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Presseberichterstattung Meldorf
 

 

Black Box im Meldorfer Dom
(Dwarslölper 1/2002, März 2002)

 

 

16./17.03.02

Dithmarscher Landeszeitung:
Großes Interesse an Lesung aus „Nesthäkchen kommt ins KZ“

12.03.02

Evangelische Radiokirche im NDR:
Moment mal - Ralph Giordano

11.03.02

Dithmarscher Landeszeitung:
Antisemitismus in der Kirche

02./ 03.03.02

Dithmarscher Landeszeitung:
Kirche arbeitet Geschichte auf

02.03.02

taz Hamburg:
Informationen über Nazi-Verbrechen

03.2002

zeitzeichen, Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft, 3/2002:
„Vergasen ist menschlich angenehmer“

03.2002

Dwarslölper 1/2002:
Kräfte der Versöhnung stärken

03.2002

Dwarslölper 1/2002:
Brief von Klaus Looft

03.2002

Dwarslölper 1/2002:
Die Ausstellung “Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945” im Meldorfer Dom

28.02.02

Meldorfer Zeitung:
Christen und Juden – eine Ausstellung

17.02.02

Nordelbische Kirchenzeitung:
Sich der Vergangenheit stellen

20.01.02

Nordelbische Kirchenzeitung:
Historische Ausstellung im Meldorfer Dom

 
   
 
Biografin Marianne Brentzel zeichnet klares Bild der jüdischen Schriftstellerin Else Ury
 

Großes Interesse an Lesung aus „Nesthäkchen kommt ins KZ“

Mit freundlicher Genehmigung der Dithmarscher Landeszeitung

16./17. März (62/2002)

Von Minne Rössler

Meldorf – Die Geschichte Dithmarscher Mädchen und Frauen, die in der NS-Zeit hier aufgewachsen sind und gelebt haben, ist noch nicht geschrieben. Aber die meisten von ihnen kennen die Nesthäkchen-Romane von Else Ury.

Anknüpfungspunkt für das evangelische Frauenwerk Dithmarschen, die Ury-Biografin Marianne Brentzel zu einem Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Kirche, Christen, Juden“ in den Dom einzuladen. Und weit mehr als 100 Besucher lauschten dem Bericht der freien Journalistin und Autorin.

Was viele nicht wissen oder verdrängt haben. Die Schöpferin der Bestseller-Backfischgeschichten war Jüdin. Else Ury starb in den Gaskammern von Auschwitz im Januar 1943. Ausgesondert als nicht arbeitsfähig kam sie in den Annalen des Konzentrationslagers allein deswegen nicht vor, weil sie direkt von der Rampe aus, wo ihr Deportationszug aus Berlin einlief, in die Gaskammer geschickt wurde.

Marianne Brentzel wurde von vielen namhaften Kritikern bekannter Publikationen eine sehr sorgfältige Recherche bescheinigt, als sie 1996 die Biografie Else Sarah Ury’s vorlegte – unter dem Titel „Nesthäkchen kommt ins KZ“.

Aus heutiger Sicht kaum verständlich: Die große, blonde, intelligente, aber etwas aufmüpfige Annemarie Braun, die Heldin der Trivialromane, verkörperte offensichtlich ein Frauenbild, das den Machthabern des Dritten Reiches nicht gefiel. Else Ury’s Bücher wurden verboten.

In der DDR übernahm man die Ächtung: Zu sehr dem Bildungsbürgertum verpflichtet, das die Idee einer heilen harmonischen Welt transportiert.

Else Ury war alles andere als eine Revolutionärin. Jüdin im Berlin der vorletzten Jahrhundertwende zu sein, bedeutete anerkannt als gleichberechtigt neben den Christen zu sein. Sie lebte in der Gewissheit, vor dem Hintergrund einer humanen, aufgeschlossenen deutschen Kultur könne ihr nichts passieren. Ein Irrtum, den sie mit ihrem Leben bezahlte.

Wie viele Frauen – auch unter der Bettdecke – Else Ury’s Nesthäkchenbücher verschlungen haben, zeigt der überwältigende Widerhall auf den Aufruf des Frauenwerks, alte Bücher der Bestsellerautorin beizubringen.

In der Buchhandlung Sund in Heide sind Exemplare der Erstveröffentlichungen von Nesthäkchenbüchern, aus den Jahren 1917 und 1918, ausgestellt.

Für die zur Verfügung gestellten Bücher stiftete Sud Büchergutscheine. Gewinnerinnen dieser Aktion waren Rita Marquard, Elisabeth Susa, Telsche Huesmann, Frau Wrede, Kerstin Witt, Christa Lange, Annemarie Joschko, Lenschen Roloff und Frau Musfeld. Einen Sonderpreis erhielt Frauke Johannsen. In ihrem Familienbesitz fand sich ein Exemplar von „Goldblondchen“. Eine Rarität.

Außer den gedruckten Vorlagen ist von der Schriftstellerin nichts handschriftliches überliefert.

 
 
 
   
 
Ausstellung im Meldorfer Dom
 

Antisemitismus in der Kirche

Mit freundlicher Genehmigung der Dithmarscher Landeszeitung

11.03.02

Von Stefan Carl
Meldorf - „Schalom alechem“ - mit dieser hebräischen Form des „Friede sei mit Euch“ hat Propst Klaus-Jürgen Horn am vergangenen Freitagabend die Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“ (wir berichteten) im Meldorfer Dom eröffnet.Eine Ausstellung, die zum Nachdenken zwingt und Christenmenschen den kritischen Blick auf ihre Kirche abverlangt. Eine Kirche, die verfolgte, eine Kirche, die auch verfolgt wurde.

