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Unterrichtsmaterialien

Pressearchiv und
Rahmenprogramme

Literatur
 
   

Presseberichterstattung Neumünster
 

 

 

 

09.04.2003

Holsteiner Courier:
Diskussion zum Abschluss
 

01.04.2003

Kieler Nachrichten:
Der Funke sprang über
 

01.04.2003

Holsteinischer Courier:
Lieder, Geschichte und Informationen
 

01.04.2003

Holsteinischer Courier:
Vier Hände an einer Orgel
 

29.03.2003

Ostpreußenblatt:
Reemtsmas “Rote Würstchen”
 

29.03.2003

Holsteinischer Courier:
Vor 70 Jahren: Boykott und ein Lynchmord
 

28.03.2003

Holsteinischer Courier:
Vorträge fallen aus
 

27.03.2003

Holsteinischer Courier:
Agieren statt reagieren - Die Stadt setzt Zeichen
 

25.03.2003

Holsteinischer Courier:
Auf den Spuren von Anne Frank
 

23.03.2003

Nordelbische Kirchenzeitung:
Hamburger Kirchen in der NS-Zeit
 

22.03.2003

Kieler Nachrichten:
Schuld als Ausstellungsthema
 

22.03.2003

Holsteinischer Courier:
Das Kreuz mit der Vergangenheit
 

21.03.2003

Holsteiner Zeitung/Kieler Nachrichten:
Umgang mit der Vergebung
 

19.03.2003

Holsteiner Courier:
Ein zauberhafter Hauch aus fernen Welten
 

18.03.2003

Kieler Nachrichten:
Eine Ausstellung als Herausforderung
 

17.03.2003

Holsteinischer Courier:
Die Kirche stellt sich ihrer dunklen Geschichte
 

16.03.2003

Nordelbische Kirchenzeitung:
Wanderausstellung
 

16.03.2003

Nordelbische Kirchenzeitung:
Aus Erfahrung lernen
 

16.03.2003

Nordelbische Kirchenzeitung:
Menschen erzählen aus schlimmer Zeit
 

16.03.2003

Nordelbische Kirchenzeitung:
Mit aller Kraft gegen Gewalt
 

15.03.2003

Kieler Nachrichten:
Eindrucksvolle Rückblicke in die NS-Zeit
 

14.03.2003

Holsteinischer Courier:
. . . und eine Black Box als Ort der Stille
 

11.03.2003

Kieler Nachrichten :
Vom Umgang mit der Schuld
 

11.03.2003

Holsteinischer Courier:
Offener Umgang mit der Schuld
 

09.03.2003

Nordelbische Kirchenzeitung:
Schatten der Vergangenheit
 

09.03.2003

Nordelbische Kirchenzeitung:
Einen weiten Bogen geschlagen
 

08.03.2003

Holsteinischer Courier:
„Aus der Geschichte lernen“
 

08.03.2003

Holsteiner Zeitung/Kieler Nachrichten:
Historie bekommt Gesicht
 

 
   
 

Daniel Kempin sang für und diskutierte mit Klaus-Groth-Schülern

 

Der Funke sprang über

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten

vom 01.April 2003

Neumünster (sn) Neumünsters Schüler können sich beim 12. und 13. Jahrgang der Klaus-Groth-Schule darüber informieren, was sie selbst versäumt haben: Nämlich einen Vormittag mit dem wohl prominentesten Folk-Sänger aus dem jiddischen Kontext Daniel Kempin – und außerdem die Gelegenheit zum Gespräch über aktuelle Ereignisse in Nahost mit dem Künstler.

„Vor dem Hintergrund des „Club 88“ bin ich froh und dankbar, dass jüdische Künstler und Wissenschaftler bereit sind nach Neumünster zu kommen“, hatte einleitend Pastor Bernd Hofmann gesagt, zuständig für den christlich-jüdischen Dialog im Kirchenkreis. Und dann begann im Rahmenprogramm der Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“ das Konzert mit dem Virtuosen auf der Gitarre. Kempin, geboren in Wiesbaden, entstammt einer eher ungewöhnlichen Familie. Der älteste Bruder ist Kirchenmusiker in einer katholischen Gemeinde, der zweite lebt als überzeugter Christ mit jüdischem Selbstbewusstsein in Jerusalem. Und der dritte, Daniel, ist nach eigener Aussage nicht zum Judentum konvertiert, sondern hat die „Entscheidung meiner Großmutter, die in der Zeit nationalsozialistischer Verfolgung sich hatte taufen lassen, wieder rückgängig gemacht“.

Kempin erzählt singend über die Lebensbedingungen im zaristischen Russland, vermittelt mit seinen Liedern die Sehnsucht („benkshaft“) nach Israel, berichtet von der jüdischen Arbeiterbewegung, der zionistischen Bewegung und auch von der Shoa. Ganz gleich, ob seine Lieder melancholisch, traurig, zärtlich klingen oder ob er lustvoll die Saiten schlägt – er zieht das Publikum in seinen Bann und verzaubert die Zuhörer. Der Funke sprang auch am Montagvormittag blitzartig über: „Bei mir biste scheen!“, in den 30er-Jahren zum Welthit avanciert und selbst in Nazi-Deutschland viel gespielt, ließ 100 Schüler-Gesichter plötzlich strahlen.

In erster Linie aktuelle Politik stand im Mittelpunkt des Gesprächs mit Kempin. Der machte aus seiner Meinung keinen Hehl. Den jetzigen Irak-Krieg halte er für überflüssig, sagte Kempin: „Wir müssen alle Wege nutzen, Konflikte nicht kriegerisch zu lösen.“ Und für wie wahrscheinlich hält er einen Frieden zwischen Palästinensern und Israel? „Meine Hoffnungen sind geringer denn je.“

Kommentar

Kempin-Konzert – Von Sabine Nitschke

Geistiges Klima?

