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Presseberichterstattung Bad Segeberg
 

 

 

28.09.02

Nordelbische Kirchenzeitung:
Fortschritt auf dem Weg der Normalität
 

08.09.02

Nordelbische Kirchenzeitung:
Verfolgende und verfolgte Kirche
 

08.09.02

Nordelbische Kirchenzeitung:
Mit oder wider den Zeitgeist?
 

24.08.02

Lübecker Nachrichten:
Die Rolle der Kirche in der Nazi-Zeit
 

24.08.02

Segeberger Zeitung:
Als die Hakenkreuzfahne an der Propstei hing
 

19.08.02

Hamburger Abendblatt:
Wanderausstellung zum Thema Juden und Christen
 

 
Ausstellung und Vortragsreihe „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien“ endete mit Bestandsaufnahme
 

Fortschritt auf dem Weg der Normalität

Mit freundlicher Genehmigung der Segeberger Zeitung

28. September 2002

Bad Segeberg (pjm) Christen und Juden, in einer Kirche gemeinsam über die Situation des Zusammenlebens der beiden Glaubensgemeinschaften diskutierend. Diese gemeinsame Herstellung von „Normalität“ wünschte sich die Historikerin und Mitglied der jüdischen Gemeinde in Hamburg, Dr. Andrea Ajzensztejn, am Ende ihres Vortrages zum Thema „Jüdisches Leben in Hamburg und Schleswig-Holstein heute“ in der St. Marien-Kirche.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges blieben etwa 15 000 Juden in Deutschland, bis Ende der 50er Jahre kamen noch etwa 6000 dazu. Doch erst seit in den 80er Jahren Menschen jüdischen Glaubens aus Osteuropa – vor allem Russland – nach Deutschland übersiedelten, sind die 65 Gemeinden in der Bundesrepublik mit nunmehr 92 000 Mitgliedern so groß geworden, dass sie ein vielfältiges Leben entwickeln können und neue Gemeinden bilden – wie beispielsweise in Bad Segeberg. Neben dem religiösen Leben mit Gottesdiensten und den Feiertagen gibt es mittlerweile jüdische Altenclubs, Kindergärten und Schulen. Vor allem den Kindergärten komme eine große Bedeutung zu. Durch die religiöse Erziehung der Kinder lernen auch die Erwachsenen das religiöse Leben wieder kennen.

Die heikle christlich-jüdische Geschichte war Thema der Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien“, die zusammen mit drei Vortrags- und Diskussionsabenden mit Musik in der St. Marien-Kirche stattfand. Am ersten Vortragsabend, bei dem es um „Bekehrung oder Bekämpfung – Lutherische Kirche und Judentum in Hamburg im 17. und 18. Jahrhundert“ ging, waren nur etwa 20 Besucher. „Das war etwas enttäuschend, aber bei dem historischen Thema nicht überraschend“, meinte Pastor Matthias Voß, der die Veranstaltungsreihe betreute.

Beim zweiten Abend hörten schon etwa 60 Besucher die Geschichte zweier Pastoren in Norddeutschland: auf der einen Seite die des früheren Propstes in Segeberg, Ernst Szymanowski, der schon 1926 in die NSDAP eintrat, ein Jahr später Pastor in Kaltenkirchen und 1933 Propst in der Kalkbergstadt wurde; auf der anderen Seite die des Pastors Bernhard Bothmann aus Hamburg, der der, mit einer Jüdin verheiratet, die Verfolgung am eigenen Leib erlebte.

Die Abschluss-Veranstaltung lockte sogar über 80 Besucher, die nach dem Vortrag und musikalischen Zwischenspielen von Kirchenmusikdirektor Jürgen Frielinghausen (Cembalo) und Larissa Bom (Violine), ebenfalls aus Bad Segeberg, die Gelegenheit zu Fragen nutzten.

