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Presseberichterstattung Schleswig
 

 

 

 

 

21.04.02

Nordelbische Kirchenzeitung
Evangelisch-lutherisches Wochenblatt:
Schuld, Mitschuld und Bewältigung

12.04.02

Flensborg Avis:
NS-Pastor ruht unter großem Hakenkreuz

10.04.02

Schleswiger Rundschau:
Nordelbien auf den Spuren seiner jüngsten Vergangenheit

10.04.02

Flensborg Avis:
Täter bekommen ein Gesicht

04.02

Enough is enough:
Kirche, Christen, Juden – eine Ausstellung thematisiert die kirchliche Schuld gegenüber Juden und Jüdinnen während der NS-Zeit

04.2002

Flensborg Avis:
Jødefjendtlig æresborger

 
   
 
Wanderausstellung „Kirche – Christen – Juden in Nordelbien 1933-45“ erfolgreich eröffnet
 
 
 

Schuld, Mitschuld und Bewältigung

Nordelbische Kirchenzeitung, Evangelisch-lutherisches Wochenblatt, 21.04.2002

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

SCHLESWIG– Bis Anfang Mai wird im St. Petri-Dom die Wanderausstellung „Kirche – Christen – Juden in Nordelbien 1933-45“ gezeigt. Sie ist wie schon zuvor in Rendsburg, Hamburg, Kiel, Lübeck und Marne auch hier bei vielen Besuchern auf reges Interesse gestoßen und hat die Fragen nach Schuld, Mitschuld und Bewältigung neu belebt. Zur Eröffnungsveranstaltung am 8. April waren etwa 100 Besucher gekommen. Zwischen den Kurzvorträgen erklang Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Monika Eder (Sopran) sang u.a. die beiden Arien „Seid stille im Herrn“ und „So ihr mich von ganzem Herzen suchet“ aus dem Oratorium „Elias“, und Rainer Selle spielte Präludium und Fuge d-Moll.

Nach der Begrüßung durch die stellvertretende Pröpstin Johanna Lenz-Aude fand der Erste Kreisrat Ingo Degner anerkennende Worte zu Form und Inhalt der Ausstellung: sie sei ein Appell an Toleranz und Zivilcourage. Pastorin Anke Wolff-Steger erläuterte die „lokalen Fenster“, gezielte Darstellungen aus dem Kirchenkreis Schleswig. Dr. Annette Göhres, Leiterin des Nordelbischen Kirchenarchivs, berichtete vom Zustandekommen der Ausstellung seit der Landessynode 1997, und der Historiker Stephan Linck gab einen Einblick in die Anordnung der Dokumentation.

Zum abschließenden Rahmenprogramm gehört ein Stadtrundgang in Friedrichstadt am 20.4. mit der Stadtarchivarin Christiane Thomsen. Im Schleswiger Dom spricht am 22.4. um 19:30 Uhr der Historiker Dr. Stephan Linck über Antisemitismus in der schleswig-holsteinischen Landeskirche und am 25.4. um 15:30 Uhr Dr. Bettina Goldberg über das Leben jüdischer Kinder unter dem NS-Regime. Jiddische Lieder, vorgetragen vom Ernst Busch Chor Kiel, erklingen am 27.4. während der Wochenschlussandacht um 18:30 Uhr. Propst i.R. Jörgen Sonntag beschließt die Vortragsreihe am 29.4. um 19:30 Uhr, er spricht über die mühsamen Schritte der evangelischen Kirche zur Anerkennung ihrer Mitschuld an der Judenverfolgung.

 
 
 
   
 
Nazi-Größen. Nationalsozialistische Symbole auf dem Mühlenfriedhof.
 
 
 

NS-Pastor ruht unter großem Hakenkreuz

Mit freundlicher Genehmigung der Flensborg Avis

12.04.2002

FLENSBURG. Im Zusammenhang mit der laufenden Ausstellung „Kirchen – Christen – Juden“ im Schleswiger Dom, die ein kritisches Licht auf das Verhältnis der Kirche zum Nationalsozialismus wirft, spielt auch ein Flensburger Kapitel eine Rolle.

Dabei handelt es sich um den Hauptpastor in St. Johannes, Friedrich Andersen, der 1940 als hochgeehrter Nationalsozialist und Ehrenbürger der Stadt gestorben ist (wir berichteten). Er ruht auf dem Flensburger Mühlenfriedhof.

Den Grabstein ziert auch heute noch ein großes Hakenkreuz. Das gleichgroße nationalsozialistische Symbol wurde auch in den Stein daneben gemeißelt und blieb ebenfalls bis heute erhalten. Frische Blumen zierten in dieser Woche die Nazi-Grabstelle.