Stell dir vor, es ist ein Konzert mit einem der prominentesten jiddischen Folklore-Sänger überhaupt im anspruchsvollen Rahmenprogramm einer Ausstellung angesagt, die Geschichte aufarbeitet – und keiner geht hin. So geschehen am Freitag vergangene Woche: Daniel Kempin drehte Däumchen. Und ein Sprecher des veranstaltenden Kirchenkreises räumte betroffen ein, dass tags zuvor die letzte Schule leider mit fadenscheinig klingenden Argumenten abgesagt hätte. Nun kann man mit zeitaufwendiger Vorbereitung auf Testate und Abitur-Prüfungen argumentieren. Man kann aber auch schlichtweg einen Rückschluss auf das geistige Klima in dieser Stadt ziehen. In der letztlich offenbar nur eine Schule bereit war, ihren Schülern die Gelegenheit zu diesem besonderen Konzertbesuch zu geben. Oder die ihre jungen Menschen dafür motivieren und interessieren wollte und konnte. Am Donnerstag wird in Neumünster die Wehrmachtsausstellung eröffnet. Für Führungen haben sich jetzt schon Schulklassen aus allen Teilen des Landes angesagt: von Sylt über Rendsburg und Kiel, Itzehoe und Elmshorn bis Ahrensbök und Bargteheide – und immerhin auch schon 31 aus Neumünster.

 
 
 
   
 
   

Hamburger Kirchen in der NS-Zeit

Nordelbische Kirchenzeitung vom 23.03.03

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

HAMBURG – Das große öffentliche Interesse für die Ausstellung „Kirche – Christen – Juden in Nordelbien 1933-1945“ hat die Synode des Kirchenkreises Alt-Hamburg veranlasst, die detaillierte Aufarbeitung dieser Zeit für den eigenen Kirchenkreis in Angriff zu nehmen. Immer wieder waren Fragen nach der NS-Geschichte einzelner Kirchengemeinden und dem Verhalten von Pastoren in Hamburg aufgekommen. Diesen Fragen nachzugehen, wurde im November 2002 das Kirchenkreisarchiv beauftragt: Die Gemeindearchive sollen systematisch gesichtet und die Ergebnisse in einer wissenschaftlich fundierten Publikation präsentiert werden.

 
 
 
   
 

 

 

Schuld als Ausstellungsthema

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten

vom 22.03.2003

„Wir erkennen und wir haben geirrt“. Dieser Schulderklärung der Nordelbischen Kirche in Bezug auf ihr Verhalten gegenüber den Juden im Zweiten Weltkrieg nimmt sich eine Wanderausstellung an. „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“ ist zurzeit in der Anscharkirche in Neumünster zu sehen. Neun Einzelpersonen und eine Kirchengemeinde werden vorgestellt, Wertungen bewußt vermieden: Die Betrachter können selbst ihre Schlüsse aus den historischen Quellen ziehen. Klein, aber besonders beeindruckend: Bleistiftzeichnungen aus Theresienstadt in einem speziellen Ausstellungsraum, der „Black Box“: „Dort kommen Sie zu denen, die von der Kirche verlassen waren“, so der Historiker Dr. Stephan Linck. Die Ausstellung ist dienstags bis sonnabends von 10 bis 18 Uhr, sonntags nach dem Gottesdienst bis 18 Uhr geöffnet.

 
 
 
   
 

Diskussions-Abend zur Ausstellung „Kirche, Christen, Juden“

 

Umgang mit der Vergebung

Holsteiner Zeitung/Kieler Nachrichten vom 21.03.2003

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten

Neumünster – Zwischen der historisch-politischen und der christlichen Sicht und Bewertung von Verhaltensweisen kann bisweilen – trotz aller Annäherung und Ähnlichkeit – eine unüberbrückbare Kluft liegen. Und hinter jeder Sichtweise stehen dennoch gut begründete Argumente. Die lieferten sich am Mittwoch beim Diskussionsabend „Vom Umgang mit der Schuld“ der Kieler Historiker Dr. Stephan Linck und Johannes Jürgensen, Alt-Propst des Kirchenkreises Neumünster.

Linck hat die Ausstellung „Kirch, Christen, Juden“, die derzeit in Neumünsters Anscharkirche Station macht, konzipiert. Mit ihr arbeitet Nordelbien – wenn auch spät – seine eigene Vergangenheit zwischen 1933 und 1945 auf.

Ein Kapitel des Rückblicks ist Ernst Szymanowski gewidmet, der seinen Namen später, um schneller Karriere unter den Nazis zu machen, in Biberstein änderte. Szymanowskis Lebensweg vom Kanzelredner in Kaltenkirchen und Propst von Segeberg zum Massenmörder an der Ostfront, der in Nürnberg zum Tode verurteilt wurde, zeichnete Gerhard Hoch nach: Bibliothekar und Historiker aus Kaltenkirchen, der sich schon lange mutig der Offenlegung lokaler Historie widmet.

Szymanowski wird schließlich begnadigt und kann nach Neumünster zurückkehren, weil sich Propst Richard Steffen für ihn einsetzte. Erst in seinem Schlusswort wird Hoch sagen, was viele der rund 80 Zuhörer auch empfunden haben mögen: „Ich habe immer die Einsicht Szymanowski vermisst.“

Für den Historiker Linck bestand in dem von Pastorin Hanna Lehming moderierten Gespräch kein Zweifel, daß Szymanowski/Biberstein „ein Verbrecher war“. Linck übte aber auch an der Kirche Kritik: „Lernen aus der Geschichte ist nur möglich, wenn man die Fakten auf dem Tisch hat. Das hat Kirche lange Zeit nicht möglich gemacht.“ Für den Historiker ist Szymanowski ein „SA-Pastor mit Karriere-Hoffnung“, der ohne zu zögern aus der Kirche austrat, als es seinem Weiterkommen förderlich schien.