 
 
 
   
 
   

Verfolgende und verfolgte Kirche

Nordelbische Kirchenzeitung, Nr. 37 / 8. September 2002

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

KIRCHENKREIS SEGEBERG

BAD SEGEBERG – Im Rahmen der Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“ in der St. Marienkirche in Bad Segeberg wird am Mittwoch, 11. September, um 19.30 Uhr zu einem Gesprächsabend eingeladen. Der Historiker Stephan Linck hält ein Referat zu „Verfolgende Kirche – verfolgte Kirche; zwei Pastorenleben in Nordelbien“. Nach einem Imbiss und Musik des Kammerorchesters St. Marien ist Zeit für die Diskussion mit dem Referenten.

Der Eintritt ist frei.

 
 
 
   
 
JUDEN UND CHRISTEN Eröffnung der nordelbischen Wandersausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien“ in der St. Marienkirche in Bad Segeberg mit Gottesdienst
 

Mit oder wider den Zeitgeist?

Nordelbische Kirchenzeitung, Nr. 37 / 8. September 2002
Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

KIRCHENKREIS SEGEBERG

BAD SEGEBERG – Arthur Goldschmidt war ein „nichtarischer“ Christ. Sein Leben ist in der Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“ dokumentiert. Bei seinem Sohn setzte sich so Erinnerung frei. In einem Brief schildert er, wie er 1937 aus dem Kindergottesdienst ausgeschlossen wurde. Bischöfin Bärbel Warttenberg-Potter gab sein Erleben in ihrer Eröffnungs-Predigt der Ausstellung in der St. Marienkirche weiter.

Die Vergegenwärtigung rührte auf. Schon um in die Kirche zu gelangen, müssen die Besucher durch ein schwarzes Tor. Auf dem Fußboden im Torbogen wechseln die Diabilder. Sie bilden Stätten jüdischer Geschichte in Bad Segeberg. Unwillkürlich tauschen sich die Hereinkommenden aus. „Wussten Sie, dass der Marktplatz Adolph-Hitler-Platz hieß“, fragt eine Frau in die Runde. Das Thema rückt unmittelbar nahe – in die Region. Und es rückt vor die Kirchenbänke. Wo sonst Gesangbücher liegen sind Schilder mit „Judenerlassen“ der anderen entsprechenden Quellentexte aufgestellt. Sachlich und unaufgeregt konfrontieren sie mit der dunklen Seite des Menschen. Die Gedanken schweifen: Was wäre gewesen, wenn...? Zehn Stationen sind im Kirchenraum aufgestellt. Bild- und Tondokumente erläutern die dunkle Seite der Kirche von 1933 bis 1945.

Auf großes Interesse stößt das Porträt von Ernst Szymanowski, dem Pastor, der 1926 der NSDAP beitrat und 1933 bis 1936 Propst von Segeberg war. Der Historiker Stephan Linck erklärt zur Eröffnung das Konzept der Ausstellung. Die Zeit sei ein „Lehrstück der Radikalisierung unserer Gesellschaft“, die die evangelische Kirche mit bereitet und bestritten habe. „Wir zeigen die Vielfalt der Möglichkeiten, sich zu verhalten.“ – Daher die Porträts.

Die regionale Anbindung leistet ein „lokales Fenster“. Pastor Matthias Voß, der die Ausstellung für Segeberg organisierte, hat den Pass seines Vaters zur Verfügung gestellt, mit dem er den „arischen Stammbaum“ nachweisen musste. Im lokalen Fenster findet sich auch die Aufzeichnung einer Rede Goebbels zur 800-Jahr-Feier der Stadt. Die Reaktionen am Eröffnungsabend gingen von Anerkennung – es sei mutig von der Kirche, so mit eigenen Schuld umzugehen – bis hin zu Überlegungen, was die Vergangenheit für heute bedeutet. Eine Station, die Blackbox, steht für Menschen, die sich von der Kirche verlassen fühlten – wie der Sohn von Arthur Goldschmidt. Dass die „lästige Vergangenheit“ nicht abgeschlossen ist, zeigte die Reaktion eines Mannes. Er merkte nach dem Hören der Rede von Goebbels an: „Das war eben der Zeitgeist.“

