißt es: „ Herr Pastor Halfmann hat... die Anordnungen der Regierung nicht nur sabotiert, sondern geradezu lächerlich gemacht...“ Dieses Zitat zeigt, dass Halfmann und seine Mitbrüder dafür eintraten, die Kirche vor der völligen Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten zu schützen. Dennoch stand Halfmann in der Tradition des Luthertums, auch in Hinblick auf dessen theologisch motivierten Anti-Judaismus.

Bethke bedauert, dass diese Zusammenhänge in der Ausstellung nicht zur Sprache kommen, denn „jedes von Halfmann zitierte Wort wird als persönliche Schuld gebrandmarkt und plakativ dargeboten. Wilhelm Halfmann hätte es wohl bußfertig hingenommen, dass seine Enkel nur noch dies von ihm vermitteln, ob es aber der Nordelbischen Kirche so gelingt, sich von ihrer Vergangenheit zu befreien, mag bezweifelt werden.“

Der Vortrag findet statt am Mittwoch, 13. Februar um 19 Uhr in der Ansgargemeinde. Infos zur Ausstellung gibt es im Internet unter www.kirche-christen-juden.org.

 
 
 
   
 
     

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