Der stadthistorisch bewanderte Flensburger W. L. Christiansen wundert sich darüber, dass diese Symbole immer noch auf dem Friedhof dokumentieren, das die Landeskirche seinerzeit den völkischen Kampf gegen den „zersetzenden jüdischen Einfluss“ unterstützt hat.

Patriotische Abendandachten
Nach seinen Recherchen war Andersen nicht der einzige NS-Pastor, wohl aber ein herausragender als gleichzeitiger politischer Leiter der NSDAP-Ortsgruppe.

Zu dessen Gesinnungsgenossen im „Verein Glaubensbewegung Deutsche Christen“ zählten Heinrich Kähler und Johannes Lensch. Laut W. L. Christiansen wurde Kähler wegen seiner patriotischen Abendandachten bekannt, die den Krieg als „Pfingstfest des deutschen Volkes“ feierten.

Der 1933 gewählte Landesbischof Adalbert Paulsen aus Krummenort schwärmte gleichzeitig von Braun als „Farbe des deutschen Lebens“ und ließ eine Synode mit „Sieg Heil“ und Horst-Wessel-Lied schließen.

Otmar Petersen

 
 
 
   
 
Geschichte. Ausstellung im Dom über die Rolle der Kirche im Nationalsozialismus beleuchtet anhand von neun Lebensläufen unterschiedliche Handlungsweisen Kirchenbediensteter gegenüber Juden.
 

Täter bekommen ein Gesicht

Mit freundlicher Genehmigung der Flensborg Avis

10.04.2002

SCHLESWIG. Jeder Mensch hat zu jeder Zeit die Wahl, wie er mit den Ausgegrenzten der Gesellschaft umgehen will. Dies trifft auch für die Zeit des Nationalsozialismus zu. Eine Ausstellung des Nordelbischen Kirchenarchivs im St. Petri-Dom stellt auf beeindruckende und selbstkritische Weise anhand von neun Lebensläufen dar, welche Verhaltensweisen sie gewählt haben.

Das Ausmaß kirchlicher Schuld
„Schleswig ist die sechste Station unserer Wanderausstellung, die bislang viel Aufsehen erregt hat“, sagte Dr. Stephan Linck, der für die inhaltliche Konzeption verantwortlich ist, zur Eröffnung. „Das Ausmaß kirchlicher Schuld an der Judenverfolgung, das erstmals in dieser Breite dargestellt wird, emotionalisiert.“
„Die Ausstellung zeigt Vergangenheit, die doch nicht vergangen ist, weil sie prägend ist und nachwirkt“, sagte die stellvertretende Pröpstin Johanna Lenz-Aude. „Sie macht Geschichte zu Geschichten von Leid und Verrat, von Menschlichkeit, Tod und Vergeben.“ Besonders junge Menschen seien aufgefordert, sich die Ausstellung anzusehen. „Denn eine Erinnerung sind wir uns selbst, aber ganz besonders ihnen schuldig, damit wir menschlicher werden“, ergänzte Anke Wolff-Steger, Pastorin des Jugendpfarramtes.

Appell an Zivilcourage
Der stellvertretende Landrat Ingo Degner zollte der Ausstellung Anerkennung, weil die nordelbische die erste Landeskirche ist, die sich dem Tabu-Thema der Ausgrenzung und Verfolgung der Juden stellt. „Die Ausstellung ist in jeder Hinsicht aktuell. Sie appelliert an Toleranz und Zivilcourage, an die Vernunft im gesellschaftlichen Miteinander. Zudem ist sie eine dringend notwendige Aktion der christlichen Aufklärung“, betonte Degner.
Anhand von Tafeln mit Texten und Bildern, die sich an zehn Stationen ums Kirchenschiff ziehen, bekommen Opfer und Täter anhand von neun Biografien ein Gesicht. Da ist beispielsweise der Hauptpastor Friedrich Andersen, der den Antisemitismus in Flensburg hoffähig gemacht hat. Die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg sah er als Werk einer „jüdischen Weltverschwörung“. 1921 gründete er den Bund für Deutschkriche, die für eine „arisierte“ deutsche Kirche eintrat. Gleichzeitig vertrat er den Völkisch-Sozialen Block im Flensburger Stadtrat, bis er 1925 mit der gesamten Ortsgruppe zur NSDAP übertrat.