Die Ausstellungsmacher vom Nordelbischen Kirchenarchiv, Dr. Anette Göhres und Dr. Stephan Linck gaben den zahlreichen Gästen eine Einführung in Entstehung und Zielsetzung der Ausstellung. „Nur die Verbindung der historischen Aufarbeitung mit der theologischen Erneuerung ermöglicht das, was Sie heute hier sehen“, erklärte Dr. Göhres.

Der Historiker Dr. Stephan Linck erklärte, dass in Dithmarschen vor 1933 drei Menschen jüdischen Glaubens in Norder- und weitere fünf in Süderdithmarschen gezählt wurden. „Die Frage der Verfolgung stellt sich hier daher weniger. Aber Antisemitismus braucht den direkten Gegenüber auch nicht“, sagte er. Die Ausstellung sei wertfrei, aber „es ist nicht leicht, sich auf sie einzulassen. Wieviele das aber getan haben, stimmt mich hoffnungsvoll“, so Linck weiter.

Wer die Ausstellung besucht, wird zuerst im Vorraum über verschiedene theologische Strömungen und antisemitische deutsche Kirchen unterrichtet. Im Portal wird der Besucher dann mit einer Grundausstattung von drei Faltblättern versorgt, anhand derer er sich durch die Ausstellung „hangeln“ kann. Gezeigt werden neun evangelische Christen und ihr Verhalten im NS-Staat sowie eine Kirchengemeinde. Das lokale Fenster gibt Aufschluss über Schicksale vor Ort. Gebaut wurde die Ausstellung von Kieler Studenten der Malthesius-Hochschule, Iris Mielke und Holger Stöhrmann (25), der aus Heide stammt. Besonderes Lob galt seitens Linck den beiden Dithmarscher Kirchenkreisen. Sie stellen an jedem Tag der Ausstellung einen Pastor, der Fragen beantwortet und Hilfestellung bei der Bewältigung der Ausstellung gibt. „Das hat es bisher nicht gegeben“, so Linck.

 
 
 
   
 
Ausstellung im Meldorfer Dom mit „lokalem Fenster“
 

Kirche arbeitet Geschichte auf

Mit freundlicher Genehmigung der Dithmarscher Landeszeitung

2./3. März 2002

Meldorf (ca) Erstmals im ländlichen Raum wird in den Kirchenkreisen Norder- und Süderdithmarschen die Ausstellung „Kirche, Christen und Juden 1939 bis 1945“ gezeigt. Die Nordelbische Kirche (NEK) ist eine der letzten, die sich mit dieser Thematik beschäftigt.

Ein Grund, warum sich Nordelbien als eins der letzten Kirchenländer mit der Frage des Verhaltens von Christen gegenüber Juden während des Nazi-Regimes auseinandersetzt, mag die späte Entstehung der NEK 1977 sein. Anlass zur Ausstellung ist laut Probst Klaus Jürgen Horn eine Schulderklärung der NEK von 1998. Ein Ergebnis dieses Bekenntnisses ist die Ausstellung. Eine weitere Folge ist, dass kürzlich die Präambel der NEK-Verfassung der Passus „von der bleibenden Treue Gottes zu seinem Volk Israel“ zugefügt wurde.

Beauftragte der Kirchenkreise für die Ausstellung, die am Freitag, 8. März, im Dom eröffnet wird, sind die Heider Pastorin im Ruhestand, Lieselotte Wagner, sowie der Superintendent im Ruhestand, Klaus Looft, der in Barlt lebt. Er sowie Wagner hoffen, „dass viele Lehrer die Ausstellung mit ihren Schulklassen besuchen. Wir sind auch bereit, in die Schulen zu gehen, um das Thema im Unterricht zu behandeln“, bietet Looft an.

Besonders interessant dürfte für die Dithmarscher Bevölkerung das so genannte lokale Fenster sein. Darin wird die Thematik, wie sie sich hier vor Ort darstellt, geschildert. Es werden Beispiele der Aufgabe christlicher Werte im Zuge von Obrigkeitsgehorsam ebenso aufgezeigt wie Pastoren und andere Christenmenschen, die sich gegen das Nazi-System und die Judenverfolgung auflehnten. „Ich habe in den Archiven brisante Sachen entdeckt“, sagt Probst Horn. Immer weniger sei ihm es möglich, zu verstehen, dass es nach dem Krieg eine „99-prozentige Gruppe Deutscher gab, die von der Judenverfolgung nichts gewusst haben will“, schildert er seine Eindrücke.

Jeder Ausstellungsbesucher wird wie der Probst seine eigenen Erfahrungen mit der Ausstellung machen. „Es werden sicherlich viele Fragen aufgeworfen“, glaubt Probst Jörn Engler. Umso erfreuter ist er darüber, dass sich die Pastoren aller 32 Kirchengemeinden der beiden Dithmarscher Kirchenkreise bereit erklärt haben, die Ausstellung während ihrer Öffnungszeiten als Ansprechpartner vor Ort zu begleiten.