Jürgensen indes stellte die Frage, was Schuld vor Gott ist. „Auch bei Jesus kommt oft erst die Vergebung und dann die Reue. Vergebung heißt: Ich wachse hinein in ein neues Selbstverständnis zu Gott und den Menschen. Erst so wird der Mensch frei, zur eigenen Geschichte zu stehen.“ Auch für ihn bestand in der Sache kein Zweifel am verbrecherischen Tun des Biberstein. Und er warf die Frage auf, ob ausgerechnet Steffen „der geeignete Bewährungshelfer“ für Szymanowski war. Kritisches bekam Kirche auch vom Alt-Propsten zu hören: „Sie geht mit Vergebung entweder zu leichtfertig oder gar nicht um.“ Indes: „Vergebung ist zunächst immer eine Haltung gegenüber Opfer – und Tätern.“
Sabine Nitschke

 
 
 
   
 

„Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“ in der Anscharkirche

 

Eine Ausstellung als Herausforderung

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten

vom 18.März 2003-04-25

Neumünster (bk) „Wir erkennen und wir haben geirrt“: diese Schulderklärung der Nordelbischen Kirche in Bezug auf ihr Verhalten gegenüber den Juden im Zweiten Weltkrieg war 1998 der Anlaß, die Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“ zu entwickeln. Am Wochenende wurde die Ausstellung in der Anscharkirche in Neumünster eröffnet.

„Wir wurzeln im jüdischen Glauben“, stellte Propst Stefan Block vor seiner einführenden Andacht die veränderte Einstellung der Nordelbischen Kirche zum Judentum klar. Über Jahrhunderte sei der jüdische Glaube „geschmäht“ worden. Die Ausstellung in der Kirche versteht er als Herausforderung, sich mit der „traurigen Wahrheit der Kriegszeit“ auseinander zu setzen.

„Die Ausstellung soll Handlungsspielräume von Menschen zeigen“, sagte Historiker Dr. Stephan Linck, der die Wanderausstellung konzipierte. „Die Kirche hat dem Antisemitismus den Weg bereitet und ihn begleitet“, stellte der Kieler Historiker in seinem Vortrag fest. Die von Studierenden der Muthesius-Hochschule in Kiel gestaltete Ausstellung ist dagegen sachlich-nüchtern: Neun Einzelpersonen und eine Kirchengemeinde werden vorgestellt, so Linck. Wertungen werden bewußt vermieden, die Betrachter können selbst ihre Schlüsse aus den historischen Quellen ziehen. Klein, aber besonders beeindruckend: die Bleistiftzeichnungen aus Theresienstadt in einem speziellen Ausstellungsraum, der „Black Box“: „Dort kommen Sie zu denen, die von der Kirche verlassen waren“, so Linck.

Die Ausstellung ist dienstags bis sonnabends von 10 bis 18 Uhr, sonntags nach dem Gottesdienst bis 18 Uhr geöffnet. Das umfangreiche Rahmenprogramm zur Ausstellung lesen Sie in einer Terminübersicht rechts.

Rahmenprogramm

...zur Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“

Mittwoch, 19.März: 20 Uhr, Anschargemeindehaus: Vom Umgang mit der Schuld. Die Entwicklung Ernst Szymanowskis vom Kanzelredner im Amt eines Pastors und Propst zum Massenmörder. Diskussionsveranstaltung mit dem Kieler Historiker Dr. Stephan Linck und Propst i.R. Johannes Jürgensen, Büdelsdorf. Leitung: Pastorin Hanna Lehming, Hamburg, Pastorin im NMZ; Eröffnungsreferat Bibliothekar und Historiker Gerhard Hoch.

Dienstag, 25.März: 20 Uhr, Anschargemeindehaus: Frauen im Reformjudentum – Iris Weiß, Sozialwissenschaftlerin und Pädagogin, Berlin.

Donnerstag, 27.März: 20 Uhr, Anschargemeindehaus: benkshaft – Sehnsucht – Konzert mit Daniel Kempin, Frankfurt.

Freitag, 28.März: 11.30 Uhr, Anschargemeindehaus: Jüdisches Leben, jüdisches Schicksal, jüdische Lieder – Gespräch und Konzert mit Schülerinnen und Schülern mit Daniel Kempin.

Sonnabend, 29.März: 20 Uhr, Anscharkirche: Psalmvertonungen – Chor- und Orgelwerke aus jüdischer und christlicher Tradition – Projektchor des Kirchenkreises Plön mit Streichquintett unter Leitung von Henrich Schwerk sowie Susanne Schwerk (Orgel).

Sonntag, 30.März: 11-17 Uhr, Gemeindehaus Schlüskamp, Bad Bramstedt: Jüdische Liebeslieder – Musikalischer Workshop mit Daniel Kempin.

Donnerstag, 3.April: 20 Uhr, Anschargemeindehaus: Mut zum Widerstand – Das Gespräch mit Zeitzeugen. Mit Mietek Pemper, Augsburg, Mitarbeiter von Oskar Schindler.

Freitag, 4.April: Im Anschluss an den Film „Oskar Schindler“ um 12.30 Uhr im Anschargemeindehaus: Schulveranstaltung „Mut zum Widerstand“ mit Mietek Pemper – Vortrag und Gespräch.

