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Presseberichterstattung Rendsburg
 

 
   

22.09.2001

Rendsburger Tagespost:
Lesung und Film zur Ausstellung

21.09.2001

Hamburger Abendblatt:
Ausstellung: Christen und Juden zur NS-Zeit

21.09.2001

Kieler Nachrichten:
Lingner: „Wir empfinden hohes Maß an Scham und Schuld“

21.09.2001

Flensburger Tageblatt:
Herbsttagung der Synode / Ausstellung beleuchtet dunkles Kapitel der Kirchengeschichte

20.09.2001

Presseerklärung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche:
Synodenpräsidentin eröffnet Ausstellung zum Thema „Christen und Juden“

20.09.2001

Presseerklärung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche:
Wanderausstellung zum Thema Christen und Juden in Rendsburg eröffnet

16.09.2001

Nordelbische Kirchenzeitung:
Ausstellung zur Synode

16.09.2001

Nordelbische Kirchenzeitung:
Glaubwürdig mit den Juden reden

 
   
 
   

Lingner: „Wir empfinden hohes Maß an Scham und Schuld“

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten

21. September 2001

Rendsburg (chr) „Kein Pastor wurde gezwungen, von der Kanzel gegen Juden zu hetzen. Wenn einer dies tat, geschah es aus freien Stücken.“ Diese Sätze stehen am Eingangsportal der Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“, die gestern Abend in der Christkirche in Rendsburg-Neuwerk am Paradeplatz eröffnet wurde.

Um durch das Portal zu gelangen, geht man über die Projektion eines Bildes am Boden, das die „Weihe der ersten Ortsgruppenfahne Angelns“ zeigt. Dort, wo normalerweise die Gesangbücher vor den Besuchern der Gottesdienste liegen, reiht sich Tafel an Tafel mit Texten und Bildern zur Geschichte. Wichtigste Teile der Ausstellung sind jedoch neben dem lokalen Fenster die zehn Stationen, die an persönlichen Beispielen mit unterschiedlichen Verhaltensweisen verdeutlichen sollen, dass die „Kirche immer die Wahl hatte“, wie Dr. Stephan Linck erklärte.

Der Kieler Historiker, der Doktorand bei Prof. Gerhard Paul an der Universität Flensburg war, hat die Ausstellung gemeinsam mit der Leiterin des Nordelbischen Kirchenarchivs, Dr. Annette Göhres, sowie Studenten der Muthesius-Fachhochschule erarbeitet.

Per Knopfdruck werden die Personen an den Stationen auf großen Leinwänden sichtbar, Tondokumente vermitteln weitere Eindrücke. Die Stationen reichen vom „Völkischen Christentum“ am Beispiel des Pastors und aktiven Nationalsozialisten Friedrich Andersen zum Thema „Judenhass bis zum Massenmord“ am Beispiel des Pastors Ernst Szymanowski, der später im Zweiten Weltkrieg persönlich die Deportation und Ermordung von Juden befahl.

„Es gab auch positive Beispiele, aber leider nur wenige“, sagte Linck. Während der zweijährigen Vorbereitung der Ausstellung hat ihn zwar einerseits die breite Unterstützung aller Kirchengemeinden überrascht, andererseits aber erstaunt, wie sehr das Thema „im Bewusstsein der Kirche bisher ausgeblendet gewesen ist“.

„Wir empfinden ein hohes Maß an Scham und an Schuld“, erklärte Synodenpräsidentin Elisabeth Lingner. Sie betonte, dass mit der Ausstellung und der Erklärung zum Thema Christen und Juden, über die wie berichtet heute und morgen die Synode befinden wird, „Umkehr und Buße“ geleistet werden solle. „Wir wollen damit auch ein Zeichen setzen, dass keine Religion berechtigt ist, zum Hass aufzurufen“, sagte Lingner.

Die Ausstellung ist bis zum 21. Oktober jeweils montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr zu sehen. Unter der Telefonnummer 04331-22442 können Termine für Führungen vereinbart werden. Dort gibt es auch Informationen über das Rahmenprogramm mit Lesungen, Vorträgen und Filmen.