 
 
 
   
 
   

Informationen über Nazi-Verbrechen

taz Hamburg Nr. 6690 vom 2.3.2002, Seite 29, 10 Zeilen (TAZ-Bericht)

Mit freundlicher Genehmigung der taz - die tageszeitung

Eine neue Bürgerstiftung fördert künftig in Schleswig-Holstein Gedenkstätten und Projekte, die über Verfolgung und Vernichtung von Menschen durch die Nationalsozialisten informieren. Beteiligt sind neben dem Land die Nordelbische Evangelische Kirche, das Erzbistum Hamburg der katholischen Kirche und die Landesbank Schleswig-Holstein. Da rechtsradikale Gedanken wieder lauthals geäußert und Nazi-Gräueltaten geleugnet würden, wolle die Landesregierung au-thentische Orte der NS-Gewaltherrschaft zu erhalten und die Aufklärungsarbeit in ihnen beziehungsweise mit ihnen fördern, sagte Kultusministerin und Mitinitiatorin Ute Erdsiek-Rave (SPD).

 
 
 
   
 
   

Kräfte der Versöhnung stärken

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Dwarslölper"

1/2002, März 2002

von Klaus J. Horn, Propst

Liebe Mitarbeiterin, lieber Mitarbeiter! Liebe Kirchenvorstandsmitglieder in Süderdithmarschen!

Bis zum 2. April ist die Wanderausstellung "Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945" im Meldorfer Dom zu sehen. Sie begleitet die Diskussion in unserer Kirche über das Verhältnis der Christen und Juden in den Jahren 1933-1945.

Als eine der letzten deutschen evangelischen Kirchen hat die Nordelbische Synode 1998 ein Schuldbekenntnis formuliert. In diesem Jahr hat sie eine Ergänzung der Verfassung mit folgendem Wortlaut beschlossen. "Die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche bezeugt die bleibende Treue Gottes zu seinem Volk Israel. Sie ist im Hören auf Gottes Weisung und in der Hoffnung auf die Vollendung der Gottesherrschaft mit dem Volk Israel verbunden."

Die Ausstellung ist bereits in Kiel, Lübeck und Hamburg gezeigt worden. Sie hat in der überregionalen Presse ein überaus positives Echo gefunden. Das einhellige Urteil: Es ist eine sehr ehrliche und nichts beschönigende Auseinandersetzung mit dem Versagen von Menschen der Kirche, aber auch mit bekennendem Widerstand. Beides gab es auch in Dithmarschen, hat aber meist nicht den Weg in die große Öffentlichkeit gefunden. Mich hat in der Vorbereitung auf die vier Wochen der Ausstellung in Meldorf besonders das so genannte lokale Fenster interessiert.

Ich bin Superintendent i.R. Klaus Looft dankbar, der für unseren Kirchenkreis sehr intensiv nach Zeitzeugnissen gesucht hat. Er hat manches wieder entdeckt hat (siehe seinen Brief an einen Freund in Israel.)

Wie war das Verhältnis der Christen zu den Juden in den Jahren 1933 bis 1945? Und wie ist es heute? Dazu habe ich die Pastorinnen und Pastoren gebeten, in die Gemeindechroniken zu sehen. Ich selber habe nochmals die Meldorfer Chronik gelesen, eine aufregende Lektüre aus der Feder des früheren Meldorfer Propstes Bünz, der 1933 Anhänger der Deutschen Christen war. Im Lauf der Zeit hat sich Bünz aber immer häufiger kritisch über die NSDAP geäußert. Er schreibt: "Es sickern Nachrichten durch über Behandlungen von Juden aus Deutschland und Polen, die jeden anständigen Menschen erstarren lassen."

Er schreibt diesen Satz etwa 1940, nachdem er folgende Situationsanalyse gegeben hat: "So groß die Erfolge sind auf militärischem Gebiet und so anerkennend auch der soziale Wille und die tatkräftige Inangriffnahme der Beseitigung der Notstände im Volksleben (Winterhilfe, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, berufsständische Gliederung), so wird doch in immer weiteren Kreisen mit Betroffenheit empfunden, wie sehr entgegen dem immer wieder vorgetragenen Programm der NSDAP in Wirklichkeit gehandelt wird. Nicht bloß, dass die immer feindseligere Haltung gegen die Kirche die Befürchtung allmählich zur Gewissheit werden lässt, dass man statt einer Beteiligung der Kirche am Aufbau des Volkslebens ihre Kaltstellung beabsichtigt. Die Organe der Partei, zum großen Teil in ihrem bisherigen Leben unbewährte Menschen, willig zur Revolution, bei der sie nicht verlieren, sondern nur gewinnen konnten, erregen Anstoß durch ihre Lebensführung und durch ihr rücksichtsloses Gebaren, ohne dass ihr Auftreten ihrer Befähigung entspräche. Die von vielen erwartete Reinigungsaktion der Partei erfolgt nicht. Im Gegenteil, es hat den Anschein, als sei jedem alten Parteigenossen eine seiner Parteinummer entsprechende Stelle zugesichert, die auch Verfehlungen ihm nicht nehmen."

1933 setzten Bünz und weite Teile der Kirche noch große Hoffnung auf die Erneuerung des deutschen Volkes durch diese Bewegung. Das schwingt noch in den Worten mit, die die Sprache der damaligen Zeit sprechen. Zugleich aber wird auch das Erschrecken erkennbar über immer mehr Menschenverachtung der Nazis. Antisemitismus das alltägliche Thema vieler Stammtische.