Mittwoch, 9.April: 20 Uhr, Anschargemeindehaus: Abschluss zur Ausstellung „Die Ev. Kirche und die Shoa“ – Vortrag und Diskussion mit Dr. Stephan Linck.

Mittwoch, 23.April: 19.30-21.30 Uhr, Anschargemeindehaus: Was war – was blieb. Zu den jüdischen Gemeinden in Schleswig-Holstein – Dr. Frauke Dettmer, Kuratorin des Jüdischen Museums Rendsburg.

Mittwoch, 21.Mai: 20 Uhr, Anschargemeindehaus: Paulus und das Gesetz – Prof. Peter v.d. Osten-Sacken, Berlin, Professor für Neues Testament an der Humboldt-Universität, Leiter des Institutes Kirche und Judentum.

 
 
 
   
 
   

Wanderausstellung

Nordelbische Kirchenzeitung Nr.12 vom 16.03.2003

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

NEUMÜNSTER – Die Wanderausstellung „Kirche, Christen und Juden in Nordelbien 1933-1945“ kommt am 14.März nach Neumünster. Die Ausstellung ist ein wichtiger Beitrag zur kirchlichen Vergangenheitsbewältigung und schärft zugleich den Blick für die Gegenwart und die Zukunft. In der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sollen keine Urteile gefällt werden, sondern politische Wachsamkeit und Zivilcourage gewonnen werden. Konzipiert wurde die Ausstellung – eine Darstellung ohne Wertung – von Dr. Stephan Linck, Historiker des Nordelbischen Kirchenarchivs. Die Ausstellung „Kirche – Christen – Juden“ bleibt bis zum 9.April in Neumünster in der Anscharkirche am Alten Kirchhof.

Ehrenamtliche für Ausstellung gesucht

HAMBURG – Weitere zwölf ehrenamtliche Helferinnen und Helfer werden für die Aufsicht bei der Wanderausstellung „Kirche, Christen und Juden in Nordelbien 1933-1945“ in der Groß Flottbeker Bugenhagenkirche gesucht. Der Dienst dauert drei Stunden an einem selbstgewählten Termin. Die Ausstellung ist vom 16.April bis 18.Mai von 11 bis 17 Uhr täglich geöffnet. Kontakt: Pastor Detlef Görrig, Tel. 040 / 800 500 34.

Rahmenprogramm Mit umfangreichen Angeboten bemüht sich der Kirchenkreis Blankenese, die Erlebnisse der NS-Vergangenheit für eine bessere Zukunft zu nutzen

 
 
 
   
 
   

Aus Erfahrung lernen

Nordelbische Kirchenzeitung Nr.12 vom 16.03.2003

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

VON DETLEF GÖRRIG

BLANKENESE – Ausgrenzung und Rassismus dürfen in der christlichen Kirche nie wieder Raum gewinnen. Um diese Erkenntnis auch jungen Menschen nahezubringen, hat der Kirchenkreis Blankenese zusammen mit dem Pfarramt für Gewaltprävention rund um die nordelbische Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“, die vom 16.April bis 18.Mai in der Bugenhagenkirche zu sehen sein wird, ein Begleitprogramm für Jugendliche zusammengestellt.

Fünf der insgesamt 14 Veranstaltungen wenden sich an junge Menschen. Sie sollen durch Begegnungen, Vorbilder und eigene Erfahrungen aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen.

Möglich ist dies bei dem Vortrag von Dr. Detlev Landgrebe, der am 15.Mai seine „Kindheit am Rande des Holocaust“ schildern wird, oder bei der Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen am 12.Mai. „Lernen durch Begegnung“ ist auch das Motto, wenn der Filmemacher und Kenner des christlich-jüdischen Dialogs, Günther Bernd Ginzel am 29.April für Schulklassen über „Jüdisches Leben in Deutschland“ berichten wird.

Junge Menschen suchen Vorbilder. Ein Programmpunkt ist daher der Film „Die Weiße Rose“. Er dokumentiert den Mut und das Schicksal der studentischen Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl. In dem Jugendgottesdienst am Sonntag, 27.April, 18.00 Uhr, zum Motto: „Gegen den Strom“ geht es ebenfalls um Widerstand. Am Beispiel von Sophie Scholl wird gezeigt, wie sie mit anderen zusammen in der Diktatur des Nationalsozialismus unter Einsatz ihres Lebens ihrem Gewissen gefolgt ist.

Schließlich werden die Konfirmanden- und Jugendgruppen eigene Erfahrungen zum Thema „Zivilcourage“ machen können. Unter Leitung der Theaterpädagogin Anita Hüsemann stellen sie Situationen nach, in denen es um Gruppenzwang, Ausgrenzung und Wegsehen geht. Im eigenen Spiel, mit Übungen für Kopf und Körper werden sie erleben, was es heißt, sich gegen eine Mehrheit zu stellen, für seine Meinung aufzustehen. So kann Geschichte spürbar und erfahrbar werden.

Auskunft zu Ausstellung und Begleitprogramm: Pröpstin Lehmann-Stäcker und Pastor Detlef Görrig, Tel.: 040 / 800 500 34

 
 
 
   
 
   

Menschen erzählen aus schlimmer Zeit

Nordelbische Kirchenzeitung Nr.12 vom 16.03.2003

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

BLANKENESE – Wie war das damals? Eine Frage, die Kinder und Jugendliche schon seit tausenden von Jahren ihren Eltern stellen. Doch heute ist sie brisant. Die Großväter oder sogar die Väter waren eingebunden in die braune Denkwelt der Hitlerdiktatur. Auch an vielen Stellen in der evangelischen Kirche. Nicht immer konnte ihnen bewusst sein, was hinter der arischen Ideologie und dem Eroberungswillen steckte. Immerhin: Die NS-Jugendorganisationen boten mit Spiel, Sport und Lagerfeuerromantik, was Jungs ersehnen und mit Gesang, flotten Wanderungen und hübschen Kleidchen, was Mädchen wünschen.