Die Ausstellung wird danach in Lübeck, Hamburg und Kiel (vermutlich im Februar in der Ansgarkirche) sowie zahlreichen weiteren Kirchengemeinden gezeigt.

 
   
   
 
Synodenpräsidentin eröffnet Ausstellung zum Thema „Christen und Juden“
 

Lingner: „Der Weg der Befreiung heißt Erinnerung“

Jeder müsse wissen, dass er immer neu schuldig werden kann

Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche
Der Pressesprecher der Synode, Ocke H. Peters

20. September 2001/Im

Rendsburg - Die Präsidentin der Nordelbischen Synode, Elisabeth Lingner, hat am Donnerstagabend in der Rendsburger Christkirche eine Wanderausstellung unter dem Titel „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien von 1933 bis 1945“ eröffnet. Diese Ausstellung ist Teil des Bemühens der Nordelbischen Kirche, das Handeln der Evangelischen Kirche während der NS-Zeit aufzuarbeiten und das Verhältnis zu den Juden in Deutschland auf eine neue Basis zu stellen. „Wir sind in dieser Kirche, um uns an das Geschehen von damals erinnern zu lassen,“ sagte die Präsidentin. „Der Weg der Befreiung heißt Erinnerung.“

Die Eröffnung dieser Ausstellung falle in eine Zeit, „in der uns erneut erschreckend deutlich gemacht wurde, in welcher Weise Ideologien des Hasses und der Gewalt eskalieren können“, sagte die Präsidentin. Keine Religion der Welt rechtfertige solche Gewalt, wie sie vor neun Tagen in New York und Washington sichtbar geworden sei.

Gewaltausbrüche dieser Art haben nach den Worten der Präsidentin immer eine lange Vorgeschichte: Menschen werden Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte lang mit Hass und Rachegedanken infiltriert. Es beginne ein schleichender Prozess, Andersdenkende, Andersgläubige oder auch nur Menschen anderer Abstammung auszugrenzen, als nicht zur Gemeinschaft gehörig zu diffamieren, zu verfolgen und zu vernichten. Es sei Auftrag des Christentums, gegen diese Mechanismen das Gebot des Friedens, der Versöhnung und der gegenseitigen Akzeptanz zu setzen. Diesen Auftrag hätten die christlichen Kirchen in den Jahren der Judenverfolgung nicht erfüllt.

Wer diese Ausstellung besuche, solle sich nicht nur an diese schreckliche Vergangenheit erinnern, er solle „nicht nur Scham empfinden über das, was ein Teil unserer Kirchengeschichte ist“, sagte Frau Lingner. Er solle sich vielmehr anhand der erschreckenden Dokumente damit auseinandersetzen, dass auch die Kirchen seinerzeit schuldig geworden sind, und es solle ihm klar werden, „dass wir – jeder und jede von uns – immer wieder schuldig werden können, wenn wir aus dem Glauben heraus nicht mutig für Frieden und Versöhnung eintreten, jeden Tag neu auf die Botschaft der Bibel hören und unser Handeln davon bestimmen lassen“.

 
   
   
 
Wanderausstellung zum Thema Christen und Juden in Rendsburg eröffnet
 

Dr. Linck: Vor der Versöhnung muss die Einsicht kommen

Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche
Der Pressesprecher der Synode, Ocke H. Peters

20. September 2001/Im

Rendsburg - Die Ausstellung über das Verhalten der Kirche gegenüber dem Judentum während der nationalsozialistischen Zeit kann nach den Worten des Kieler Historikers Dr. Stephan Linck mit dazu beitragen, dass Christen und Juden in Norddeutschland ein neues Verständnis füreinander entwickeln. Anlässlich der Eröffnung dieser Ausstellung sagte er am Donnerstag in Rendsburg, die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit sei für Christen wichtig, um glaubwürdiger Versöhnung zu betreiben.

Linck hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren im Auftrag der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche die nationalsozialistische Vergangenheit der evangelischen Kirchen in Schleswig-Holstein und Hamburg erforscht und die Ausstellung erarbeitet. Die breite Unterstützung in den Gemeinden und das große Interesse an der Aufarbeitung der NS-Geschichte seien für ihn überraschend und erfreulich gewesen, sagte er.