Heute nicht weniger, wie ich bei manchen gesellschaftlichen Anlässen anno 2002 mit Erschrecken feststellen muss. Wenn ich nur daran denke, welche Aufmerksamkeit bis heute Gustav Frenssen erfährt. Seine zum Schluss sehr verquasten Gedanken hatten damals großen Einfluss. Als kleine Randnotiz ist für heute wichtig, dass unser Kirchenkreisvorstand zur weiteren Auseinandersetzung mit ihm jetzt die Herausgabe einer Dissertation mit einem Druckkostenzuschuss unterstützt hat (Andreas Crystall, "Gustav Frenssen, Prediger, Dichter, Schriftsteller. Sein Weg vom Kulturprotestantismus zum Nationalsozialismus").

Obwohl der Antisemitismus in Vorträgen und Zeitungsartikeln auch in Dithmarschen öffentlich propagiert wurde und Thema einer Kirchensynode war, trat er hier eher in den Hintergrund. Denn hier lebten nur wenige jüdische Familien.

Oberstudienrat Willy Schulz von der Meldorfer Gelehrtenschule hat in seiner Schrift "Die Machtübertragung an die Nationalsozialisten in Meldorf" 1986 gezeigt, dass gerade Propst Bünz schon sehr früh den Antisemitismus der NSDAP als Trennstrich gesehen hat. Und das, obwohl Bünz dem "positiven Christentum" Hitlers manches abgewinnen konnte. Der “Berufung des arischen Blutes” habe er ein “kirchliches Aber” entgegen gesetzt. Die Kirche sammle "alle Gläubigen ohne Rücksicht auf Rasse und Abstammung ... Die Kirche hat zu fragen: Habt ihr Glauben an das Blut? Wenn ja, dann seid ihr anderen Geistes als wir", und Bünz schloss: "Die NSDAP will Kampf, nicht die Liebe", zitiert Schulz den Propst (S. 50f).

So sehe ich meinen Vorgänger in jenen Jahren hin- und hergerissen zwischen einer eher konservativen Kirchenmitgliedschaft und einer Pastorenschaft, bei der Skepsis und Ablehnung gegenüber der NSDAP überwogen. Beispiele dafür sind die Pastoren Dittmann in Süderhastedt und Slotty in Sankt Michaelisdonn. Im Kirchenkreisarchiv ist in der Akte über Pastor Slotty, der von 1932 bis 1939 in Sankt Michaelisdonn Pastor war, auch zu erkennen, wie sehr Propst Bünz seelsorgerlich an den Pastoren zu handeln suchte. Auch an Pastoren, die durch Denunziation aus der Gemeinde in das Netz der Gestapo geraten waren. Sie hatten außerdem unter einer allzu beflissenen Willfährigkeit der damaligen Kirchenbehörde in Kiel zu leiden.

Anders als Pastor Dittmann, dem die Süderhastedter immer ein würdiges Andenken bewahrten, war Pastor Slotty bei uns in Vergessenheit geraten. In der Ausstellung kommt er im allgemeinen Teil als "Judenfreund" vor. Wir haben allen Anlass, uns im "lokalen Fenster" vor seiner aus tiefem Glauben standhaften Haltung zu verneigen. Er ist nach dem Krieg von der Kirchenleitung und von Bischof Halfmann voll rehabilitiert worden. Die Ausstellung wird dann bei uns ihren Sinn erfüllen, wenn dieses Erinnern unter uns die Kräfte der Versöhnung stärkt.

Seien wir ermutigt, nicht zu schweigen, wenn in irgendeiner Gesellschaft wieder vom "Weltjudentum" geredet wird. Lernen wir zu unterscheiden zwischen Israel, dem Volk Gottes, das jetzt in der Präambel unserer Verfassung steht, und Israel, dem Staat, der in seiner Auseinandersetzung mit der Intifada in Palästina sich gezwungen sieht zu Taten, die nicht den Frieden fördern helfen. Beten wir dafür, dass beide Staaten zu friedlichem Miteinander finden.

Klaus J. Horn, Propst

 
 
 
   
 
   

Lieber Michael,

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Dwarslölper"

1/2002, März 2002

von Klaus Looft

schade, dass Du nicht hier sein kannst. Zu gerne würde ich mit Dir durch Dithmarschen fahren. Ich weiß inzwischen schon etwas von Land und Leuten, gerade auch aus der jüngeren Kirchengeschichte. Ich weiß: Du würdest mich besonders nach der Zeit zwischen 1933 und 1945 und danach fragen. Dein Vater ist ja 1937 aus Hamburg weggegangen nach Palästina. Aber die Situation in Tel Aviv erlaubt Dein Reisen jetzt nicht. Ich schicke Dir deshalb eine Landkarte von Dithmarschen. Und Du fährst in Gedanken mit mir durch Marsch und Geest, und ich erzähle.