Wie war das damals in der evangelischen Jugend? Und in den Kirchengemeinden? Darauf gibt es heute Antworten. Von Zeitzeugen. Am Montag, 15.Mai, 15.30 bis 18 Uhr, wird eine Podiumsdiskussion in der Bugenhagenkirche zu Groß Flottbek (Bei der Flottbeker Mühle) diesen Fragen nachgehen. Auf dem Podium sprechen: Dr. Ursula Randt, Inge Hutton, Gerhardt Wundermacher, Propst i.R. Hans-Günter Richers.

Information: Cornelia Strauß, Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises, Tel. 040 / 800 500 20.

 
 
 
   
 
   

Mit aller Kraft gegen Gewalt

Nordelbische Kirchenzeitung Nr.12 vom 16.03.2003

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

VON PRÖPSTIN MALVE LEHMANN-STÄCKER

Kann man im Angesicht des millionenfachen Völkermordes und der Verstrickung unserer Kirche Ostergottesdienste und Konfirmationen feiern?

Diese Frage, die den Kirchenkreis Blankenese bei der Suche nach einem Ort für die Ausstellung „Juden – Christen – Kirche“ beschäftigen musste, macht deutlich, wie wichtig diese Erinnerung an Schuld und Versagen ist. Zusammen mit dem Pfarramt Gewaltprävention im Kirchenkreis Blankenese ist ein Programm zusammengestellt worden, das besonders junge Menschen ansprechen soll. „Schuld verjährt nicht, das Erinnern und Bekennen schärft das Gewissen“ – so könnte man den Duktus des Begleitprogramms umschreiben.

Mir selber stockte der Atem, als ich das Losungswort für den Eröffnungstag aus dem Propheten Jeremia las: „Ich will einen ewigen Bunde schließen mit meinem Volk, dass ich nicht ablassen will, ihnen Gutes zu tun.“

Was haben wir uns als Christen und Christinnen angemaßt, diese Verheißung Gottes zunichte machen zu wollen. Wie schuldig sind wir geworden, indem wir uns millionenfachen Mord nicht entgegengestellt haben, sondern teilweise die unsägliche Rechtfertigung dafür übernahmen.

An diesem Karfreitag werde ich in besondere Weise erkennen, wie sehr ich der Vergebung bedarf. Und am „Yom ha-Shoa“ möchte ich mit Schülern und Schülerinnen fragen, was wir miteinander tun können, dass aus dem Erinnern Widerstand erwächst gegen jede Entwürdigung von Menschen anderer Rasse, anderen Glaubens, anderer Hautfarbe. Sich der Vergangenheit stellen heißt, auf einen Neuanfang hoffen.

Und so habe ich – nicht erst seit dieser Ausstellung – einen Traum: Dass Christen und Christinnen mit all ihrer Kraft gegen Gewalt aufstehen und sich einsetzen für einen umfassenden Frieden.

 
 
 
   
 

Nordelbiens Ausstellung wurde gestern Abend eröffnet, die Wehrmachtsausstellung folgt Anfang April

 

Eindrucksvolle Rückblicke in die NS-Zeit

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten

vom 15.März 2003

Neumünster (bk) Gestern Abend begann mit der Eröffnung von „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 – 1945“ in der Neumünsteraner Anschar-Kirche ein Ausstellungs-Trio, das sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln bis zum Juni mit dem Zweiten Weltkrieg und seiner Aufarbeitung beschäftigt. Die Ausstellung, in der sich die Nordelbische Kirche kritisch mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt, läuft bis zum 9.April.

Leicht zugänglich präsentiert sich die schwere Kost an zehn Stationen, die mit Texttafeln, Porträts und Tonbandaufnahmen mit Zeitdokumenten die Positionen innerhalb der Kirche zeigen: Von Judenhass über verdeckten Widerstand bis zum couragierten Kampf reicht die Bandbreite. Ein „lokales Fenster“ erinnert an den offen Widerstand leistenden Neumünsteraner Pastor Otto Roos. Einprägsam knapp sind historische Hintergründe auf Texttafeln zusammengefasst, Bleistiftzeichnungen aus Theresienstadt und die dort lebende „evangelische Gemeinde“ ergänzen die Auseinandersetzung der Kirche mit ihrer Geschichte.

Am 4.April läuft in der städtischen Tagungseinrichtung „Kiek in“ die vom Verein für Toleranz und Zivilcourage initiierte und von der Stadt vorbereitete Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges, 1941 bis 1944“ an. In den Dachgeschossen des Tagungszentrums in der Gartenstraße und der benachbarten ehemaligen Tuchfabrik Köster wird die überarbeitete Version der umstrittenen Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung bis zum 18.Mai gezeigt: Ebenfalls multimedial eindrucksvoll aufbereitet und durch eine Reflektion über die Fehler der ersten Ausstellung ergänzt. Das Heft mit dem umfangreichen Begleitprogramm mit Filmen, Vorträgen, Diskussionsabenden und Lesungen liegt bei den 25 beteiligten Verbänden und Institutionen ab sofort aus. „Wir sind stolz, dass wir es in rund einem halben Jahr geschafft haben, das Programm auf die Beine zu stellen“, sagt Vereinsvorsitzender Peter Seeger, der mit rund 25 000 Besuchern rechnet.

