Download

Unterrichtsmaterialien

Pressearchiv und
Rahmenprogramme

Literatur
 
   

Presseberichterstattung Lübeck
 

 
St. Marien in Lübeck
 

04.11.2001

Nordelbische Kirchenzeitung:
Bilder verzweifelter Schicksale

11/2001

Kirchenkreis Lübeck - Pressestelle:
Jiddische Lieder in St. Marien am Sonntag, 4. November, 19.30 Uhr

30.10.2001

Lübecker Stadtzeitung:
Zeit des Erinnerns für die Zukunft

30.10.2001

Lübecker Nachrichten:
Die Kirche dokumentiert ihre historische Schuld

 
 
 
 

Bilder verzweifelter Schicksale

Nordelbische Kirchenzeitung, Nr.45, 4.11.01

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

LÜBECK – Religiös verbrämter Fanatismus in der Politik führte in den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in der evangelischen Kirche zu Entscheidungen, die ihr heute leid tun. Diese Geschichte hat die Nordelbische Kirche in einem zweijährigen Forschungsprojekt aufgearbeitet. Das Ergebnis liegt jetzt in einer Wander-Ausstellung vor.

„Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“ wird in der Lübecker St. Marien-Kirche bis zum 6. Dezember zu sehen sein – einem traurigen Datum: Denn vor genau 60 Jahren, am 6. Dezember 1941, wurden 92 Lübecker Juden und Jüdinnen deportiert.

In Dokumenten und Bildern geht die Ausstellung der Geschichte der Verfolgung der Juden nach. Das Forschungsprojekt hatte die Synode der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche im Anschluss an eine Schulderklärung zum 60. Jahrestag der Reichspogromnacht in Auftrag gegeben.

Umgang mit christlichen Juden ist Schwerpunkt

Ein Schwerpunkt ist der Umgang mit den christlichen Juden und Jüdinnen. Erzählt wird in Lübeck unter anderem die Geschichte der jüdischen Geschwister Grünfeld aus Lübeck. Emma Grünfeldt war Lehrerin an der Kahlhorstschule, gehörte zur Dom-Gemeinde und besuchte die Gottesdienste in der St. Jürgen-Kapelle. Über das Leben, Leiden und Sterben der drei Schwestern informiert auch eine vom Kirchenkreis herausgegebene Broschüre, die Forschungsergebnisse des Historikers Dr. Peter Guttkuhn vorstellt.

Eröffnet wurde die Ausstellung am Reformationstag, 31. Oktober, mit einem Gottesdienst und einer Einführung des Historikers Dr. Stefan Linck, der die Ausstellung konzipiert hat. Aus aktuellem Anlass hat Probst Ralf Meister zusammen mit jüdischen und muslimischen Mitbürgern einen ersten Rundgang unternommen.

Jiddische Lieder eines Krakauer Liedermachers

Ein besonderer Höhepunkt der Ausstellung ist ein Konzert am Sonntag, 4. November, um 19.30 Uhr: Manfred Lemm singt in der St. Marien-Kirche jiddische Lieder des Krakauer Liedermachers Mordechai Gebirtig. Auch an den folgenden Sonntagen in den Gottesdiensten und in sol genannten Mittwochsgesprächen wird das Thema vertieft.

Die Ausstellung wird umrahmt von der seit 1991 in dieser Zeit stattfindenden städtischen Reihe „Zeit des Erinnerns – für die Zukunft“. Bis zum 6. Dezember beteiligen sich auch in diesem Jahr wieder verschiedene Organisationen und Einrichtungen anlässlich des 9. Novembers 1938 an Gedenk- und Aufklärungsveranstaltungen. Die Veranstaltungen verstehen sich als ein Appell an Toleranz und Zivilcourage im Miteinander.

So wird unter anderem in der Lutherkirche, Moislinger Allee 90, eine ständige Fotodokumentation gezeigt („Lösch mir die Augen aus“), die an das gewaltsame Sterben von vier Lübecker Geistlichen in der Zeit des Nationalsozialismus erinnert (Voranmeldung unter 0451 / 86 10 49). Das Kulturforum Burgkloster, Hinter der Burg 2-4, zeigt Aspekte jüdischen Lebens in Lübeck („...dahin wie ein Schatten“). Dokumentiert wir die Lübecker Geschichte jüdisch-christlicher Beziehungen von 1645 bis in die jüngere Zeit.
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 10-16 Uhr. Eintritt fünf/drei /eine Mark. Führung nach Vereinbarung unter 0451 / 122-41 95.

kvr/kri

Einzelveranstaltungen:

Sonnabend, 3.11., 14 Uhr ab DGB-Haus:
Stadtrundgang „Widerstand und Verfolgung“.

Sonntag, 4.11. um 11.30 Uhr Geschichtswerkstatt Herrenwyk, Kokerstraße 1-3:
Einführung in eine Fotodokumentation zur Zwangsarbeit; um 19.30 Uhr St. Marien-Kirche: Jiddische Lieder.

Donnerstag, 8.11., 14 Uhr in der Synagoge St. Annenstraße:
Gedenkgottesdienst; 20 Uhr Kulturforum Burgkloster: Lesung aus „Nicht ohne Hoffnung“.