Wir beginnen unsere Reise in Barlt, wo Luise und ich jetzt wohnen (ich habe den Ort schwarz umrandet). Nicht weit von unserem kleinen Häuschen halte ich auf der Dorfstraße an, gleich rechts nach der Kirche. Ich zeige auf ein geschmackvoll und gediegen gepflegtes Haus. Da hat Gustav Frenssen gelebt, meistens. Da ist er geboren, da ist er gestorben. Du weißt ja aus der Literaturgeschichte: das ist der ehemalige Pastor, der ein sehr erfolgreicher Schriftsteller war. Ein großer Erzähler, der im Laufe der Zeit immer mehr Sozialdarwinist wurde. Er setzte auf diese Ellenbogenphilosophie, um mit ihr den “nordischen Menschentyp”, mit germanischer Religiosität vermischt, in Hitlers Rassenlehre ganz oben zu postieren. Die großen Auflagenzahlen, die immense Resonanz machten ihn sicher, dass “die jüdisch-orientalische Teppichweberreligion” bald nur noch “in engen Stirnen hausen” werde. So sprach er manchmal über den christlichen Glauben.

1932 schreibt der Direktor des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an Frenssen. Er bittet ihn dringend um Unterstützung gegen die Hetze der NSDAP. Frenssen hat offensichtlich nicht geantwortet. Erst 1938 tritt er aus der Kirche aus, 1936 hatte er auf die Rechte des geistlichen Standes verzichtet. Das wenigstens war redlich. Einer seiner Biographen nennt seine antijüdischen Äußerungen aus jener Zeit abstoßend und verblendet. Er habe sich in Menschen und Gott verachtende Sackgassen verirrt. Mir scheint, dass Frenssen mit seiner Reputation und seiner germanischen Idealisierung vielen späteren Tätern ein gutes Gewissen verschafft hat.

Da auf der Barlter Dorfstraße hätte ich die ganze Zeit gehofft, dass Du nicht nach links schauen würdest. Denn Du hättest das Straßenschild “Gustav-Frenssen-Weg” gelesen. Es gibt noch eine Reihe von Orten, in denen nach ihm Straßen benannt sind. Verwirrend.

Aber nun wollen wir weiter! Wir halten mitten im herrlich weiten Marschenland unter großartigen Wolkengebirgen und ganz weiter Sicht. Dort könntest Du Brunsbüttel mit den Schleusen zur Nordsee sehen. Da haben in den schlimmem Jahren wohl manche vergeblich nach Fluchtwegen gesucht. Aber für eine Jüdin wurde das Pfarrhaus zur rettenden Adresse. Und gar nicht weit weg liegt das Marschenstädtchen Marne.

Stell Dir vor, da hat Bürgeranstand zwei gefährdeten - weil jüdischen - Familien geholfen, durch die Vernichtungszeit zu kommen. Und wenn Du nun in die entgegengesetzte Richtung sehen würdest, dann würde Dir der bewaldete Dünenstreifen auffallen, den sie hier Kleev nennen. Da, östlich von Barlt, sind viele hundert russische Kriegsgefangene begraben: verhungert! Es entsetzt mich, dass Gustav Frenssen - er war da zwar schon älter und kränkelnd - kein einziges Wort sprach. Dass er nicht zum Erbarmen mit den jungen Männern aufrief. War er tatsächlich so von der Herrenrassen-Ideologie besessen? Mir fallen die biblischen Vornamen auf den wenigen namentlich gekennzeichneten Gräbern auf, dort auf dem Friedhof für die Umgekommenen und Ermordeten.

Michael, wir wollen weiter nach Sankt Michaelisdonn. Hier will ich von Pastor Slotty erzählen. Er war ein frommer und bibeltreuer Pastor, er verband das Heil mit Christus und nicht mit Hitler. Die ganze Bibel, auch das Alte Testament, war ihm wichtig. Er muss seinen Konfirmanden Kritisches über die Behandlung der Juden in Deutschland gesagt haben. Prompt fertigte die Gestapo Konfirmandenprotokolle an. Die Jugendlichen waren noch ungefestigt, und so sagten sie das, was die Gestapo wollte. Pastor Slotty wurde sofort vom Landeskirchenamt in Kiel in den Ruhestand versetzt und schnellstens ersetzt. Mich fuchst dieser kirchliche Staatsgehorsam, diese servile Unterwürfigkeit. Es gab Kräfte in der Gemeinde, im Ort, die wollten ihn loswerden: zu fromm, zu sehr Bibelchrist, Bekenntnispfarrer. Heute ist Pastor Slotty vergessen: “Ist man eigentlich auch gut so, was sollen die alten Geschichten.” Dabei muss doch immer wieder übers Denunziantentum gesprochen werden! Die Kirche hat sich nach dem Kriege bei Pastor Slotty entschuldigt. Kam so etwas auch aus Sankt Michel?

Wir fahren weiter. Da der schöne Forst “Christianslust” - der hat auch eine Weile Frenssenwald geheißen. Frenssen war wirklich hoch im Kurs. Und wenn wir dann gleich nach Süderhastedt kommen, dann begegnen wir Pastor Ewald Dittmann. Er ist umgekommen. Pastor Dittmann war eine starke Persönlichkeit, die sich ihr kritisch-theologisches Denken bewahrte. Zu Hitler und seinen Verehrern hielt er demonstrativ Abstand. Es gab Anlässe, zu denen Dittmann im Namen des christlichen Glaubens und der kirchlichen Ordnung protestierend redete. Das ließ Regimetreue auf Rachegelegenheiten lauern. Und kurz vor Kriegsende kam der Augenblick: Ohne genaue Recherche wurde ihm eine Begebenheit an der Pfarrhaustür völlig einseitig und missgünstig ausgelegt. Dittmann wurde in ein “Arbeitserziehungslager” nach Kiel gebracht. Der Staatsanwalt stellte dem Landeskirchenamt anheim, nach Beendigung der “Erziehungsmaßnahme” gegen Dittmann disziplinarisch vorzugehen. Dazu kam es nicht mehr. Dittmann ist später in einem Massengrab gefunden worden. 67 Jahre alt ist er geworden, in der ganzen Region Burg-Süderhastedt-Eggstedt hat er bis zur Erschöpfung Dienst getan. Wusste er ungünstige Dinge, so dass er verschwinden musste, als sich das Ende des Krieges abzeichnete? Gab es den tiefsitzenden Hass, der nicht nur Juden traf, sondern inzwischen auch die treu gebliebenen Christen?