Bei seinen Forschungsarbeiten sei klar geworden, dass sich unter den Begründern des modernen Antisemitismus in Deutschland vielfach evangelische Geistliche fanden. Viele hätten sich bereits während der Weimarer Republik dem Nationalsozialismus zugewandt. Das lasse sich auch beziehungsweise gerade an den Landeskirchen nachweisen, aus denen vor knapp 25 Jahren die Nordelbische Kirche entstand.

Als die nationalsozialistische Herrschaft 1933 begann, gab es zwar innerhalb der evangelischen Kirche vielfach Widerspruch, insbesondere aus den Kreisen der Bekennenden Kirche, sagte Linck. Aber auch sie habe sich schwer getan, mit klaren Worten gegen den völkischen Antisemitismus der Nationalsozialisten Widerstand zu argumentieren. Der mutige Widerstand, den viele Angehörige der Bekennenden Kirche leisteten, habe jahrzehntelang in Vergessenheit geraten lassen, „dass auch sie für die jüdische Minderheit nur selten offen Partei ergriffen.“

Die Ausstellung behandelt in großen Abschnitten die auf die Judenverfolgung bezogenen kirchlichen Handlungen in den Jahren 1933 bis 1945. Sie illustriert dann am Beispiel von Einzelschicksalen, wie Christinnen und Christen seinerzeit zur Judenverfolgung Position bezogen und wie es christlich getauften Juden ergangen ist. Die Stichworte dazu lauten unter anderem „völkisches Christentum“, „Deportation nichtarischer Christen“, „entjudete Theologie“ und „Judenhass bis zum Massenmord“.

 
   
   
 
   

Ausstellung zur Synode

Nordelbische Kirchenzeitung, 16. September 2001

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

Rendsburg - Pünktlich zur Themensynode wird in der Neuwerker Christkirche eine Ausstellung eröffnet, die Einblicke in die NS-Vergangenheit der Kirche in Hamburg und Schleswig-Holstein geben soll.

Zur Vorbereitung auf die Synode hatte die Nordelbische Kirche den Kieler Historiker Dr. Stephan Linck mit einem Forschungsprojekt zur systematischen Erfassung entsprechender Quellen beauftragt. Die Ergebnisse seiner dreijährigen Arbeit werden in der Wanderausstellung "Kirche, Christen, Juden" zu sehen sein. In der Rendsburger Christkirche vom 21. September bis 21. Oktober (mo.-fr. 10-12 und 15-17 Uhr, sa. 10-12 Uhr).

Hindergründe zur Synode

Weiterführende Beiträge zum Thema "Christen und Juden" finden Sie in dieser Ausgabe der "Nordelbischen Kirchenzeitung" auf Seite 2 ("Christentum wurzelt im Judentum") und Seite 5 ("Glaubwürdig mit den Juden reden"). Im Internet unter www.nordelbische.de finden Sie eine Dokumentation bisheriger Beiträge.

 
   
 
 
Die Nordelbische Synode steht jetzt vor einem historischen Schritt. Tagung vom 20. bis 22. September in Rendsburg
 

Glaubwürdig mit den Juden reden

Nordelbische Kirchenzeitung, 16. September 2001

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

von Dr. Siegfried v. Kortzfleisch

I

Nur wenige Wochen bleiben noch. Dann liegt das Thema in Rendsburg der Synode vor: Christen und Juden, eine lange, eine verpasste Geschichte. Es soll endlich klar gestellt werden, Christen, auch die in Nordelbien, suchen ein neues, ein gutes verstehendes Verhältnis zum Judentum. Endlich. Nach vielen Jahrhunderten voller falscher Nachreden – mit all ihren gefährlichen, oft buchstäblich lebensgefährlichen Folgen.

Und gefährlich war es ja nicht nur für Juden. Auch die Christen nahmen Schaden, als sie ihre jüdischen Wurzeln verleugneten oder vergaßen. Sie entfernten sich von ihren eigenen biblischen Urdokumenten. Zumindest ihre Glaubwürdigkeit hatte gelitten. Und was kann es Schlimmeres geben.