Anmeldungen für geführte Rundgänge in beiden Ausstellungen sind möglich, Anmeldung zur Ausstellungsführung in der Anscharkirche und Telefon 04321 / 498134, Infos unter www.kirche-christen-juden.org und zur geführten Tour durch die Ausstellung „Verbrechen de Wehrmacht unter Telefon 04321 / 4199697 weitere Infos unter www.verbrechen-der-wehrmacht.de.

 
 
 
   
 

Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“ beginnt am Freitag

 

Vom Umgang mit der Schuld

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten

vom 11.März 2003

Neumünster (sn) Die erste der großen drei Ausstellungen, mit denen Neumünster in diesem Frühjahr Vergangenheit aufarbeiten will, steht vor der Tür: Die Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“ in der Anscharkirche wird am Freitag, 14.März, um 20 Uhr mit Beiträgen von Propst Stefan Block, dem Historiker Dr. Stephan Linck, Dr. Annette Göhres vom Nordelbischen Kirchenarchiv und musikalisch von der Gruppe „Gojim“ eröffnet.

„Am heutigen Dienstag rollen die Exponate in einem 7,5-Tonner an; am Mittwoch und Donnerstag wird aufgebaut, am Abend haben wir dann einen ersten Rundgang für die 40 Ehrenamtlichen, von denen jeweils zwei als ständige Ansprechpartner für die Besucher da sein werden“, erklärt Renate Fey, bei der die Organisationsfäden zusammen laufen. Noch können sich Betreuer melden: 04321 / 498142. Die Wanderausstellung, die bis zum 9.April dienstags bis sonnabends von 10 bis 18 Uhr und sonntags nach den Gottesdiensten bis 18 Uhr besucht werden kann, begleitet ein anspruchsvolles Rahmenprogramm. „Das trägt unübersehbar die Handschrift von Pastor Bernd Hofmann, dem Beauftragten für den christlich-jüdischen Dialog im Kirchenkreis“, meinte Propst Block gestern.

Auf das Konzert mit hebräischen Liedern, die Esther Lorenz und Peter Kuhz am 17.März vortragen, folgt am 19.März die Abendveranstaltung „Vom Umgang mit der Schuld“. Dr. Linck, der die Ausstellung konzipiert hat, und Alt-Propst Johannes Jürgensen beleuchten die Entwicklung von Propst Ernst Szymanowski zum Massenmörder Biberstein an der Ostfront – und sein späteres ziviles Leben in Neumünster, das ihm nicht zuletzt Propst Steffen ermöglichte.

Über Frauen im Reformjudentum berichtet Sozialwissenschaftlerin Iris Weiß aus Berlin am 25.März. Daniel Kempin wird nicht nur ein Konzert in der Anscharkirche bestreiten, sondern in zwei weiteren Veranstaltungen mit Schülern musikalisch und im Gespräch thematisch arbeiten. Zudem locken Psalmvertonungen am 29.März. Zeitzeuge Mietek Pemper, Mitarbeiter von Oskar Schindler, wird nach einer Kino-Performance mit Schülern diskutieren. Und zum Abschluss referiert Linck am 9.April über „Die evangelische Kirche und die Shoa“.

Und im Anschluss an die Ausstellung sind zwei weitere Termine vereinbart: Dr. Frauke Dettmer, Kuratorin des Jüdischen Museums Rendsburg, wird berichten, was in jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins war und was blieb. Und am 21.Mai reist Prof. Dr. Peter v.d. Osten-Sacken aus Berlin an, der an der Humboldt-Universität das Institut Kirche und Judentum leitet. Sein Thema: „Paulus und das Gesetz“.

 
 
 
   
 
Bilanz
In Itzehoe war schon der Eröffnungsgottesdienst ein Publikumsmagnet. Am 9.März zieht die Wanderausstellung „Kirche – Christen – Juden“ weiter nach Neumünster
 

Schatten der Vergangenheit

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

ITZEHOE – Wenn an diesem Sonntag die Ausstellung „Kirche – Christen – Juden“ in Itzehoe ihre Pforten schließt, ist in Münsterdorf nicht nur ein wichtiger Beitrag zur kirchlichen Vergangenheitsbewältigung geleistet worden. „In einer sehr angespannten weltpolitischen Situation mit der akuten Gefahr eines Krieges kommt die Wanderausstellung zu uns“, hatte Propst Siemens bereits im Eröffnungsgottesdienst gesagt. „Sie rührt an tiefe Schichten unserer Existenz: als Einzelne, als Volk, als Kirche, als Christen. Schuld und Versagen, Hass und Ohnmacht, Verletzungen und Verdrängungen sind dabei im Spiel. Politische Wachsamkeit, Zivilcourage, aber auch große Besonnenheit sind jetzt gefordert.“ Für jeden Krieg, wie auch für jede Diktatur gelte: Das erste Opfer ist immer die Wahrheit.

Die Ausstellung mache deutlich, dass es eine ständige Aufgabe für alle bleibe, sich immer wieder mit den hier aufgeworfenen Fragen auseinander zu setzen, um unser Bewusstsein und Handeln zu schärfen. „Nicht um zu verurteilen, nicht um der historischen Nostalgie willen, nicht um sich selbstgerecht zu präsentieren, sondern um politische Wachsamkeit, Zivilcourage und Besonnenheit im Urteilen und Handeln zu gewinnen.“

Er freue sich ganz besonders, die beiden Söhne Erik und Gottfried Leiser des Brokdorfer Pastors Fritz Leiser, der in der NS-Zeit viel Bedrängnis, aber auch Hilfe erfahren habe, zur Eröffnung begrüßen zu können, so Siemens. Ihr Erscheinen sei ein mutiges Zeichen. Das Schicksal Pastor Leisers in der NS-Zeit war ein Teil des lokalen Fensters der Ausstellung. „Heilende Kraft für betroffene Angehörige erwarten wir auch von dieser Ausstellung. Denn mit Hass und Wunden weiter zu leben, ist die Verlängerung des Leids.“

Der Propst sprach allen Beteiligten seinen Dank aus: Dr. Annette Göhres und Dr. Stephan Linck für die historischen Recherchen, Pastor Willfrid Knees und seinem Vorbereitungskreis für das interessante Begleitprogramm, Hermann Schwichtenberg für die neuen Erkenntnisse über Täter und Opfer im „lokalen Fenster“.