Die Nachkriegs-Dorfgemeinschaft hat in vielen Spannungen gelebt. Als der Meldorfer Propst bei einem Gedenkgottesdienst für Pastor Dittmann kürzlich nachfragte, ob vielleicht eine Pastor-Dittmann-Straße ein Signal für ein geklärtes Verhältnis zum damaligen Geschehen sein könne, gab es ausweichende Stellungnahmen.

In Schafstedt würdest Du staunen. Ich würde mit Dir durch die “Judenstraße” fahren. Der junge Gärtner in der Baumschule dort sagte: “Die Straße hat immer so geheißen, es ist eine alte Straße. Schauen Sie nur die reetgedeckten Häuser: 150 Jahre stehen die schon. Auch zur Nazizeit haben hier Leute in der Judenstraße gewohnt. Sie müssen wissen: Es gibt hier beides, auch heute!”

Vielleicht ist das ,lieber Michael, eine sehr zutreffende Beschreibung. Ich weiß von glühender Hitlerbegeisterung und von großer Zurückhaltung und stiller, erkennbarer Glaubensfestigkeit. Paul Matthias und Meta Katharina L. zum Beispiel, Bauersleute auf der Dithmarscher Geest, standen ihrem “Hans-Pastor” nahe - gemeint ist Hans Asmussen, früher Pastor in Albersdorf, 1933 bis 1945 vom Berufsverbot betroffen, maßgeblich beteiligt an der Barmer Erklärung. Und sie waren mit einer Mitarbeiterin von Bischof Schöffel befreundet. Damit waren sie auf Distanz zu den Nazis. Aber in der gleichen Familie gingen andere mit Hermann Göring auf die Jagd. Ob die miteinander diskutierten? Jedenfalls kam es nicht zu Gestapo-Eingriffen.

Lieber Michael, wir sind längst noch nicht mit unserer lokalen Kleinkirchengeschichte fertig. In Heide wurden Stillschweigs (weil Juden) drangsaliert und in die Verzweiflung getrieben. Pastor Manitius an der Sankt-Jürgen-Kirche erlaubte sich Unabhängigkeit und fand Vertrauen bei den von Nazis Gedemütigten und Verfolgten. Ungebeugte Sozialdemokraten und Kommunisten, das Ehepaar Bruhn zum Beispiel, wurden immer wieder verhaftet und gefoltert. Bruhns wurden ohne gültiges Urteil hingerichtet. Deserteure wurden auch schon mal aus so genanntem gesunden Volksempfinden heraus im Dithmarscher Knick erschossen.

Und ich weiß, dass Du mich nach unsrer Rundreise abends gefragt hättest: Und wie ist das heute? Ich hätte Dir dann berichtet von den Arbeitskreisen “christlich-jüdische Zusammenarbeit”, von den Synodenbeschlüssen der Nordelbischen Kirche. Aber ich hätte Dir auch die Postkarte zu lesen gegeben, die ich kürzlich bekam. Da bescheinigt ein Dithmarscher der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Nordelbischen Kirche und einer Reihe von Pastoren (er nennt mich ausdrücklich) “destruktiv tätig” zu sein. Ausgelöst ist diese Postkarte durch eine Pressemitteilung, dass im Meldorfer Dom im März 2002 eine kirchenselbstkritische Ausstellung zu sehen ist, die sich mit dem Thema Kirche und Christen und Juden in Nordelbien 1933 bis 1945.auseinandersetzt. Ohne die Ausstellung gesehen zu haben wird gleich geurteilt, verurteilt!

Ein direktes Gespräch ist besser, das merke ich jetzt, lieber Michael. So hoffe ich, dass Du bald wieder auf Reisen gehen magst und Deine Kinder in Israel wieder mit ihren palästinensischen Bekannten zusammentreffen. Ich hoffe mit Dir auf Schalom bei Euch und bei uns.

Dein Klaus Looft

 
 
 
   
 
   

Die Ausstellung “Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945” im Meldorfer Dom

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Dwarslölper"

1/2002, März 2002

Die Geschichte der Ausstellung

Am 60. Jahrestag der Reichspogromnacht, dem 9. November 1998, hat die Synode der Nordelbischen Kirche antijüdische Kirchengesetze aufgehoben und sich zur kirchlichen Mitschuld an der Verfolgung und Ermordung jüdischer und “nichtarischer” Mitbürgerinnen und Mitbürger bekannt: “Die Synode ruft dazu auf, die Erinnerung an die Vergangenheit, insbesondere die Geschichte der Judendiskriminierung und -entrechtung in den ehemaligen Landeskirchen während der Zeit des Nationalsozialismus wachzuhalten.” Aus diesem Anlass beauftragte die Synode das nordelbische Kirchenarchiv, eine Ausstellung zusammenzustellen. Das Archiv gewann dafür den Historiker Dr. Stephan Linck.