Das soll, nach dem Willen der nordelbischen Synode, anders werden. Dem diente der „synodale Prozess“, der die Jahre 2000 und 2001 füllte. Sehr viele Menschen zwischen Harburg und Flensburg haben Erkenntnisse gewonnen, die ihnen bislang nicht vertraut waren; Erkenntnisse, die ihnen helfen, dem jüdischen Glauben offen gegenüber zu treten.

Sie haben nicht nur Informationen gewonnen. Das freilich auch. (Typisch der Ausruf der Pastorin H.: „Endlich habe ich begriffen, wie tief unser Abendmahl im jüdischen Pessachfest wurzelt“). Sie haben alt überkommene Fehlurteile revidiert. (Gott hat die Juden nicht verloren gegeben!). Sie haben Meinungen, die schuldhaft gewirkt haben, gegen bessere eingetauscht.

II

Das Thema war dran, die Synode hatte es so entschieden. Und kein offen hörbarer Widerspruch dagegen kam auf. Im Gegenteil. Seit Monaten schon verbreitet sich eine zuversichtliche Stimmung. Man konnte prophezeien, es werde am Ende etwas Gutes aus dem „synodalen Prozess“ herauskommen.

Wichtige Impulse waren im Jahre 2001 vor allem von Kirchenkreissynoden gekommen. Auffallend: Sie hielten sich mit dem noch beim Kirchentag in Stuttgart 1999 umstrittenen Thema der Judenmission kaum noch auf. Dass systematische und absichtsvolle Judenmission nach der Shoa aus Gründen des historischen Takts abzulehnen sei, das war ohnehin schon allgemeine Überzeugung geworden. Dass man sie aber auch theologisch nicht mehr überzeugend zu begründen vermag, das scheint sich inzwischen offenbar ebenfalls durchzusetzen.

Auch das Nordelbische Missionszentrum in Hamburg stimmt damit überein. „Während der Sendungsauftrag der Kirche an die Völker der Welt unbestritten bleibt, kommt für uns ‚Judenmission’ aus theologischen Gründen nicht mehr in Frage“. So beschlossen am 1. September 2000.

III

Ebenfalls unbestritten ist der „Dialog“ mit dem Judentum. Man müsse ihn fördern, heißt es, und, ohne Frage, gegebenenfalls gehöre dazu auch, dass Juden und Christen einander Auskunft geben können oder sollen, was in ihrer jeweiligen Religion besonders wichtig und unverrückbar ist. Unter den Christen in diesem Dialog kommt derweil eine Faustregel auf, die neu ist, dass sie nämlich nur reden („zeugen“) sollten, wenn Juden sie eigens danach fragen.

Und was ist mit der „absoluten Wahrheit“? Dogmatiker aller Zeiten haben sie vor sich her getragen. Sie verlangten dafür Unterwerfung. Sie erwarteten: „Friss Vogel oder...“. Es war eine christliche Denkgewohnheit, die niemandem die Freiheit ließ, anderes zu glauben. Es scheint, als habe sie nun doch an Gültigkeit und bedrohlicher Kraft verloren. Auch die Professoren der Theologie in Kiel oder Hamburg, die nach ihrer Meinung gefragt worden waren, haben sich, soweit bekannt, nicht hinter einer „absoluten Wahrheit“ verschanzt.

IV

In der Nordelbischen Synode besitzen die Kirchenkreise das Recht, Anträge einzubringen. Das haben sie ausgiebig genutzt. Deshalb wird die Beschlussvorlage einen kühnen Vorschlag enthalten: Die Verfassung der nordelbischen Kirche solle in ihrer Präambel einen zusätzlichen vierten Absatz aufnehmen. Etwa so, wie es seit 1996 in der Verfassung der rheinischen Kirche steht: Die Kirche, heißt es dort, „bezeugt die Treue Gottes, der an der Erwählung seines Volkes Israel festhält. Mit Israel hofft sie auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.“ Einen gleichen Schritt haben bereits etliche andere Landeskirchen getan, so etwa die in Berlin-Brandenburg, Pommern, Oldenburg, Rheinland, Hessen-Nassau, in der Pfalz und die Reformierten.