Bis zum 25. September ist die Ausstellung täglich geöffnet. ab

 
 
 
   
 
   

Die Rolle der Kirche in der Nazi-Zeit

Mit freundlicher Genehmigung der Lübecker Nachrichten

24.08.02

Von Jan Brauer
Bad Segeberg – Als Arthur Goldschmidt im Juni 1942 seine verstorbene Ehefrau Kitty beerdigen lassen wollte, war er bei der Kirche an der falschen Adresse. Der Pastor seiner Heimatgemeinde Reinbek verweigerte der getauften Jüdin die Beerdigung, Goldschmidt musste auf einen Pastor zurückgreifen, der wie er selbst als „nicht arischer Christ“ wenige Monate zuvor aus der Schleswig-Holsteinischen Landeskirche ausgeschlossen worden war.

Erschrocken darüber, „wie unsere Kirche sich so verlaufen konnte“, eröffnete Propst Klaus Kasch in der Bad Segeberger Marienkirche die Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945“, die sich mit der Zeit beschäftigt, als sich die Kirche – so der erste Paragraph des Kirchengesetzes – „rückhaltlos“ für den Nazi-Staat einsetzte und ihre Beamten und Geistlichen „arischer Abstammung“ sein mussten.

Tafeln zeigen Lebensläufe von Opfern und Tätern aus dem kirchlichen Umfeld. Beispiel Ernst Szymanowski: Im November 1933 wurde der überzeugte Nationalsozialist Propst von Segeberg – später war er als ranghoher Gestapo-Kader für die Ermordung von knapp 3000 Juden mitverantwortlich. Bischöfin Bärbel Warttenberg-Potter erinnerte während der Eröffnung der Ausstellung in ihrer Predigt an die Zeit, als Schulkinder den Satz „Das Heil kommt von den Juden“ aus dem Markus-Evangelium streichen mussten.

Aber auch direkt nach dem Ende der Nazi-Herrschaft sei eine kritische Aufarbeitung der Vergangenheit nicht möglich gewesen, sagte Annette Göhres, Leiterin des Nordelbischen Kirchenarchives, das die Ausstellung gestaltet hat: „Personelle und institutionelle Kontinuität“ habe in Teilen der Kirche nach 1945 geherrscht. Die Ausstellung verzichtet darauf, die Kirche als Opfer der Nazis darzustellen, die keine andere Möglichkeit gehabt habe, als sich an Verfolgung und Diskriminierung zu beteiligen. „Eine Wahl gab es immer“, sagte Historiker Stephan Linck – so werden auch Pastoren vorgestellt, die dem braunen Terror Widerstand geleistet haben. In „Dialogbüchern“ können die Besucher ihre Meinungen und Gefühle ausdrücken.

Eine Ecke, die Pastor Matthias Voß mitgestaltet hat, beschäftigt sich mit der Segeberger Nazi-Vergangenheit. Ein Film zeigt permanent die Einweihung des Kalkbergstadions – damals „Thingplatz“ – durch Joseph Goebbels, ein Plakat wirbt für die völkisch inszenierte 800-Jahr-Feier der Kalkbergstadt.

Ob, wie Historiker Linck vermutete, nun aber viele Segeberger in alten Fotoalben nachschauen, ob hier etwa Verwandte aus jener dunklen Epoche der Geschichte zu finden sind, bleibt jedoch sehr fraglich.