Propagandist starb als Ehrenbürger
Andersens antisemitische Propaganda zog keine Maßregelungen seitens der Landeskirche nach sich. Vielmehr unterstützte sie bereits 1924 ausdrücklich den völkischen Kampf gegen „zersetzenden jüdischen Einfluss“. Andersen starb 1940 als hoch geehrter Nationalsozialist und Ehrenbürger Flensburgs.
Neben anderen Biografien zeichnet die Ausstellung im „lokalen Fenster“ drei Schicksale jüdischer Bürger in Friedrichstadt nach, in dem sich das regionale jüdische Lebens konzentriert hat.
Die Ausstellung „Kirche – Christen – Juden“ wird bis zum 1. Mai täglich von 9 bis 17 Uhr im St. Petri-Dom gezeigt und von Vorträgen begleitet. Nähere Informationen gibt es bei der Domgemeinde unter der Telefonnummer 963054.
Renate Hopfe

 
 
 
   
 
Mit einer Erklärung zur Aufhebung antijüdischer Kirchengesetze und zur kirchlichen Mitschuld an der Ausgrenzung, Diskriminierung und der Ermordung von Juden und Jüdinnen in der NS-Zeit hatte die Synode der Nordelbischen Kirche 1998, anlässlich des 60. Jahrestages der Reichspogromnacht, einen Aufarbeitungsprozess kirchlichen Verhaltens während des Nationalsozialismus in Gang gesetzt. Der Kieler Historiker Dr. Stephan Linck wurde mit der Erfassung und Auswertung von Quellen und der Erstellung einer Wanderausstellung beauftragt.
 

„Als Kirchenvogt, Kirchendiener oder Friedhofswärter kann nur ein evangelischer Christ angestellt werden, der rückhaltlos für den nationalen Staat und die Deutsche Evangelische Kirche eintritt. Wer nicht arischer Abstammung ist oder mit einer Person nicht arischer Abstammung verheiratet ist, darf nicht als Kirchenvogt, Kirchendiener oder Friedhofswärter angestellt werden.“

Gesetz der Lübeckischen Landeskirche vom 31. Dezember 1936

 
 

Kirche, Christen, Juden – eine Ausstellung thematisiert die kirchliche Schuld gegenüber Juden und Jüdinnen während der NS-Zeit

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "enough is enough", Nr. 16/2002

Die Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“ wurde nunmehr im September 2001 in Rendsburg eröffnet und ist nach Aufenthalten in Lübeck und Hamburg zur Zeit in Kiel zu sehen. Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Teiles der jüngsten Kirchengeschichte war von einem synodalen Prozess begleitet, der eine Neubestimmung des Verhältnissen von Christen und Juden ermöglichen und einleiten sollte. In der Synodenerklärung der Herbsttagung 2001 mit dem Titel „Christen und Juden“ heisst es hierzu ungewohnt eindeutig:
„Wir bekennen: Durch antijüdische Auslegungen der Bibel und durch eine entsprechende Verkündung und Lehre ist die Kirche mitverantwortlich und mitschuldig an der Jahrhunderte langen Geschichte der Feindseligkeit gegen Juden im Abendland, ihrer Entrechtung und Verfolgung, die in der fast vollständigen Vernichtung des europäischen Judentums, der Schoa, gipfelte.“
Neben einer Reihe von mehr oder weniger konkreten Maßnahmen zur Förderung des christlich-jüdischen Dialogs lässt das Papier allerdings eine eindeutige Verurteilung des anwachsenden Antisemitismus in Deutschland vermissen. So blieb es der Hamburger Bischöfin Jepsen vorbehalten, „in einer Zeit, wo der Antisemitismus mit seinen Stammtischwitzen und Parolen über das Weltjudentum wieder zunimmt“ eine klare Haltung der Kirche gegen eine Stimmung, die längst auch die Eliten der Bundesrepublik erfasst hat, einzufordern. Dass sie mit dieser Forderung nicht auf die Zustimmung aller Theologen trifft, belegt eine Stellungnahme des Kieler Theologieprofessors Ulrich Hübner. Dieser hatte im Vorfeld des Synodenpapiers heftig kritisiert, dass „in protestantischen Kreisen seit Jahrzehnten eine ebenso peinliche wie charakterlose Anbiederung an Juden ebenso gepflegt wurde und wird wie die damit verbundene, inflationär gewordene Mode litaneiähnlicher Selbstbezichtigungen (...) zu Gunsten von Juden“ und sich in Verkennung von Sinn und Zweck der Synodenerklärung mit durchaus antisemitischen Untertönen „kritisch“ zum Nah-Ostkonflikt geäußert. Positiv aufgenommen wurden diese Ausfälle beispielsweise von der rechtsradikalen Zeitschrift „Junge Freiheit“, in ihrer Novemberausgabe.

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Jødefjendtlig æresborger

Mit freundlicher Genehmigung der Flensborg Avis

April 2002

SLESVIG. En udstilling i Slesvig domkirke viser indtil 1. maj, at kirken i nazitiden ikke altid stod på den kristne, medmenneskelige side. Ofre og gerningsmænd får ansigt i tekster og foredrag. Således præsenteres bl.a. flere sydslesvigske jøders skæbne. Samtidig belyses Flensborg-præsten Friedrich Andersens holdninger og betydning for NSDAPs fremmarch i byen. Den jøde-fjendtlige præst døde i 1940 som æresborger. Udstillingen skal forstås som en appel til alle om at vise mere civilvourage.
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