Die Ausstellung spiegelt Fragen der heutigen Kirche wider, die sie zu ihrer Vergangenheit in der NS-Zeit stellt: Warum hat sich die Kirche “freudig in den Dienst der Sache” gestellt? Warum hat sie zur Verfolgung und Ermordung von Juden und Christen jüdischer Herkunft geschwiegen? Warum haben Kirchenleitungen den “Arierparagraphen” übernommen? Wie ist die Kirche mit den Betroffenen aus ihren eigenen Reihen, den Kirchenbediensteten “nichtarischer” Herkunft umgegangen? Wie erging es bekenntnistreuen Amtsträgern, die den NS-Staat und die in den meisten Landeskirchen herrschenden “Deutschen Christen” kritisierten? Wer waren die Täter? Wer waren die Opfer?

Die Wanderausstellung sollte Spuren sichern und zum Nachdenken anregen.

Synodaler Beratungsprozess “Christen und Juden 2001”

Parallel zur Vorbereitung der Wanderausstellung lud die Synode im September 1999 zu einem Beratungsprozess “Christen und Juden” ein. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit soll also der Gegenwart und Zukunft dienen. Es geht darum, sich mit der theologischen und politischen Haltung der damaligen Zeit kritisch auseinanderzusetzen und sich um ein neues Verhältnis zwischen Christen und Juden zu bemühen. Denn das Nachdenken über das Verhältnis zum Judentum gehört in die Mitte des Christseins.

Jüdischer und christlicher Glaube haben eine gemeinsame biblische Wurzel: Die hebräische Bibel ist als Altes Testament von Anfang an heilige Schrift der Kirche gewesen. Jesus ist als Jude geboren und hat als Jude gelebt. Er hat regelmäßig den Tempel und die Synagoge besucht und sich auf die Heilige Schrift berufen.

Die große Nähe zwischen der jüdischen und der christlichen Glaubensweise wurde allerdings durch Vorurteile gegen “die Juden” verdunkelt. Heute entdecken Christen durch die Begegnung mit jüdischer Schriftauslegung ganz neue und überraschende Zugänge zur Bibel und zu ihrem eigenen Glauben.

Im September 2001 fand in Rendsburg eine Themensynode “Christen und Juden” statt. In diesem Zusammenhang wurde auch die Ausstellung eröffnet.

Der Aufbau der Ausstellung

Wichtig war den Planern der Ausstellung, dass sie in Kirchen gezeigt wird, die zur Zeit des Nationalsozialismus bereits vorhanden waren und darum vielleicht Erinnerungen an damalige Auseinandersetzungen wachrufen können. Um die Ausstellung adäquat unterbringen zu können, ist ein größerer Kirchenraum notwendig.

Ein besonderes Kennzeichen ist die Verwendung der Farben schwarz, weiß und rot. Es sind die Farben des Nationalsozialismus, des Kaiserreiches, des vordemokratischen Deutschlands.

Besucher betreten die Ausstellung durch ein schwarzes Portal. Hier liegen Prospekte aus, die durch die Ausstellung führen. Auf den Ablagen der Kirchenbänke sind Texttafeln installiert, auf denen kirchliche und politische Geschehnisse aus den Jahren 1933 bis 1945 aufgelistet sind. Unterlegt ist die Datenkette mit Hinweisen auf jene Ereignisse, die im gleichen Zeitraum auf dem Gebiet der heutigen Nordelbischen Kirche stattgefunden haben, also den damaligen Landeskirchen Schleswig-Holstein, Hamburg, Lübeck und Eutin. Zusätzlich werden die verschiedenen Aspekte des Themas anhand von Biografien dargestellt. Sie zeigen das gesamte Spektrum damaliger Verhaltensweisen von glühender Begeisterung für den Nationalsozialismus über Anpassung bis hin zu überzeugter Gegnerschaft und Zivilcourage. An den zehn biografischen Stationen, die im Kirchenraum verteilt sind, können per Knopfdruck Tondokumente abgespielt werden.

An verschiedenen Stationen der Ausstellung liegen Bücher aus, wo Besucher ihre Gedanken eintragen und die Gedanken voriger Besucher lesen können. Eine Black Box, ein enger, geschlossener Raum, der betretbar ist, bietet die Möglichkeit, vertiefende Informationen in einer Atmosphäre der Enge aufzunehmen.

Außer diesen immer gleich bleibenden Teilen der Ausstellung gibt es noch das “lokale Fenster” und das Begleitprogramm. Beides wechselt von Ort zu Ort. Das “lokale Fenster” bietet die Möglichkeit, sich mit der Geschichte des Ortes oder der näheren Umgebung auseinanderzusetzen.

Die Öffnungszeiten

Nach Stationen in Rendsburg, Lübeck, Hamburg und Kiel ist die Wanderausstellung vom 8. März bis 2. April im Meldorfer Dom zu sehen. Sie ist geöffnet montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 12 Uhr und sonntags nach dem Gottesdienst.