 
 
 
   
 
Pressetext zur Ausstellung in
Lübeck
 
 

Jiddische Lieder in St. Marien am Sonntag, 4. November, 19.30 Uhr

Kirchenkreis Lübeck - Pressestelle -

Gehat hob ich a hejm..., so beginnt eines der vielen Lieder des jiddischen Dichters und Liederschreibers Mordechai Gebirtig aus Krakau. Ein anderes Lied " ´s brennt, brider ´s brennt" nimmt prophetisch die Vernichtung der jüdischen Menschen und damit der jüdischen Kultur in Osteuropa vorweg. Der populäre Dichter unzähliger jiddischer Volkslieder, der von Beruf Möbeltischler war, begleitete mit seinen Liedern die Bedrückung und Vernichtung der Krakauer Juden.

Manfred Lemm hat vor einigen Jahren das Gesamtwerk Mordechai Gebirtigs herausgegeben. Am 4. November wird Lemm mit seinem Ensemble in St. Marien um 19.30 Uhr eine Auswahl dieser Lieder präsentieren. Das Konzert findet im Rahmen der Wanderausstellung "Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 - 1945" statt.

Die Ausstellung ist vom 31. Oktober bis zum 6. Dezember zu sehen. Sie setzt sich mit dem Verhältnis der Kirche zu den Juden in der NS-Zeit auseinander.

Begleitet wird die Ausstellung durch Mittwochsgespräche zu geschichtlichen und theologischen Themen. Dabei geht es um die Auseinandersetzung mit dem kirchlichen Antijudaismus oder um die Geschichte von Emma Grünfeldt. Die christliche Religionslehrerin an der Kahlhorstschule war wegen ihrer jüdischen Abstammung 1941 deportiert worden. Die Gestaltung einer friedlichen und gerechten menschlichen Gesellschaft ist nicht ohne die Fähigkeit der Erinnerung zu haben, erklärt Pastor Volker Schauer, der die Ausstellung und das Begleitprogramm in Lübeck verantwortet. Ohne ein Bewußtsein geschichtlicher Erfahrung sei Zukunft nicht zu haben. Daran zu erinnern sei in einer Zeit kurzer Gedächtnisse und hektischer Reaktionen besonders wichtig.

Kirchenkreis Luebeck - Pressestelle -
Baeckerstr. 3-5
23564 Luebeck
Tel.: 0451/7902-128
FAX: 0451/7902-228

 
 
 
   
 
   

Die Kirche dokumentiert ihre historische Schuld

Mit freundlicher Genehmigung der Lübecker Nachrichten, 30.10.01

von Michael Berndt

Die Kirche hat während des dritten Reiches Schuld auf sich geladen. Auch in Lübeck. Jetzt wird sie aufgearbeitet. Ergebnis zweijähriger Forschungen ist eine beeindruckende, vom Historiker Dr. Stephan Linck vom Nordelbischen Kirchenarchiv konzipierte Wandersausstellung, die morgen aus Anlass des Reformationstages um 17 Uhr in der Marienkirche eröffnet wird und dann durch ganz Deutschland (Anm.: Richtig ist: durch Schleswig-Holstein und Hamburg; d. Red.) zieht.

„Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“ geht in Dokumenten und Bildern der Ausgrenzung und Verfolgung von Juden nach. „Juden können nicht Glieder der evangelisch-lutherischen Kirche in Lübeck werden“, hatte beispielsweise der Lübecker Kirchenrat am 23. Februar 1939 verfügt. Und kein Pastor könne verpflichtet werden, Amtshandlungen an solchen Juden vorzunehmen, die bereits Kirchenmitglieder seien. „Ein zentrales Kapitel kirchlicher Schuldgeschichte wird mit dieser Ausstellung berührt“, erklärt Probst Ralf Meister, der morgen die Predigt zur Eröffnung hält und im Anschluss gemeinsam mit jüdischen und moslemischen Mitbürgern einen ersten Rundgang unternimmt.

Dort begegnen sie unter anderem Fotos und Schriftstücken dreier Lübecker Schwestern. Emma war Lehrerin an der heutigen Kahlhorstschule, ihre Schwester Minna Telefonistin beim Lübecker Fernmeldeamt, Schulsekretärin am Katharineum und später Verkäuferin. Beide waren vom Judentum zum evangelischen Glauben übergetreten, während die konfessionslose Clara den gemeinsamen Haushalt in der Charlottenstraße 26 versorgte. Die Schwestern gehörten zum ersten Deportationstransport von 90 Lübecker Juden am 6. Dezember 1941. In Riga wurden sie ermordet. Dr. Peter Guttkuhn hat das Schicksal der Grünfeldts nachgezeichnet. Das Heft ist für eine Schutzgebühr von zwei Mark in der Marienkirche erhältlich. Führungen finden dort immer dienstags und donnerstags ab 12.05 Uhr und nach Vereinbarung statt.

Am 6. Dezember, 60. Jahrestag der Deportation, geht die Ausstellung in Lübeck zu Ende, das symbolische Datum ist absichtsvoll gewählt. Bis dahin wird das Thema jeweils in den Sonntagsgottesdiensten in St. Marien und so genannten Mittwochsgesprächen (19 Uhr) vertieft. Ein Höhepunkt wird das Konzert von Manfred Lemm am 4. November um 19.30 Uhr sein. Lemm gilt als herausragender Protagonist des jiddischen Liedes in Deutschland und widmet sich ganz besonders den Werken von Mordechai Gebirtig (1877 bis 1942), eines der größten Dichter jiddischer Sprache.

Die Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien“ ist eingebettet in die „Zeit des Erinnerns“, während der Lübeck seit elf Jahren der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 gedenkt. Das Burgkloster, die Geschichtswerkstatt, das kommunale Kino und viele andere Institutionen beteiligen sich.

 
   
     

Impressum | Copyright 2001 | Nordelbisches Kirchenamt - Archiv - | Postfach 3449 | 24033 Kiel