 
 
 
   
 
Beeindruckende Ausstellung in St. Marien berichtet über das Verhältnis von Christen und Juden
 

Als die Hakenkreuzfahne an der Propstei hing

Mit freundlicher Genehmigung der Segeberger Zeitung

24.08.02

Bad Segeberg (pim) Junge Mädchen in weißen Gewändern ziehen durch die mit Hakenkreuzfahnen geschmückte Kirchstraße – ein Bild aus dem Jahre 1937. Auf einem weiteren Foto des „lokalen Fensters“ zur Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 – 1945“ hängt eine Hakenkreuzfahne am Propsteigebäude: Ernst Szymanowski, der 1927 Pastor in Kaltenkirchen und im November 1933 Propst in Segeberg wurde, war schon 1926 Mitglied der NSDAP geworden. „Es ist eine Ausstellung, die mitnimmt in ein Stück Segeberger Geschichte“, erklärte Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter in ihrer Predigt zur Eröffnung der Ausstellung, die bis Mittwoch, 25. September, in der St. Marien-Kirche zu sehen ist. Den über 200 Besuchern der Veranstaltung empfahl sie, sich von den Dokumenten mitnehmen zu lassen auf einen Weg des Lernens, damit sich derartiges nicht mehr wiederholt.

Zusammengestellt wurde die Ausstellung vom Nordelbischen Kirchenarchiv in Hamburg. Schon vor der Kirchentür gemahnt ein Schild aus Metall an das Thema. Im Eingangsbereich wird der antisemitische Geist dargestellt, der schon vor der Nazi-Zeit in der Kirche vorhanden war. „Fast seit Beginn ihres Bestehens ist der Antijudaismus Bestandteil der kirchlichen Theologie“, stellte Dr. Stephan Linck vom Kirchenarchiv fest. Beispielsweise wurde ein theologisches Lehrbuch mit antisemitischen Äußerungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts sogar noch nach dem Zweiten Weltkrieg nachgedruckt.

Wer die Kirche betritt, geht durch einen eisernen Torbogen. Dort gib es schwarze Schuber, in die Broschüren gesammelt werden können. Drei Broschüren informieren allgemein über die Zeit; zehn berichten in Beispielen über das Verhalten einzelner Menschen und Gemeinden der damaligen Zeit. „Machen Sie sich bewusst: Eine Wahl gab es immer“, erklärte Linck. Die Ausstellung soll vor allem die Spielräume hervorheben, die sich auch in einer Diktatur den Menschen bieten. So wird neben dem überzeugten Nazi Szymanowski, der sich 1941 arisierend in „Biberstein“ umbenannte, die Geschichte des Flensburger Pastors Wilhelm Haffmann geschildert, der erst die staatliche Judenverfolgung rechtfertigte, später aber kritisierte. Bei jeder der zehn Biographien sind Bücher für eigene Gedanken ausgelegt.

Auf den Bänken im Mittelschiff findet sich eine Zeittafel. Dort sind allgemeine politische Ereignisse und kirchliche Geschehen mit Jahreszahlen verbunden. Ergänzt wird das Material, das als Wanderausstellung seine achte Station in Bad Segeberg hat, durch lokales Material. Dieses wurde in einer Arbeitsgruppe mit Pastor Matthias Voß zusammengestellt.

Möglich wurde die Präsentation erst jetzt, weil sich „Kontinuitäten in der Kirche“ auch lange nach der Nazi-Zeit fortsetzten, berichtete Ausstellungsleiterin Dr. Annette Göhres. Beispielsweise war Szymanowski auf Antrag der nordelbischen Landeskirche 1957 begnadigt worden, obwohl er 1948 in den Nürnberger Prozessen noch zum Tode verurteilt worden war: Ab 1958 wurde er von der Kirchenkreisverwaltung Neumünster beschäftigt.

In Bad Segeberg ist die Ausstellung erstmals für eine längere Zeit in einer Kirche aufgebaut. Die Ausstellung ist montags, mittwochs und sonnabends jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen sind nach Vereinbarung möglich. Ansprechpartner dafür sind das Kirchenbüro unter Tel. 04551/955255 und Pastor Matthias Voß unter Tel. 04551/955230.

Zur Ausstellung gibt es drei Abende mit Vorträgen , Diskussionen und Musik sowie Pausen für Gespräche und einen Imbiss.

 
 
 
   
 
     

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