„Wir haben uns um eine sachliche Darstellung ohne Wertung bemüht“, resümiert Dr. Stephan Linck. Er ist Historiker des Nordelbischen Kirchenarchivs und hat die Ausstellung „Kirche – Christen – Juden“ konzipiert. Bei der Eröffnung hatte Linck die einzelnen Stationen der Ausstellung vorgestellt und an den Flensburger Hauptpastor Friedrich Andersen erinnert, der 1921 den „Bund für Deutsche Kirche“ gegründet hatte und das Alte Testament als unchristlich bekämpfte. Den Hauptvortrag des Eröffnungsabends hatte der Kirchenhistoriker Dr. Hanspeter Reumann aus Flensburg gehalten. Er sprach über „Die Haltung der lutherischen Kirchen in Nordelbien gegenüber dem Nationalsozialismus, insbesondere die Rolle Wilhelm Halfmanns“.

Der Flensburger Pastor Halfmann, späterer Bischof für Holstein, der als Sohn des damaligen Schulleiters der Kaiser-Karl-Schule aufwuchs, war führendes Mitglied der Bekennenden Kirche. 1936 verfasste er die Schrift „Die Kirche und der Jude“, mit der er versuchte, die brennenden Fragen im Verhältnis von Christen und Juden zu beantworten. Halfmann stellt sich damit einerseits gegen die antisemitische Deutschkirche, billigte aber andererseits die Nürnberger Rassengesetze von 1935. Gleichzeitig erklärte er, dass die christliche Kirche Hass- und Hetzkampagnen der SA und der SS niemals mitmachen könne. Nach dem Krieg soll sich Wilhelm Halfmann ernsthafte Vorwürfe gemacht haben, sich nicht laut genug gegen Judenhass und Judenvernichtung gewendet zu haben. Er bekannte, dass er seine Schrift „Kirche und Jude“ schon nach den Novemberprogromen von 1938 so nicht mehr hätte schreiben können. (ede)

Ausstellung ab 14.März in der Anscharkirche Neumünster (Am Alten Kirchhof).

 
 
 
   
 
Einmalig
Das Buch „Als Jesus arisch wurde“ mit Beiträgen zur Wanderausstellung „Kirche –Christen – Juden 1933-1945“. Herausgegeben von Dr. A. Göhres, Dr. S. Linck sowie Pastor J. Liß-Walther
 

Einen weiten Bogen geschlagen

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

VON CLAAS HENNINGSEN
Das Buch zeichnet sich durch eine Vielfalt von Autoren und die Sammlung von Beiträgen zur Ausstellung aus. Gerade durch die Versammlung verschiedener Stimmen gelingt dem Buch zweierlei.

Erstens und erstmalig ist es das Anliegen der Herausgeber und der Herausgeberin, die verheerende Verfahrensweise der Kirchenangehörigen gegenüber getauften Juden nachzuzeichnen.

Zweitens wird auch große Sorgfalt bei der Einbettung des Forschungsgegenstandes in längere geschichtliche Entwicklungen an den Tag gelegt. Es wird verständlich, welch positives Echo die Ausstellung ihrerzeit in der bundesweiten Presse hervorrief. Der Nordelbischen Kirche wurde bescheinigt, sie habe sich mit dieser Ausstellung einem der schwärzesten Kapitel ihrer Vorgängerkirchen zu stellen gewusst. Die Form einer Wanderausstellung zu wählen, wurde als mutiger und lobenswerter Schritt gewertet, da das Thema zu den Gemeinden kam und kommt. Deutlich wird letzteres auch am „geistlichen“ Teil der Beiträge: Eine Andacht und die Predigten der gastgebenden Kirchengemeinde verdeutlichen die Aufnahme in den Gemeinden. Hier geschieht das Besondere: War man in der Zeit nach der „Walser-Debatte“ versucht zu glauben, das Gedenken würde im Gefühl des „Gesättigtseins“ breiter Teile der Öffentlichkeit zum Erliegen kommen, so wird beim Lesen deutlich, dass die Konzeption der Ausstellung aufging und auch weiter aufgehen wird: eine historisch fundierte Darstellung persönlichen und institutionellen Verfehlens kombiniert mit Gottesdiensten der jeweiligen Gemeinden. So ist eine lebendige und nur wenig ritualisierte Auseinandersetzung mit dem Themenbereich Kirche und Antijudaismus, bzw. Antizionismus gewährleistet. Es wird ein weiter Bogen geschlagen. Der Preis beträgt 12.80 Euro (ISBN:3-86108-539-9)

VON JOACHIM Liß-WALTHER
War es schon erschreckend, dass die Evangelische Kirche sich kaum schützend vor jüdische Gemeinden stellte, so erschüttert, dass selbst eigene Mitglieder jüdischer Herkunft für vogelfrei erklärt wurden. Die Taufe, durch die immerhin gilt: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“ (Galater 3,28; vgl. 1. Korinther 12,13) – die Taufe wurde der Deutschblütigkeit untergeordnet und entwürdigt. Um den Juden Jesus Christus am Kreuz und in der Kirche hängen lassen zu können, wurde versucht, ihn zum „Arier“ umzudefinieren und als Ankläger gegen die Juden und auch die auf seinen Namen getauften Judenchristen auftreten zu lassen.