Auch in Meldorf wird es ein “lokales Fenster” geben, das Beispiele von Anpassung und Zivilcourage zeigt. Das Beiprogramm ist auf die Ausstellung und die Kirchenjahreszeit, die Passionszeit, abgestimmt. Gottesdienste und Passionsandachten dieser Zeit nehmen das Thema der Ausstellung auf.

Die gesamte Ausstellung wird begleitet durch Pastorinnen und Pastoren beider Kirchenkreise.

Veranstaltungen in der Ausstellung:

Dienstag, 19. März, 19 Uhr:
Johannes-Passion von Johann-Sebastian Bach mit dem Vokal- und Bachensemble der Christian-Albrechts-Universität Kiel.

Palmsonntag, 24. März, 17 Uhr:
“Psalmen im Leben Jesu - Orgel und Lesungen nach der Übersetzung von Walter Jens”, mit Susanne Pertiet, Sprecherin und Hans G. Bertram, Orgel, Esslingen

Gottesdienste sonntags sowie Karfreitag um 10 Uhr, Gründonnerstag um 19 Uhr und in der Osternacht um 23 Uhr.Passionsandacht, Mittwoch, 20. März, 19 Uhr.

Freitagsgespräche um 19 Uhr:
22. März: “Christliche Judenfeindschaft - Ursachen, Wurzeln, Motive” mit Pastor Dr. Siegfried Bergler von der Jerusalemgemeinde, Hamburg.
Karfreitag, 29. März: “Stille im Dom - Klagelieder mit biblischen Texten und moderner Literatur” mit Pastorin i.R. Lieselotte Wagner, Superintendent i.R. Klaus Looft, und Kirchenmusikdirektor Paul Nancekievill.

Abschlussgottesdienst, Ostermontag, 1. April, 10 Uhr, mit den Pröpsten Jörn Engler, Heide, und Klaus Jürgen Horn, Meldorf.

 
 
 
   
 
Erinnerung Ausstellung „Kirche – Christen – Juden 1933 bis 1945“ im März im Meldorfer Dom:
Dokumente aus der Region belegen Verstrickung und Widerstand
 

Sich der Vergangenheit stellen

Nordelbische Kirchenzeitung, 17.02.2002

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

MELDORF – Die Wanderausstellung „Kirche – Christen – Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“ kommt nach Meldorf. Die Ausstellung, die inzwischen bundesweit ein positives Medienecho hervorgerufen hat, ist vom Nordelbischen Kirchenarchiv und dem unabhängigen Historiker Stephan Linck zusammen gestellt worden. Sie zeigt, wie Menschen in Nordelbien sich damals „freudig in den Dienst der Sache“ gestellt haben. Nationalsozialistisches Gedankengut und Antisemitismus hatten vor den Kirchentüren nicht Halt gemacht.

Die Ausstellung zeigt aber auch, dass es Widerstand gegeben hat. Anhand von zehn Biographien werden die verschiedenen Aspekte des Themas behandelt. Audiovisuell gestaltete Stationen zeigen zum Beispiel einen Pastor als frühen Wegbereiter des Nationalsozialismus, einen Landesbischof als bekennenden Antisemiten oder eine evangelische Lehrerin, die ihre jüdischen Schülerinnen schützte.

„Wir dürfen nicht sagen: das waren die anderen damals“, betont Klaus Looft aus Barlt. „Es kommt darauf an, dass wir uns der eigenen Vergangenheit stellen.“ Looft ist Superintendent (Probst) im Ruhestand und hat das Ausstellungskonzept im Pastorenkonvent Süderdithmarschen vorgestellt. Er betreut die Ausstellung im Meldorfer Dom zusammen mit seiner Norderdithmarscher Kollegin, der Pastorin Lieselotte Wagner aus Heide. Beide kümmern sich besonders um so genannte lokale Fenster: Dokumente aus der Region.

Die beiden Kirchekreise Norder- und Süderdithmarschen haben sich zusammen geschlossen, um die Ausstellung in Dithmarschen zeigen zu können. Vom 8. März bis 2. April ist sie täglich im Meldorfer Dom geöffnet. Pastorinnen und Pastoren der 32 Dithmarscher Kirchengemeinden werden die Ausstellung begleiten. Während der Öffnungszeiten wird jeweils ein geistlicher Ansprechpartner im Dom zu finden sein.

Die Wanderausstellung wurde von der Nordelbischen Synode in Auftrag gegeben, um die Vergangenheit der Nordelbischen Kirche in der NS-Zeit bewusst zu machen. Nach Rendsburg, Hamburg und Kiel ist Meldorf die vierte Station und zunächst der einzige Ort an der schleswig-holsteinischen Westküste, in dem die Ausstellung zu sehen ist.

 
 
 
   
 
   

Historische Ausstellung im Meldorfer Dom

Nordelbische Kirchenzeitung, 20. Januar 2001

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

MELDORF – Vom 8. März bis 2. April zeigen die beiden Kirchenkreise Norder- und Süderdithmarschen im Meldorfer Dom die Ausstellung „Kirche-Christen-Juden 1933 bis 1945“. Die Wanderausstellung wurde von der Nordelbischen Synode in Auftrag gegeben. Sie stellt Fragen nach der Vergangenheit der Nordelbischen Kirche in der NS-Zeit. Auch Dokumente mit lokalem Bezug werden im Meldorfer Dom zu sehen sein.

 
 
 
   
 
     

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