Auf dergleichen hatte in Nordelbien am Anfang des „synodalen Prozesses“ noch kaum einer zu hoffen gewagt. Jetzt (bis Mai 2001 eingereicht) liegen wenigstens fünf Anträge zur Präambel vor. Von den Kirchenkreisen Süderdithmarschen, Schleswig, Harburg, Lübeck und Stormarn. Viele andere werden sie unterstützen.

V

Was steht noch im Weg? Eine Opposition gegen das ganze Unternehmen ist bisher nicht zu sehen. Etwa verbliebene Bedenkenträger sind so leise geworden, dass man sie nicht hört. Vielleicht stolpern die Protestanten im Norden jedoch noch über ihren eigenen großen Eifer.

Jeder Satz der Entschließung könnte hin und her gewendet werden. Jeder Leser, wenn er ein Denker und Dichter ist, ist fähig, einen Text noch schöner oder klarer, vielleicht auch glatter zu bilden. Zahlreiche Theologen vor allem stehen bereit, Wort für Wort darauf abzuklopfen, ob es der perfekt korrekten (theologischen) Sprache entspricht. Es ist also gar nicht schwer, das Beschlussverfahren in eine quälende Mühsal zu überführen. Und dies aus lauter gutwilligem Eifer.

Keinen könnte das ernsthaft erfreuen. Zumal bei diesem Thema, Christen und Juden, das doch wahrlich empfindlich genug ist. Die Pragmatiker kommentieren so: Wichtig ist es, eine ehrliche, einsichtige und freimütige Erklärung zu gewinnen. Wichtig ist es, sie einhellig zu beschließen. Glaubwürdig und überzeugend. Dies und nur dies sind die Christen den Juden (und sich selbst) schuldig.

VI

Und das Ziel? Juden und Christen müssen einander künftig nicht ständig spirituell umarmen. Ein jüdischer Gesprächspartner hat gesagt: „Ich wünsche mir für die Zukunft eine Partnerschaft ohne Beugung“. Viel ist gewonnen, wenn Christen und Juden einander achten oder gar schätzen. Wenn nicht mehr das Christentum das Judentum zu erdrücken droht. Wenn die Christen vielmehr notfalls für das Judentum eintreten. Viele Christen wollen den Juden, wenn sie mit ihnen sprechen, frei in die Augen blicken können.

VII

Am Donnerstag, gegen Abend, das ist der 20. September, wird in Rendsburg Jörgen Sonntag, der frühere Preetzer Propst, die zu beratende „Erklärung“ förmlich „einbringen“. Sonntag ist Vorsitzender des dafür eingesetzten Vorbereitungsausschusses. Diskutieren und beschließen will die Synode schon am Freitag Nachmittag. Davor, noch am Donnerstag Abend liegt ein für das Thema sehr wichtiges Ereignis, die Eröffnung der Ausstellung mit dem spröden Titel „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“.

Es geht um ein Dutzend Biographien aus Nordelbien. Schicksale zwischen den beiden Religionen. Darunter der ehemalige Pastor Horst Szymanowski, der zum Gestapochef von Oppeln wurde und 3000 Juden ermorden ließ. Und der „nichtarische“ Christ Arthur Goldschmidt, der eine evangelische Gemeinde in Theresienstadt sammelte. Oder Hermann Mulert, Theologieprofessor in Kiel, ein scharfer Gegner des Antisemitismus, der 1935 seinen Lehrstuhl verließ.

Es hat unter Hitler vielerlei gegeben. Versagen und Bewähren, Schweigen und Widerstehen, Hinsehen und Wegsehen. Furchtbare Schuld und rührende Hilfe. Für alles gibt es Namen von Menschen. Am stärksten aber war das Versagen. Und dies trägt ungezählte Namen.

Die Ausstellung erzählt davon. Sie moralisiert nicht. Sie zeigt, auch unter Christen entscheiden die Menschen sehr verschieden. Doch manchmal sind die Folgen verheerend. Man muss es erinnern.

So gehört die Ausstellung über Christen und Juden wesentlich zur Vorbereitung auf den nordelbischen neuen Anfang im Verhältnis der Christen zu den Juden. Sie ist eine dringend notwendige Aktion der christlichen Aufklärung.

 
   
     

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