Ich bin immer wieder bestürzt darüber, wie viele Kirchenleitungen, Pastoren, Theologen und Gemeindemitglieder sich eine nationalsozialistisch gefärbte Theologie zu eigen machten und machen konnten. Gewiß, viele machten diese Perversion nicht mit, doch nur wenige widersprachen öffentlich. Wie stark war der Druck? Wie groß war die Angst vor Repressalien? Wie sehr war die vorherrschende lutherische Theologie von deutsch-nationalem, autoritären Geist geprägt?

Die Autoren unseres Bandes „Als Jesus „arisch“ wurde“ machen zusammen mit den Dokumenten der Ausstellung eines deutlich: Das, was von Repräsentanten der Kirche verfügt, veranlasst, an Ausgrenzung vollzogen, gesagt, getan wurde, hätte nicht – und auf jeden Fall nicht so getan werden müssen. Dem vorhandenen Druck und der Angst kam bei vielen Neigung und Prägung entgegen. Anderes und damit: christliches Verhalten war durchaus möglich, wie es am Beispiel mancher Persönlichkeiten dargetan wird. Auch der mühsame Weg der evangelischen Kirche und Theologie nach dem Weltkrieg zu einem Eingeständnis von Schuld und Versagen belegt, wie schwer es war und ist, sich von theologischen Fehlurteilen, tiefeingefressenen Klischees, jahrhundertealtem Traditionsballast zu verabschieden. Wenn Arbeit an der Erneuerung des Verhältnisses von Christentum und Judentum, Kirche und Israel das reformatorische Thema ist, dann gibt es - wegen und trotz mittlerweile vieler erfreulicher Erkenntnisse und Bekenntnisse – noch viel zu tun.

Buch und Ausstellung wollen diesen Prozeß fördern, auch wenn dabei „Steine des Anstoßes“ zu finden sind. Unser christliches Selbstverständnis gerät ins Wanken, es wird jedoch durch seine jüdische Wurzel bereichert und genährt.

 
 
 
   
 
   

Historie bekommt Gesicht

Holsteiner Zeitung/Kieler Nachrichten vom 08.03.20023

Mit freundlicher Genehmigung der Kiler Nachrichten

Von Karsten Fehrs
Kirche Christen Juden in Nordelbien 1933 – 1945: Eigentlich sollen wir nur ein wenig aufpassen. Die nordelbische Wanderausstellung kommt ab dem 14.März zu uns in die Anscharkirche. Und darum sind ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer gesucht. Letzten Samstag ließen wir uns informieren, was dabei zu beachten ist. Mehr als 30 Frauen und Männer, die sich dafür etwas Zeit nehmen wollen.

Zuerst überlegte ich noch, wann wohl das Wesentliche erledigt wäre, denn mit sechs Stunden schien mir dies Vorbereitungsseminar doch sehr lang angesetzt zu sein. Aber kaum hatten Propst Block, Pastor Hofmann und Dr. Linck uns auf das Thema eingestimmt und mit dem Konzept der Ausstellung vertraut gemacht, begann ein intensives Gespräch unter uns. Persönliche Erinnerungen aus der Hitler-Diktatur, schreckliche Erlebnisse der Kriegszeit, Wahrnehmung des mühsamen Ringens um Erinnerungsarbeit und historische Aufarbeitung angesichts der massiven Verdrängung des Themas und heftiger Unschuldsbeteuerung. Auch in der Kirche. Wir hätten noch viel länger zusammensitzen können und merkten, wie neugierig wir auf die Ausstellung wurden.

Denn diese Ausstellung hat ein besonderes Konzept. In zehn Stationen der Ausstellung werden zuerst einmal einzelne Personen vorgestellt. Historie bekommt ein Gesicht. Menschen mit besonderem kirchlichen Hintergrund. In ihrer Biografie spiegeln sich die Zeitumstände, Wendepunkte der Lebensgeschichte und auch die persönlichen Gewissensentscheidungen wider. Auch wird in einem lokalen Fenster besonders auf die damalige Situation im Kirchenkreis Neumünster geschaut. Diese Art von Ausstellungsgestaltung bietet Chancen und Risiken. Ein Risiko liegt darin, vorschnell ein Urteil zu fällen: Ein kurzer Blick auf die Biografie, eine grobe Abschätzung der Lebensleistung, ein hochnäsiges Einsortieren nach gut oder böse, Engel oder Teufel, Vorbild oder Finsterling. Schade, wenn das Thema damit abgetan wäre, jemand ungerührt die Ausstellung verließe. Eine Chance sehe ich darin, dass wir heute unserem eigenen Lebenshintergrund und unserem eigenen Lebensanliegen etwas mehr auf die Spur kommen. Historie kennenlernen und aus der Geschichte lernen. Ein Stück Vergangenheitsbewältigung? Ja, und auch ein wichtiger Schritt zur Gegenwartsbewältigung: Schärfung des Gewissens genauso wie politische Aufklärung. Darum die Ausstellung in der Kirche und zuerst auch für die Kirche!

In Gästebüchern können die Besucherinnen und Besucher Rückmeldung auf die Ausstellung geben. Wir als Betreuerinnen und Betreuer wollen in einem Betreuungs-Begleitbuch unsere Wahrnehmungen niederlegen. Denn diese Ausstellung hat jetzt schon begonnen, uns zu bewegen. Auch darauf wollen wir ganz besonders aufpassen.

Karsten Fehrs ist Pastor an der Anscharkirche in Neumünster.

 
   
 
 
 

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